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Aktienanleihen versprechen mehr als Bundesanleihen

09:59 Uhr 02.02.2012

von Oskar Herbert

börsennews.de - Düsseldorf, 02.02.2012: Kürzlich haben Banken sich auf 2,6% Zinsen eingelassen für eine Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2041. So wenig Zinsen hat es noch nie gegeben für so lange Anleihen. Für Banken ist das dennoch ein Geschäft: Sie leihen sich das Geld für diese Anlagen für 1% bei der Europäischen Zentralbank EZB. Die Gewinnspanne zwischen Zinsertrag und Zinsaufwand ist größer als bei jedem Unternehmens- oder Privatkundenkredit. Dies gilt umso mehr, als die Banken für Anlagen in Staatsanleihen kein Eigenkapital in ihren Bilanzen nachweisen müssen - anders als für Unternehmens- und Privatkundenkredite. Dabei sind Anlagen in Staatsanleihen nichts Anderes als Staatskredite.

Banken können in solch lange Bundesanleihen einsteigen, weil sie entweder davon ausgehen, dass die Zinsen auf absehbare Zeit so niedrig bleiben oder sogar noch weiter sinken. Banken, Fonds und andere institutionelle Anleger sichern zudem die Zinsrisiken solcher Anlagen durch Derivat/Termingeschäfte ab. Für den Fall, dass die Zinsen für langlaufende Anlagen 2013 vielleicht bei 3% stehen, wäre die bis 2041 laufende Anleihe nur für deutlich weniger als 100% zu verkaufen. Wer sich als Privatanleger auf so etwas einlässt, kommt vor 2041 ohne Kapitalverlust nicht an sein Geld ran. Da ist schnell so viel verloren, wie ein Jahreszins oder noch mehr.

Wenn der Zins steigt, fallen die Anleihekurse

Es ist - nicht erst seit den Zahlungsschwierigkeiten Griechenlands und anderer Staatsschuldner - unbestritten, dass die Eigenkapitalregeln für Banken zu Fehlsteuerungen geführt haben und auch noch führen. Höhere Eigenkapitalanforderungen für Banken sind längst im Gespräch. Die Lage in der Finanzwirtschaft ist jedoch aktuell so kritisch, dass es Banken sehr schwer fällt, die schärferen Kapitalregeln zu erfüllen; mit dem Ergebnis, dass der staatliche Bankenrettungsfonds Banken ggfs. stützen muss, damit diese die Staatsfinanzierung stützen. Das Ausmaß der Absurdität ist kaum mehr zu steigern. Die Aktienkurse - auch von Bank-Aktien - sind dennoch zuletzt gestiegen.

Für Anleger in Anleihen rücken unter diesen Umständen Aktienanleihen ins Blickfeld. Sie werden von Banken herausgegeben und garantiert. Sie bieten vielfach hohe Zinsen und Renditen für meist nur kurze Laufzeiten. Diese Anleihen haben nur einen Nachteil: Wenn es schlecht läuft, bekommen Anleger nicht Bargeld zurück, sondern Aktien, die dann an der Börse weniger wert sind als der Nennwert der Anleihe. Sofern jedoch der seit Jahresbeginn 2012 positive Aktientrend nicht ins Negative dreht, ist die Gefahr nicht mehr so hoch, am Ende Verlust mit Aktienanleihen zu machen.

10% mit Aktienanleihe auf RWE

Wer das besondere Risiko von Aktienanleihen nicht scheut, achtet darauf, dass für die Rückzahlung solche Aktien in Frage kommen, die 2011 besonders stark gesunken sind, beispielsweise die Atom-Aktien E.On und RWE. Sollten sich deren Kurse nunmehr stabilisieren, sind entsprechende Aktienanleihen vertretbare Anlagen. Für kaum mehr als 100%  ist beispielsweise eine Aktienanleihe der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs zu haben (DE000GS8KQX), die bis 19.12.2014 mit 10% pro Jahr verzinst wird. Diese Anleihe kann mit RWE-Aktien zurückgezahlt werden, wenn der RWE-Aktienkurs bei Fälligkeit der Anleihe bei 23,30 € oder darunter steht. Anfang Februar 2012 notiert RWE bei reichlich 30 €. Im September 2011 lag der langjährige Tiefstand bei knapp 22 €. Der Höchststand wurde 2007 bei knapp 100 € erreicht. Die Anzahl an RWE-Aktien, die - wenn es schlecht läuft - 2014 als Tilgung übertragen wird, ist von vornherein festgelegt: 42,919 Aktien für jeweils 1.000 € Anleihenennwert. Das entspricht einem Kurs von 23,30 € für die RWE-Aktie. Für 1.000 € Nennwert bekäme der Anleger dann also 42 Aktien ins Depot. Den zusätzlichen Bruchteil von 0,919 Aktien bekommt er in Bar gutgeschrieben, genauso wie die Zinsen. Diese Anleihe ist nur ein Beispiel aus fast 1.200 RWE-bezogenen Aktienanleihen, die von den verschiedensten Banken mit unterschiedlichsten Zinssätzen angeboten werden und über faktisch jede Bank verfügbar sind. Börsenkurse sind es freilich nicht wirklich, die für diese Anleihen festgestellt werden. Vielmehr ist es nur der jeweilige Emittent und Garant der Anleihen, der die Kurse entsprechend einem komplizierten Berechnungsverfahren stellt; letztlich so, wie es in die Dispositionen des Emittenten passt und wie er es im Wettbewerb mit anderen Emittenten solcher Anleihen vertreten kann.

8% mit "Anleihe-Festgeld"

Die Landesbank Baden Württemberg LBBW garantiert beispielsweise eine Aktienanleihe auf E.On-Aktien; Laufzeit bis 21.09.2012, DE000LB0JX85. Der Basispreis der Anleihe, also der Kurs, zu dem ggfs. E.On-Aktien ins Depot des Anlegers gebucht werden, liegt mit 12,80 € deutlich unter dem Tageskurs von E.On: knapp 17 €. Es besteht also einige Sicherheit, am Ende Geld und nicht Aktien zurückzubekommen. Der Zins für diese Kurzanlage bei der Staatsbank aus Stuttgart beträgt 7,5%. Der Kurs liegt leicht über 100%, so dass gut 7% Rendite für dieses Festgeld herausspringen. Mit Bezug auf E.On gibt es weitere mehr als 1.500 Aktienanleihen. Anleger können sich also Laufzeit, Kursverhältnisse und Emissionsbanken auswählen, wie es ihren Bedürfnissen am besten entspricht.

Möglicherweise ist Infineon auch eine Aktie, die sich für eine Aktienanleihe eignet. Die HSBC Trinkaus Bank bietet z.B. 8% Zins für eine solche Anleihe bis 28.12.2012 zu einem Kurs knapp von 100%; DE000TB9RSK1. Der Basiswert liegt mit 6 € deutlich unter dem aktuellen Infineon-Kurs von knapp 7,40 €. Der Sicherheitsabstand bis zur Aktientilgung beträgt also etwa 25%. Das sollte ein gutes Polster sein, zumal die Infineon-Aktie zuletzt mehr gestiegen ist als der Deutsche Aktienindex Dax. Bezogen auf Infineon gibt es insgesamt knapp 800 Aktienanleihen.

Alle News zu Anleihen finden Sie auf www.boersennews.de/markt/anleihen

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