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WOCHENAUSBLICK: Dax im Schwitzkasten von Nordkorea und schwacher Sommermonate

17:02 Uhr 11.08.2017

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Streit zwischen den USA und Nordkorea dürfte die Anleger auch in der neuen Börsenwoche auf Trab halten. Das ist jedenfalls der Tenor vieler Marktkommentare. "Weiterhin vorsichtig bleiben", rät Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Krise um Nordkorea drücke auf Stimmung und Kurse. Die Nervosität nehme zu, was sich in stark steigenden "Angstbarometern" wie dem VDax oder dem amerikanischen VIX widerspiegele.

Klumpp spricht von einer Eskalationsspirale, wegen der Anleger in den "Risk-off"-Modus umgeschaltet hätten. Damit meint er, dass Risiken eher gemieden werden. Mit der lange Zeit sorglosen Haltung sei es mittlerweile vorbei. Das führte jüngst bereits zu einem Anstieg des Preises für Gold, das als sicherer Hafen gilt, auf den höchsten Stand seit Anfang Juni. Die Feinunze steht kurz vor dem Sprung über 1300 US- Dollar.

EXPERTE: PULVER TROCKEN HALTEN

Die jüngste Börsenschwäche dürfte aber nicht nur dem sich zuspitzenden Konflikt um Nordkorea geschuldet sein. Zumal die Kurse schon seit dem Dax-Rekord im Juni tendenziell nachgeben. "Die Aktienmärkte haben die saisonal schwächste Phase des Jahres erreicht", schrieb Karsten Junius von der Schweizer Privatbank Sarasin. Diese umfasse den August und September. Geopolitische Spannungen sollten Anleger nicht überbewerten, denn deren negative Folgen seien zumeist von kurzer Dauer. Investoren seien zwar beraten, das Pulver zunächst noch trocken zu halten. Im Oktober könne es jedoch wieder attraktive Möglichkeiten zum Einstieg in Aktien geben.

Sollte sich die Krise um Nordkorea etwas beruhigen, könnte die Konjunktur wieder stärker ins Rampenlicht rücken. Die deutsche Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal könnte am Dienstag Impulse liefern. "Die deutsche Wirtschaft präsentiert sich zur Jahresmitte in glänzender Verfassung", schrieb Jens Kramer von der NordLB. Der Aufschwung habe an Breite und Tempo gewonnen. "So kann es gern weitergehen, allen geopolitischen Widrigkeiten zum Trotz", schrieb der Volkswirt.

Ebenfalls am Dienstag stehen in den USA mit den Einzelhandelsumsätzen im Juli die wohl wichtigsten Konjunkturdaten der Woche an. Der immer enger werdende Arbeitsmarkt verschaffe den Verbrauchern in den USA zusätzliche Freiräume beim Konsum, schrieb Tobias Basse von der NordLB. Er prognostiziert einen Anstieg der Umsätze im Einzelhandel von 0,3 Prozent im Vergleich zum Juni. "Keine bombastische Entwicklung", räumt der Ökonom ein, "aber schon eine steigende Dynamik". Daneben wird zur Wochenmitte das Protokoll zur jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank Fed veröffentlicht. Wie immer hoffen Analysten und Anleger auf Hinweise auf die künftige Geldpolitik.

BEI RWE SCHAUEN INVESTOREN NOCHMAL GENAU HIN

Die Saison der Quartalsberichte dürften die Marktakteure weitgehend abgehakt haben. In der kommenden Woche lassen sich nur noch wenige Schwergewichte in die Bücher schauen. Mit RWE steht am Montag noch ein Dax-Nachzügler auf der Agenda. Der Kontrahent Eon hatte die Messlatte am Mittwoch hoch gelegt: Die Ankündigung einer höheren Ausschüttungsquote trieb den Eon-Kurs auf den höchsten Stand seit einem Jahr - und das in einem stark angezählten Aktienmarkt.

Das könnte auch bei RWE für Spekulationen sorgen. Denn der Konzern hat nach einem Gerichtsurteil vom Staat Atomsteuern von 1,7 Milliarden Euro erstattet bekommen. Davon will RWE knapp ein Drittel als Sonderdividende ausschütten. "Bleibt die Frage: Was passiert mit dem Rest?", schrieb der Analyst Nicholas Ashworth von Morgan Stanley in einer Studie. Die Bilanz stärken? Zukaufen und expandieren? Oder wie Eon die Dividenden der kommenden Jahre sichern? An der Börse dürfte man jedenfalls genau hinschauen - und entsprechend handeln.

Die Aktionäre von Stada dürften dem Mittwoch entgegenfiebern, denn dann endet die Annahmefrist für das Übernahmeangebot der Investoren Bain Capital und Cinven für den Generikahersteller. Bernhard Weininger von Independent Research schließt nicht aus, dass die Investoren auch im zweiten Anlauf scheitern. Entscheidend werde das Verhalten von Hedgefonds sein, die seiner Aussage nach mittlerweile rund die Hälfte der Stada-Aktien halten sollten. Wird die Mindestannahmeschwelle von 63 Prozent der Aktien nicht erreicht, könnte der Aktienkurs auf Talfahrt gehen./bek/tih/mis

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

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