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MANNHEIM (dpa-AFX) - Der Dienstleistungs- und Baukonzern Bilfinger Berger ( BILFINGER Aktie) bleibt nach einem Gewinnsprung 2011 auch für das laufende Jahr zuversichtlich. Nach einem erfolgreichen Jahr könne der Konzern auch 2012 - bei allen Unwägbarkeiten - verhalten optimistisch entgegen gehen, sagte der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch am Montag bei einer Telefonkonferenz. Er hatte am 1. Juli 2011 das Ruder von seinem langjährigen Vorgänger Herbert Bodner übernommen. Neben einer stärkeren Vernetzung setzt er auf einen kräftigen Ausbau der Dienstleistungen. Dafür stünden deutlich mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung. Bodner hatte den Konzern in den vergangenen Jahren bereits verstärkt auf Dienstleistungen getrimmt. 2011 steigerten die Mannheimer Leistung und Gewinn etwas stärker als erwartet. Die Aktie legte etwas deutlicher als der MDax zu.
'Wir sind sehr zufrieden', sagte Koch mit Blick auf das vergangene Jahr. Die Zahlen bestätigten die Strategie. Koch will Bilfinger von einzelnen Konjunkturzyklen noch unabhängiger machen und auch die regionale Präsenz ausweiten. Zuletzt hatte die Schuldenkrise in Europa für Unsicherheit gesorgt. Koch erwartet 2012 gleichwohl in allen Geschäftsfeldern eine positive Entwicklung. Im Vorjahr schnellte der Gewinn nach vorläufigen Berechnungen insbesondere wegen hoher Verkaufserlöse des Australien-Geschäfts um 39 Prozent auf 394 Millionen Euro in die Höhe. Allein die Verkaufserlöse lagen bei 161 Millionen Euro. Bilfinger profitierte von einem robusten Dienstleistungsgeschäft. Doch auch im Baugeschäft verbesserte sich die Profitabilität. Die Aktionäre sollen am Erfolg beteiligt werden. Ihnen winkt eine durch einen Bonus auf 3,40 (2,50) Euro je Aktie erhöhte Dividende.
Am Finanzmarkt war die Reaktion positiv. Die Bilfinger-Aktien legten in einem festeren Marktumfeld um 2,25 Prozent auf 72,67 Euro zu. Händler hoben neben den Kennzahlen und der Dividende auch den Ausblick hervor. DZ-Bank-Analyst Marc Nettelbeck sprach insgesamt von guten Ergebnissen und einem positiven Ausblick. Auch Equinet-Experte Ingbert Faust sieht sich durch die Zahlen in seiner guten Einschätzung bestätigt. Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow nannte den Ausblick dagegen vage.
Im vergangenen Jahr war die Nachfrage laut Koch insgesamt stabil. Die Leistung kletterte um fünf Prozent auf rund 8,5 Milliarden Euro, während das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um sechs Prozent auf 361 Millionen Euro zulegte. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten jeweils etwas niedrigere Werte erwartet. Der Auftragseingang sei 2011 mit knapp 7,8 Milliarden Euro nur leicht um zwei Prozent gesunken. Der Rückgang beim Auftragsbestand um acht Prozent auf gut 7,8 Milliarden Euro begründete Koch mit der regionalen Konzentration des Baugeschäfts.
Im laufenden Jahr rechnet Koch durch die weitere Konzentration des Baugeschäfts und die Entkonsolidierung des Nigeria-Geschäfts mit einem Rückgang der Leistung. Das Konzernergebnis werde 2012 unterdessen 'erheblich' über dem bereinigten Vorjahreswert von 220 Millionen Euro liegen. Dabei dürften steigende Margen und Veräußerungsgewinne zu einer deutlichen Erhöhung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) führen. 2011 lag die Kennzahl bei 397 Millionen Euro.
Im Industriedienstleistungsgeschäft sei nach dem kräftigen Wachstum 2011 angesichts der verhaltenen Aussichten der Prozessindustrie für 2012 nur noch von einer leichten Zunahme der Leistung bei einer Steigerung der operativen EBITA-Marge auszugehen. Getragen von einer guten internationalen Nachfrage sei bei Kraftwerksdiensten bei der Leistung eine Wachstumsbeschleunigung und ein weiterer Anstieg der EBITA-Marge zu erwarten. Im Bau- und Gebäudeservice werde die Leistung wegen des vorgesehenen Verkaufs eines Mehrheitsanteils an den Engineering- und Dienstleistungsaktivitäten von Bilfinger Berger Nigeria unterdessen insgesamt zurückgehen. Trotz des starken Wettbewerbs dürfte sich die EBITA-Marge aber weiter erhöhen und das Ergebnis zulegen.
Im Ingenieurbau sei wegen staatlicher Sparmaßnahmen mit einer sinkenden Nachfrage zu rechnen. Unabhängig davon werde die Leistung nach dem Ende eines Großprojekts zurückgehen und die seit längerem geplante Größenordnung erreichen, hieß es. Die verbesserte Risikostruktur und die zunehmende Fokussierung auf margenstärkere Bereiche ermöglichten aber einen weiteren Anstieg der EBITA-Marge. Bei Betreiberprojekten werde sich das EBITA nach dem Verkauf von Projekten an einen Fonds verdoppeln.
Auch die Mittelfristziele bekräftigte der Koch. Demnach soll die Leistung bis 2016 um bis zu 50 Prozent steigen und sich das Konzernergebnis verdoppeln. Der Konzern setze dabei auf internes und externes Wachstum. Bei den Prognosen für 2012 seien Zukäufe nicht berücksichtigt. Bis ins Jahr 2016 sollen deutlich mehr als eine Milliarde Euro für den Zukauf von Unternehmen, insbesondere zum Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts, investiert werden. Wie angekündigt dürften vor allem 2012 und Anfang 2013 eine Reihe von Zukäufen erfolgen. Die Kasse ist prall gefüllt: Zum Jahresende lag der Bestand an Liquiden Mitteln bei 847 (Vorjahr: 537) Millionen Euro.
Mit einer Reihe von zumeist kleineren Zukäufen hatten die Mannheimer 2011 bereits das Angebotsspektrum und die regionale Präsenz in allen drei Dienstleistungsbereichen ergänzt. So war etwa der Einstieg in Indien gelungen. Dort erhofft sich Koch zusätzliches Potenzial. Die Stärken von Bilfinger Berger könnten auch im indischen Chemiedreieck zum Tragen kommen. Bilfinger ist in Europa bereits Marktführer im Servicegeschäft mit der Chemieindustrie. Der Markt sei aber 'sehr zerklüftet'. Im Gesamtkonzern hält Koch die Koordination der vielen Stärken für eine 'sehr wichtige' Aufgabe. Die Integration der Zukäufe und der Teilkonzerne will er vorantreiben. Er will damit auch einen einheitlicheren Auftritt des Konzerns mit inzwischen mehr als 59.000 Mitarbeitern erreichen./jha/mne/tw
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| BILFINGER Aktie | DE0005909006 | 64,28 € | 0,61% | |
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