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Zugleich rutschte die Zahl der Jobsuchenden auf den niedrigsten Juli-Stand seit 18 Jahren. Die Arbeitslosenquote nahm im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 7,6 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie aber noch bei 8,2 Prozent gelegen.
BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise beurteilte die Entwicklung dennoch zwiespältig. Zwar habe sich angesichts des Erholungskurses der Wirtschaft die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter entspannt. Nach früher angelegten Maßstäben könnte man sogar von einer Trendwende sprechen. 'Aber das Muster der aktuellen Krise passt nicht mehr zu den früheren Modellen', erläuterte Weise.
Auch wegen der vielen volkswirtschaftlichen Risiken bleibe er skeptisch. 'Wir spüren, dass die Krise noch immer wirkt.' Zur Begründung verwies Weise auf die auslaufenden Konjunkturprogramme, den 'angeschlagenen Bankensektor' und die schlechte Bonität einiger europäischer Länder. Zudem seien immer noch viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Auch die Schuldenbremse der Bundesregierung könnte den Arbeitsmarkt über kurz oder lang belasten. 'Als Folge erwarten wir einen Abbau von Personal im öffentlichen Sektor'.
Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sieht trotz ermutigender Signale noch konjunkturelle Risiken. 'Wir sind noch nicht vollends aus der Krise heraus', erklärte sie in Berlin. 'Weil die Betriebe vielfach an Stamm- und Fachkräften festgehalten haben, ist der Spielraum für Neueinstellungen in diesem Bereich begrenzt.' Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rechnet noch im Laufe dieses Jahres mit weniger als drei Millionen amtlich registrierten Arbeitslosen.
Weiter an Bedeutung verliert die Kurzarbeit. Im Mai hätten noch 481.000 Männer und Frauen Kurzarbeitergeld bezogen; dies seien rund 110.000 weniger als im April, berichtete BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Normal seien 100.000 Kurzarbeiter. Das Interesse an diesem Krisenpuffer gehe aber weiter zurück: Im Juli hätten Firmen nur noch für 20.000 bis 25.000 Beschäftigte Kurzarbeit beantragt.
Als Hinweis auf die sich bessernde Lage wertet die Bundesagentur die Tatsache, dass die Zahl der Vollzeitstellen erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise wieder steigt; im Juli lag ihre Zahl um 20.000 über dem entsprechenden Vorjahresniveau. In den vergangenen Monaten hatte der Stellenzuwachs in der deutschen Wirtschaft fast nur aus Teilzeitstellen bestanden. Insgesamt gab es zuletzt bundesweit 40,37 Millionen Arbeitsplätze. Sozialversicherungspflichtig waren davon 27,6 Millionen.
Gelassen sieht die Bundesagentur den hohen Anteil der Zeitarbeitsplätze bei den aktuell angebotenen offenen Stellen. Leiharbeit sei ein Frühindikator für die Entwicklung am Arbeitsmarkt. 'Wenn die Konjunktur wieder anspringt, steigt sie in der Regel ein dreiviertel Jahr lang an'. Danach mündete solche Beschäftigungen aber oft in eine Festanstellung, erläuterte BA-Vorstandsmitglied Becker.
Der Osten Deutschlands hat derweil längst nicht so stark vom Job- Boom profitiert wie die alten Bundesländer. Hauptgrund dafür sei der geringere Anteil exportorientierter Branchen, die derzeit im Westen boomten, wie BA-Statistiker erläuterten. In Westdeutschland waren im Juli 2.209.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren rund 33.000 mehr als als im Juni, aber 159.000 weniger als vor einem Jahr. In Ostdeutschland gab es im Juli 983.000 Arbeitslose, gut 5000 mehr als im Juni, aber 111.000 weniger als vor zwölf Monaten. Die Arbeitslosenquote liegt im Westen nun bei 6,6 Prozent, im Osten bei 11,6 Prozent./kts/DP/he