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LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Die Geschäfte beim Chemiekonzern BASF brummen wieder und dies nicht nur allein dank kräftig anziehender Nachfrage aus der Automobilindustrie. In einigen Bereichen wie etwa bei der Kunststoff-Sparte kam es sogar aufgrund knapper Rohstoffe zu Lieferengpässen. Nach einem bereits überraschend guten Auftaktquartal kletterte der Umsatz um mehr als ein Viertel, das operative Ergebnis verdoppelte sich nahezu zum Vorjahr. Unter dem Strich blieb dem im Dax notierten Unternehmen mehr als dreimal so viel. Dabei übertraf BASF bei allen Kennziffern die Schätzungen der Analysten.
Die Börse honorierte die starken Zahlen: Die Aktie verteuerte sich nach Börseneröffnung um über 2 Prozent, bis zum Nachmittag lagen die Titel noch rund ein Prozent im Plus.
'Wachstumsimpulse kamen aus allen Regionen. Wir sind auf gutem Weg, wieder an die Vorkrisen-Ergebnisse anzuschließen', erläuterte Unternehmenschef Jürgen Hambrecht am Donnerstag während einer Telefonkonferenz. Auch für den weiteren Jahresverlauf geht er von positiven Impulsen aus und erwartet 'kein signifikantes Nachlassen der Dynamik'. 'Wir rechnen damit, dass sich die konjunkturelle Erholung im zweiten Halbjahr 2010 moderat fortsetzt.' Allerdings prognostiziert der im nächsten Jahr scheidende BASF-Chef einen Anstieg bei den Rohstoffausgaben. 'Die Rohstoffkosten werden im zweiten Halbjahr sacht nach oben gehen.'
Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte BASF noch einmal die Ziele. 'Wir gehen davon aus, dass wir unseren Umsatz im Jahr 2010 kräftiger steigern werden als die weltweite Chemieproduktion', sagte Hambrecht. Beim EBIT vor Sondereffekten peilt BASF weiterhin einen deutlichen Zuwachs an. Die Kapitalkosten will das Unternehmen in diesem Jahr wieder verdienen und auch die Dividende erhöhen. Im Krisenjahr 2009 schrumpfte der Umsatz um knapp ein Fünftel. Das EBIT vor Sondereffekten ging um fast 30 Prozent zurück, der Gewinn halbierte sich. Die Dividende kürzte das BASF-Management auf 1,70 Euro je Aktie.
Bezüglich der weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigten sich die Ludwigshafener für 2010 optimistischer und erhöhten ihre Erwartungen. Dennoch warnte Hambrecht erneut vor Risiken. 'Die notwendige weltweite Konsolidierung der staatlichen Haushalte wird die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ebenso belasten wie das Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme', sagte er. Hinzu kämen schwankende Rohstoffmärkte und Überkapazitäten. An dem Sparkurs will das Unternehmen weiter festhalten. Im laufenden Jahr will BASF laut Hambrecht mit dem Programm Next rund 600 Millionen Euro einsparen. Mit dem im Jahr 2008 gestarteten Programm wollen die Ludwigshafener unter anderem durch Verbesserung von Prozessen ihr Ergebnis ab 2012 jährlich um mehr als eine Milliarde Euro erhöhen.
BASF verzeichnete im zweiten Quartal wie bereits der Konkurrent Dupont (DU PONT Aktie) aus den USA deutliche Zuwächse bei Umsatz und Ergebnissen in nahezu fast allen Geschäftsbereichen. Auch beim Leverkusener Konzern Bayer brummte das Chemiegeschäft und erwies sich als Stütze für das weniger gut laufende Pharmageschäft. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern (EBIT) und Sondereffekten konnte BASF mit 2,206 Milliarden Euro im Zeitraum April bis Juni nahezu verdoppeln. Unter dem Strich blieben dem im Dax notierten Unternehmen mit 1,183 Milliarden Euro mehr als dreifach soviel. Der Umsatz kletterte um knapp 30 Prozent auf 16,214 Milliarden Euro.
Zum Ergebniszuwachs trugen fast alle Sparten bei. Das größte Ergebnisplus verzeichnete das Unternehmen erneut mit Chemikalien, Kunststoffen und Veredelungsprodukten. Aber auch im Bereich Functional Solution, in dem BASF etwa Lacke und Katalysatoren für Autos produziert, boomte das Geschäft wieder. Rückgänge musste BASF aufgrund des strengen Winters in Nordamerika und Europa nur im Geschäft mit Chemikalien für die Landwirtschaft hinnehmen.
Analyst Stephan Kippe von der Commerzbank bewertet das zweite Jahresviertel wie viele Händler ebenfalls als sehr stark. Die Zahlen von BASF habe sowohl über seinen als auch über den Erwartungen des Marktes gelegen. Dazu beigetragen hätten insbesondere die Sparten Performance Products und Functional Solutions. Regional habe sich das Geschäft in den USA und Europa verglichen mit dem ersten Quartal besonders gut entwickelt. Der Experte bezeichnete allerdings den bestätigten Ausblick als etwas vorsichtig. BASF erwarte im zweiten Halbjahr eine moderate Wirtschaftserholung, die allerdings von schmalen staatlichen Budgets beeinträchtigt werde./mne/jha/stk
--- Michaela Nehren-Essing, dpa-AFX ---