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ROUNDUP 2: Windpark-Projektentwickler Windreich in Zahlungsnöten

20:01 Uhr 09.09.2013

ESSLINGEN/WOLFSCHLUGEN (dpa-AFX) - Paukenschlag bei Windreich: Der Windpark-Entwickler hat Insolvenz angemeldet, Firmengründer Willi Balz tritt zurück. Bereits Ende vergangener Woche habe das Unternehmen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, wie Windreich am Montagabend in Wolfschlugen (Kreis Esslingen) mitteilte. Zuvor hatte die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' (Dienstag) unter Berufung auf das Amtsgericht Esslingen darüber berichtet. Als Sachwalter wurde der Stuttgarter Anwalt Holger Blümle eingesetzt.

Um den Weg für die Sanierung freizugeben, gibt Windreich-Gründer Balz seinen Posten als Firmenchef auf. Balz habe sich mit sofortiger Wirkung aus der Geschäftsführung zurückgezogen, teilte das Unternehmen mit. Die Leitung übernimmt der bisherige Berater Werner Heer. 'In Zusammenarbeit mit dem bisherigen Management wird sich Heer insbesondere auf die weitere Entwicklung und Finanzierung des Offshore-Projekts MEG I konzentrieren', hieß es. Er werde sicherstellen, dass die Projektgesellschaft MEG I von der Windreich-Sanierung unberührt bleibe, sagte Heer.

Windreich plant Anlagen und Windparks, die dann an Investoren verkauft werden. Das Geschäft birgt Risiken. Ende 2012 hatte das Unternehmen gut 300 Millionen Euro Schulden angehäuft und war wegen Abschreibungen auf eine Beteiligung in die roten Zahlen gerutscht.

Erst vor wenigen Wochen hatte Balz sich noch zuversichtlich gezeigt, die Schulden in diesem Jahr deutlich reduzieren zu können. Mit den Mitteln aus dem Verkauf eines Windparks wolle er einen 70-Millionen-Euro-Kredit an die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin zurückzahlen, sagte Balz damals: 'Die Durststrecke ist nun überstanden.'

Nach Informationen der 'FAZ' hat ein Windreich-Gläubiger mit Millionenforderungen bereits vor Tagen einen Insolvenzantrag gestellt. Das zuständige Amtsgericht habe das Verfahren aber zunächst nicht eröffnet, weil Balz offensichtlich glaubhaft machen konnte, dass die Zahlungsschwierigkeiten nur vorübergehender Natur seien. Indem Windreich seinen Gläubigern zuvorkommt, kann das Unternehmen sich nun in Eigenregie sanieren.

Bei dem neuen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ist das betroffene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter überlassen zu müssen. Das Verfahren kann drei Monate lang aufrechterhalten werden. Wird die Sanierung nicht erreicht, droht die Insolvenz.

Die Lage bei Windreich beschäftigt bereits Behörden und Gerichte. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt seit März gegen frühere und amtierende Vorstände - unter anderem wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Bilanzmanipulation und Kreditbetrug. Nicht nur bei Balz, sondern auch beim ehemaligen baden-württembergischen FDP-Landeschef Walter Döring klopfte die Staatsanwaltschaft an. Beide hatten die Ermittlungen bestätigt.

Zeichner der Windreich-Anleihen haben vor dem Landgericht Regensburg eine Klage gegen die Bank J. Safra Sarasin eingereicht, weil sie sich schlecht über die Geschäftsaussichten informiert fühlten. Windreich hat zwei Anleihen im Volumen von insgesamt 125 Millionen Euro an der Stuttgarter Börse ausgegeben. Die Liquiditätsprobleme deuteten sich Anfang März an, als Windreich Anleihenzinsen erst mit zwei Tagen Verspätung zahlte.

Die Anleihenzeichner sollten sich nun so schnell wie möglich organisieren, damit sie nicht leer ausgehen, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird, sagte Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Kanzlei Nieding und Barth. 'Sie werden nachrangig behandelt, stehen also am Ende der Nahrungskette, wenn es hart auf hart kommt.'/ang/DP/she

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