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MONTE CARLO/GESAMT-ROUNDUP/Rückversicherer uneins: Höhere Prämien oder nicht?

16:19 Uhr 10.09.2012
MONTE CARLO (dpa-AFX) - Die Rückversicherer drängen angesichts der Niedrigzinsen und der unsicheren Wirtschaftslage bei ihren Kunden auf höhere Prämien. Der weltweit Branchendritte Hannover Rück ( HANNOVER RÜCK Aktie) will bei der Vertragserneuerung zum kommenden Jahreswechsel zumindest etwas höhere Preise durchsetzen. Auch die größere Swiss Re ( SWISS RE AG Aktie) stellte beim Branchentreffen 'Rendez-Vous de Septembre' am Montag in Monte Carlo moderate Steigerungen in Aussicht. Der Marktführer Munich Re ( MÜNCHENER RÜCK Aktie) jedoch hat die Hoffnung für die kommenden Monate so gut wie aufgegeben. Nur eine schwere Naturkatastrophe könnte den Trend noch drehen, schätzen die Münchner.

Die Aktien der drei Branchengrößten reagierten unterschiedlich auf die Nachrichten. Während die Papiere der Munich Re bis zum Nachmittag um 0,70 Prozent zulegten, verloren die Titel der Hannover Rück 0,35 Prozent ihres Werts. Die Papiere der Swiss Re zeigten sich mit einem Plus von 0,08 Prozent fast unbeeindruckt.

WICHTIGSTE VERTRAGSERNEUERUNG

Beim jährlichen Branchentreffen in Monte Carlo verhandeln die Rückversicherer mit ihren Kunden - Erstversicherern wie Allianz ( ALLIANZ Aktie) und Axa ( AXA Aktie) , Großkunden aus der Industrie und Maklern wie Aon Benfield - über die künftigen Konditionen. Zum kommenden Jahreswechsel steht der Großteil der Verträge in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zur Erneuerung an. Ein Jahr zuvor hatten der Tsunami in Japan und die Erdbeben in Neuseeland die Prämien in der Katastrophen-Rückversicherung kräftig nach oben springen lassen. 2012 kam die Branche trotz des Erdbebens in Norditalien und des Wirbelsturms 'Isaac' in den USA bislang glimpflich davon.

Dennoch gab sich Hannover Rück am Montag zuversichtlich, die eigenen Preisvorstellungen zumindest teilweise durchsetzen zu können. 'Die niedrigen Zinsen und die wirtschaftliche Unsicherheit verhindern einen Preisverfall', sagte Vorstandschef Ulrich Wallin. Da Rückversicherer niedrige Prämien immer weniger durch Kapitalerträge ausgleichen können, müssten sie bereits beim Vertragsabschluss auf angemessene Preise achten.

Steigerungen erwartet Wallin in der Sach-Rückversicherung in den USA, wo das Unternehmen bereits in den vergangenen Monaten im Katastrophengeschäft an der Preisschraube gedreht hatte. Auch in der deutschen Kraftfahrt-Versicherung sieht er nach jahrelangem Preiskampf einen Aufwärtstrend. In der Luftfahrt-Rückversicherung machten sich die geringen Schäden hingegen in einem Preisverfall bemerkbar.

GERINGE KATASTROPHENSCHÄDEN

Auch Konkurrent Swiss Re zeigte sich optimistisch, dass er seinen Kunden höhere Prämien abverlangen kann. Die Schweizer wollen zusätzliches Kapital vor allem in den Risikofeldern einsetzen, von denen sie sich die höchsten Renditen versprechen. Marktführer Munich Re hatte hingegen am Sonntag die Hoffnung auf Preissteigerungen weitgehend begraben. Selbst im Katastrophengeschäft dürfte das Prämienniveau lediglich stabil bleiben.

Daran hat auch Hurrikan 'Isaac' nichts geändert. Die von dem Wirbelsturm Ende August in den USA angerichteten Schäden sind deutlich niedriger ausgefallen als bei 'Irene' im Vorjahr. Die Experten des auf Risikoanalysen spezialisierten Versicherungsdienstleisters AIR Worldwide schätzen die versicherte Schadensumme auf 700 Millionen bis 2 Milliarden US-Dollar. Die Munich Re schätzt, dass sie davon weniger als 100 Millionen Dollar (78 Mio Euro) tragen muss. Hannover-Rück-Chef Wallin rechnet durch 'Isaac' mit einer Belastung im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auch Swiss Re erwartet keinen allzu hohen Schaden, wollte aber keine Größenordnung nennen.

KRISE SCHAFFT UNSICHERHEIT

Die europäische Staatsschuldenkrise, die Politik des billigen Geldes und die Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung setzt Versicherer und Rückversicherer zunehmend unter Druck. 'Unsere Branche befindet sich in einem ausgesprochen turbulenten Wirtschafts- und Finanzmarktumfeld', sagte Swiss-Re-Chef Michel Lies. Die Auswirkungen der Niedrigzinsen schlügen sich erst mit Verzögerung in den Kapitalanlagen der Unternehmen nieder.

Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek hatte zuvor die Unsicherheit über die Zukunft des Euro und die Entwicklung der Schuldenstaaten als Gefahr für die Branche beklagt. Die Munich Re spielt Szenarien von weiteren Rettungsaktionen für Schuldenstaaten bis zum Auseinanderbrechen der Eurozone durch. 'Wir wollen, dass die Politik die Probleme löst, aber wir rüsten uns für alle möglichen Entwicklungen', sagte Jeworrek. Durch die Niedrigzinsen lasse sich die versprochene Rendite für die Kunden immer schwieriger erwirtschaften. Bei Haftpflichtverträgen reiche das niedrige Zinsniveau oft nicht aus, um die mit der Inflation steigenden Schadensummen aufzufangen./stw/fbr/he

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