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ROUNDUP 2: Ungewissheit über britische Geldpolitik steigt

13:15 Uhr 20.04.2018

(Neu: Äußerungen von Notenbankmitglied Saunders.)

LONDON (dpa-AFX) - Die Unsicherheit über den kurzfristigen Kurs der britischen Notenbank ist vor dem Wochenende deutlich gestiegen. Galt bis vor kurzem eine Zinsanhebung auf der nächsten Zinssitzung der Bank of England Mitte Mai als ausgemachte Sache, hat diese Erwartung am Freitag einen starken Dämpfer erhalten. Hauptgrund waren Äußerungen ranghoher Zentralbankvertreter, die alles andere als eine klare Linie zeichneten. Die Reaktionen an den Finanzmärkten waren deutlich.

Für Kursbewegung sorgte vor allem Großbritanniens Notenbankchef Mark Carney. Dem britischen Sender BBC sagte Carney am späten Donnerstagabend, zwar sei in diesem Jahr eine Zinsanhebung grundsätzlich möglich. Allerdings werde die Notenbank ihre Zinsentscheidung im Mai in dem Bewusstsein treffen, dass es auch noch andere Zinssitzungen in diesem Jahr gebe. Der Kanadier sagte zudem voraus, dass es auf der nächsten Zinssitzung zwischen den Notenbankern "unterschiedliche Ansichten" über den weiteren Kurs geben dürfte.

Damit dürfte Carney richtig liegen, denn tendenzieller Widerspruch kam schon am Freitag. Michael Saunders, ebenfalls ein ranghohes Notenbankmitglied, lieferte in einer Rede im schottischen Strathclyde einige Argumente für eine geldpolitische Straffung. Saunders relativierte die wirtschaftliche Verlangsamung in den ersten Monaten dieses Jahres. Häufig würden zu Jahresbeginn veröffentlichte Daten im Nachhinein nach oben korrigiert, sagte Saunders. Außerdem sei die wirtschaftliche Lage grundsätzlich gut, so dass die aktuelle geldpolitische Stützung nicht mehr notwendig sei. "Unser Fuß muss nicht mehr so fest auf dem Gaspedal stehen."

Die Äußerungen Carneys wogen an den Märkten jedoch deutlich stärker. Sie wurden dahingehend gedeutet, dass eine Zinsanhebung auf der kommenden Sitzung Mitte Mai alles andere als ausgemacht sei. Das britische Pfund geriet schon am Donnerstagabend erheblich unter Druck. Am Freitag folgten die britischen Kapitalmarktzinsen, die spürbar nachgaben. Die am Geldmarkt ablesbare Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung auf der nächsten Zinssitzung fiel am Freitag von zuvor etwa 80 Prozent auf 50 Prozent. Fachleute sehen eine Zinsanhebung bei solchen Werten als nicht mehr vollständig eingepreist an.

Die Notenbank selbst hatte den Termin Mitte Mai zwar nie explizit genannt, sich aber auch nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen. Vor den Bemerkungen Carneys war am Markt trotz eher schwacher Konjunktur- und Inflationsdaten noch stark mit einer Zinsanhebung im Mai gerechnet worden. Auch sprach der Notenbankchef gegenüber der BBC die zuletzt enttäuschenden Wirtschaftszahlen an. Er schränkte aber ein, dass für die Notenbanker das Gesamtbild der Wirtschaftslage entscheidend sei.

Der jüngste geldpolitische Schwenk Carneys kann als weitere Episode einer mitunter schwer vorhersehbaren Geldpolitik der Bank of England gelten. In guter Erinnerung sind Fachleuten mehrere Richtungsschwenks, die Carney vor etwa vier Jahren unternahm. Seinerzeit hatte die Notenbank den Anschein erweckt, auf eine geldpolitische Straffung zuzusteuern. Vollzogen hatte sie diese letztlich aber nie. Diese Phase der Unstetigkeit hat Carney an den Märkten den Ruf eines nicht immer zuverlässigen geldpolitischen Signalgebers eingebracht./bgf/jkr/das

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