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Anleihen: Rendite-Probleme und Lösungen

09:10 Uhr 08.11.2013
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von Oskar Herbert

 

Düsseldorf, 07.11.2013: Das ist das Ende einer weit verbreiteten Illusion; dass Sparer und Anleger ungeschoren davon kommen könnten. Dennoch: Es gibt mehr als 2,6% Rendite für 30 Jahre.

Deutschland hat bis Anfang November 2013 mehr als 2.100 Mrd. Euro Staatsschulden offen stehen. In jeder Minute steigt die Summe der Bundesanleihen und sonstigen Schuldverschreibungen weiter an. Die einstweilen letzte, weil längste Anleihe über insgesamt 16 Mrd. € ist erst am 4.7.2044 zur Rückzahlung fällig; durch den dann gewählten Finanzminister. Über die verbleibenden reichlich 30 Jahre Laufzeit sind jährlich 2,5% Zinsen zu zahlen. 12 Mrd. € sind das in der Summe. Diese Anleihe mit der ISIN: DE0001135481 wird derzeit unterhalb ihres Nennwerts gehandelt: zum Kurs von 96,50% für jeweils 1.000 € Nennwert. Das macht 2,6% Rendite pro Jahr; verbunden mit der Perspektive, dass die Anleihe in fünf oder zehn Jahren vielleicht nur noch 80% bringt, wenn dann jemand sein Geld zurück haben will und die Anleihe an der Börse zum Verkauf stellt.

 

2,6% Rendite für 30 Jahre Laufzeit

Grundsätzlich ist es auch möglich, dass andere Anleger zwischenzeitlich bereit sein werden, mehr als 100% für die Nennwerte dieser "Bund?44-Anleihe" zu bezahlen; dann nämlich, wenn sich die Ängste um eine Deflation bewahrheiten sollten, die jüngst wieder aufgeflammt sind. Bei aller Freude über möglicherweise steigende Anleihenkurse überwiegt jedoch die Angst vor den Folgen deflationär sinkender (Industrie)-Preise: sinkende Löhne, zunehmende Arbeitslosigkeit, wachsende Altersarmut, steigende Staatsschulden; um nur einige der Folgen zu benennen. Vorsichtshalber hat die Europäische Zentralbank EZB gerade den Leitzins noch einmal gesenkt - auf 0,25%. Banken müssen jetzt nur noch 1/4 % Zinsen pro Jahr für EZB-Kredite bezahlen. Mit dem Geld können sie dann z.B. "Bund?44" kaufen und das Zehnfache an Zinsen dafür zu bekommen.

 

25.000 Schulden pro Kopf

Die jetzt schon megamäßig verschuldete Bundesrepublik, das ist nicht irgendeine geschlechtslose juristische Person: Der Staat, das ist in diesem Fall die Summe aller reichlich 80 Mio. gemeldeten Bürger zwischen Flensburg und Freilassing; angefangen beim jüngsten Säugling bis hin zu Herrschaften aus den Geburtsjahrgängen 1900 bis 1913. Umgerechnet hat jeder dieser Bürger, Sparer, Anleger aktuell etwa 25.000 Staatsschulden auf seinem Buckel; baldige Erblasser genauso wie die Generation der Erben.

 

Jeder muss für seine Staatsschulden aufkommen

Wegen dieser auch für Deutschland bedrohlichen Schulden mehren sich jetzt Stimmen aus den unterschiedlichsten politischen Lagern: "Vermögensabgabe, Zwangsanleihe oder Sonderumlage", so heißen die Schlagworte, mit denen gewählte und nicht gewählte Politiker die Probleme mit jenen Spar-Auflagen lösen wollen, die sich selbst auferlegt haben und die sie auch höchst selbst schon seit Jahren nicht erfüllen. Alle deutschen Regierungen haben in den vergangenen 50 Jahren zu viele Schulden gemacht. Sie haben immer genügend (Lebensversicherungs)-Sparer und (Fonds)-Anleger gefunden, die ihnen jede Bundesanleihe und jeden Schatzbrief abgenommen haben.

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Wohltaten vollbringen statt Versprechen halten

Die nächste Regierung, wie auch immer sie aussehen wird, will am liebsten auch wieder mehr Wohltaten verteilen als sie lästige Steuern eintreiben kann. Dem stehen jedoch die Sparregeln entgegen, mit denen frühere Regierungen Glauben machten, sie würden mal ernst machen mit dem Sparen. Da auch deutsche Regierungen inzwischen enorme Summen aufbringen müssen, um allein die Zinsen auf die Staatsschulden zu zahlen, kommt jetzt die Zwangsumlage ins Gedankenspiel: Wenn jeder Bürger vielleicht nur 10.000 € seiner anteiligen Staatsschuld von 25.000 € "auf seine private Kappe" nähme, könnte die Politik mit ihren Wohltaten fortfahren.

 

Schulden in Wärme verwandeln

Jeder Bürger könnte 10.000 € auf ein Sonderkonto bei der Deutschen Bundesbank überweisen. Die Bundesbank würde im Gegenzug Bundesanleihen an der Börse kaufen und die Nennwerte verbrennen - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Staatsschuld würde auf "nur" noch 15.000 € Pro Kopf sinken. Anstatt die aufgekauften Anleihen bei Fälligkeit zur Tilgung vorzulegen, würde die Bundesbank die Nennwerte verbrennen, so wie sie alte Geldscheine verbrennt und damit auch noch Heizwärme gewinnt. Dass Bundesanleihen heute gar nicht mehr als edel bedruckte Wertpapiere existieren, ist dabei das kleinere Problem. Dass die Schuldner schon geboren sind, die 2044 Geld und Steuern aufbringen müssen, mit denen dann z.B. "Bund?44" zurückgezahlt werden kann; das ist ein größeres Problem: Soll diese nächste Generation jetzt schon für die Schulden zahlen, die ihre Eltern gemacht haben, um Schulen und Straßen zu bauen, die jetzt schon verfallen sind?

 

3,75% für "K+S22"

Einfacher ist es da mit der Anleihe von K+S. Der Weltkonzern mit dem Geburtsort Bad Salzdetfurth hat eine 3%-Anleihe ausgegeben. Die ist - anders als "Bund?44" schon 2022 fällig; ISIN: DE000A1PGZ82. K+S arbeitet mit Gewinn und großen Ambitionen. Die Rating-Agentur Moody?s hat aus Sorge um die Ambitionen die Bonität von K+S jüngst auf Ramsch heruntergestuft; mit der Folge, dass professionelle Investoren (Fonds und Versicherungen) zwangsläufig verkaufen mussten. Der Kurs der Anleihe stürzte von 106 auf 96% bezogen auf mindestens 100.000 € Nennwert. Auf diesem Kursniveau rentiert die Anleihe mit 3,75%. 3,75% für "K+S?22" sind weit gesünder oder besser ausgedrückt: "weniger krank" als 2,6% für "Bund?44".

 

Alle News zu Anleihen finden Sie auf www.boersennews.de/markt/anleihen

 

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