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ANALYSE/Jens Ehrhardt: Europäische Aktien könnten 2012 positiv überraschen

11:51 Uhr 27.01.2012
MANNHEIM (dpa-AFX) - Der europäische Aktienmarkt könnte laut dem Vermögensverwalter Jens Ehrhardt in diesem Jahr positiv überraschen. 'In Europa sind bei den Bankaktien viele systemische Risiken inzwischen verschwunden', sagte der Experte auf einem Fondskongress in Mannheim.

Zwar habe sich die wirtschaftliche Lage vor allem in den Mittelmeerländern verschlechtert, fuhr Ehrhardt fort. Allerdings 'hat sich das konjunkturelle Bild nicht so deutlich eingetrübt wie noch Ende letzten Jahres befürchtet.' Vielmehr habe die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dafür gesorgt, dass sich die Perspektiven für den europäischen Aktienmarkt aufgehellt hätten. Ehrhardt erwartet, dass neben der EZB auch die britische Notenbank weiter Geld drucken wird, um die Wirtschaft zu stützen. Dies dürfte sich ebenso positiv auswirken wie der Umstand, dass aktuell noch viele internationale Anleger in europäischen Aktien unterinvestiert seien.

'Für Unruhe könnte aber ein möglicher Konkurs des griechischen Staates in diesem Jahr sorgen', sagte Ehrhardt. Dies dürfte sich jedoch nur auf kurze Sicht negativ auf den Aktienmarkt auswirken. Mittel- bis langfristig orientierten Anlegern würden die sinkenden Kurse im Zuge einer Insolvenz des hochverschuldeten Eurolandes Kaufgelegenheiten bieten.

Besonderes Potenzial eröffnet Ehrhardt zufolge der deutsche Aktienmarkt: 'Der wichtige ifo-Geschäftsklimaindex hat sich im Januar zum dritten Mal in Folge verbessert.' Auch das Expansionsniveau der Industrieproduktion sei immer noch gesund. Den rückläufigen Exporten in die Eurozone stünden höhere Ausfuhren nach China gegenüber.

'In China läuft die Binnenkonjunktur sehr gut', sagte Ehrhardt. Die Regierung stemme sich gegen eine weitere Abschwächung der Wirtschaft und dürfte deshalb die Geldpolitik etwas weiter lockern. Sehr aussichtsreich seien vor diesem Hintergrund Konsumaktien und die attraktiv bewerteten Finanztitel.

Skeptisch allerdings beurteilt Ehrhardt die Perspektiven für den US-Aktienmarkt: 'Die Realwirtschaft in der Vereinigten Staaten lahmt etwas.' Zwar sei sie weniger abhängig von den Banken als die europäischen Volkswirtschaften. Allerdings hinke das Umsatzwachstum der Unternehmen dem Gewinnanstieg hinterher. Ferner gehe der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung weiter zurück. Weitere Stimulierungsmaßnahmen der Notenbank hingegen könnten auch in den USA den Aktienmarkt stützen. Damit einher gehe aber eine erhöhte Inflationsgefahr./la/ag

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