von Jonas Dowen
Am Markt für erneuerbare Energieträger tut sich derzeit einiges. Nicht zuletzt durch die Reaktorkatastrophe von Fukushimarichtet sich der Blickpunkt der Weltöffentlichkeit auf "Erneuerbare".
ETHANOL - REKORDFAHRT

Am Markt für erneuerbare Energieträger tut sich derzeit einiges. Nicht zuletzt durch die Reaktorkatastrophe von Fukushima richtet sich der Blickpunkt der Weltöffentlichkeit auf "Erneuerbare". Diese können grundsätzlich unterschieden werden in
- - Solarenergie
- - Windkraft
- - Geothermie
- - Biogas
- - Biotreibstoffe / Ethanol
- - Wasserkraft
- - Gezeitenkraftwerke
- - Fusionstechnologie
Auch in Deutschland geht derzeit das Gezerrre los. Angela Merkels Energiewende - mit der sie nach Meinung einiger Epxerten so manche Energiewände einzurennen versucht - ruft Gegner und Befürworter dieses im Kern wegweisenden politischen Schrittes auf den Plan. Auffallend ist dabei, dass die Interessenverbände der Anbieter erneuerbarer Energieträger egoistisch versuchen, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Oftmals werden dabei weder das Gemeinwohl, noch die Frage der raschen Umsetzbarkeit dieser Pläne berücksichtigt. Zu oft wird eigensinnig und ohne die gerade in diser Phase notwendige Kompromissbereitschaft nach vorn geprescht.
So kommt der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) zum Ergebnis, dass Merkels Energiepaket den Ausbau erneuerbarer Energieträger nicht nur bremsen, sondern auch verteuern wird. "Anstatt die Dynamik der Erneuerbaren Energien jetzt nach Kräften zu beschleunigen, will die Bundesregierung neue Hindernisse für deren dezentralen Ausbau errichten", erklärt BEE-Präsident Dietmar Schütz. Die Branche will allein im Jahr 2011 mehr als 4 Mrd. € in neue Produktionskapazitäten und Fertigungsanlagen investieren. Hinzu kommen rund 1,5 Mrd. € an Ausgaben für Forschung und Entwicklung.
Bis zum Jahr 2020 können Erneuerbare Energieträger nach Meinung ihrer Protagonisten 50 % des deutschen Strombedarfs decken. "Für den zügigen und kostengünstigen Ausbau der Erneuerbaren Energien muss die Regierung jetzt die notwendigen Anpassungen im Energiepaket vornehmen. Sonst verspielt sie die Chance, eine schnelle und erfolgreiche Energiewende in Deutschland umzusetzen", fordert BEE-Prasident Dietmar Schütz. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) drohe die Rahmenbedingungen für entscheidende Technologien erheblich zu verschlechtern. Zahlreiche Projekte könnten so nicht mehr realisiert werden.
Außerdem sollen deutlich mehr Unternehmen von der EEG-Umlage befreit werden als bisher. "Damit würden die Kosten für den notwendigen Umbau der Energieversorgung auf immer weniger Schultern verteilt - mit der Folge, dass die EEG-Umlage unnötig steigen wird", warnt Schütz. "Gleichzeitig sollen innovative Ökostromprodukte nach den Plänen der Regierung mit einem Aufschlag belastet und damit unattraktiv werden." Die Besonnenen unter den Energie-Experten - zu denen auch wir uns zählen - warnen vor einer zu einseitigen Ausrichtung der Energiepolitik in Richtung "Erneuerbare".
Für uns steht fest, der Ruf nach umfassenden Subventionen und Steuerentlastungen für die Produzenten erneuerbarer Energieträger ist eindeutig das falsche Signal. Klar, Anreize müssen geschaffen werden - dies jedoch mit Augenmaß. Wir sprechen uns eindeutig dafür aus, dass das Geschehen nach weiteren Anschub-Subventionen möglicht rasch durch die freien Kräfte des Marktes bestimmt werden muss. Ansonsten droht eine riesige Fehlallokation von Kapital.
Denn was die Welt durch die sinnlosen Eingriffe der Notenbanken und Regierungschef derzeit an den Finanzmärkten erlebt, ist nach unserer Überzeugung der falsche Weg. Wenn die Notenbanken zum Beispiel nicht nur den Geld-, sondern auch den Kapitalmarktzins künstlich auf niedrigem Niveau halten, wird im Endeffekt bestraft werden. Diese "Ignoranz der Marktkräfte" sollte beim Thema erneuerbare Energieträger unbedingt vermieden werden.
Ethanol wird noch
immer unterschätzt.
In der ersten Ausgabe unserer Rohstoff-Publikation gehen wir ausführlich auf den börsennotierten "Biotreibstoff" Ethanol ein, der sowohl mit Kassa- als auch mit Terminkontrakten zum Beispiel an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gehandelt wird. Dabei fällt auf, dass sich der Preis für Ethanol in den vergangenen zwölf Monaten beinahe verdoppelt und sich bei rund 2,90 $ je Gallone auf das höchste Niveau seit mehr als drei Jahren in die Höhe geschwungen hat. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2006 kostete eine Gallone Ethanol allerdings rund 4 $. Danach ging es zeitweise bis auf 1,25 $ je Gallone steil bergab.
Auch der jüngste Preisanstieg scheint jetzt allerdings gefährdet, weil Brasiliens Präsident Dilma Rousseff offensichtlich plant, die Beimischung von Ethanol zu herkömmlichen Treibstoffen von derzeit 25 % auf 20 oder gar 18 % zu reduzieren. Begründet werden diese Pläne mit einem simplen Faktor: Mit der Inflationsgefahr. Die Treibstoffpreise in Brasilien machen mehr als 2,5 % des IPCA-Inflationsindex aus. Und der starke Anstieg der Zuckerpreise ist einer der stärksten Treiber für den Anstieg der dortigen Inflation. Und so ist die Teuerung vor Ort im Monat Juni nicht zuletzt wegen der boomenden Wirtschaft des Landes auf immerhin 6,71 % über die von der Regierung mit 4,5 % (plus minus 2 %) gesetzte Zielmarke gestiegen.
Zum Hintergrund: Brasilien ist der bei weitem wichtigste Zuckerproduzent und -exporteur in der Welt. Fachleute gehen davon aus, dass die Zuckerproduktion des Landes in der Sasion 2011/2012 zum ersten Mal innerhalb der vergangenen zehn Jahre schrumpfen wird. In diesem lateinamerikanischen Land wird
Zucker vor allem aus Zuckerrohr gewonnen. Rund die Hälfte dieser Zuckerrohrproduktion wird dann in der Folge zur Herstellung von Ethanol als Biotreibstoff verwendet.
In den USA schrumpfen
die Maisvorräte.
In den USA - vor Brasilien der größte Ethanol-Hersteller - ist ein Meinungsstreit um die Zukunft des Ethanolmarktes entbrannt. Und mit diesem Meinungsstreit ist auch die Diskussion um die "Food-vs-Fuel"-Debatte neu aufgeflammt. Das US-Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) geht zum Beispiel davon aus, dass Ethanol (in den USA vor allem aus Mais hergestellt) den als "Tank-gegen-Teller" betitelten Kampf gewinnen wird. Bereits in diesem Jahr soll nach dessen Prognose mehr
Mais für die Herstellung von Ethanol als für die Herstellung von a) Lebensmittel für Menschen und b) Futtermittel für Tiere zum Einsatz kommen.
Rohstoff-Analysten überrascht eine solche Prognose; denn sie waren für das laufende Jahr von einem Rückgang der Ethanol-Produktion in den USA ausgegangen. Grund: Die Regierung Obama hat sich entschlossen, steuerliche Subventionen für die Herstellung von Ethanol aus Mais in Höhe von 0,45 Cents je Gallone - insgesamt also rund 6 Mrd. $ - zu streichen.
Durch diese Subventionen wurde von staatlicher Seite für Ethanol die Basis bereitet, sich im Wettbewerb mit fossilen Treibstoffen zu behaupten. Die Streichung dieser Vergünstigung wird nach Meinung von Rohstoff-Experten privater Forschungsinstitute dazu führen, dass sich Ethanol in Zukunft stärker dem freien Wettbewerb stellen muss. Dies vernehmen vor allem die Konkurrenten in Brasilien mit Freude, die sich dann für ihr Ethanol bessere Chancen am Weltmarkt ausrechnen.
Wie immer dieser Meinungsstreit auch ausgehen wird: Das US-Energieministerium geht davon aus, dass die Ethanolproduktion der USA in diesem Jahr bereits 13,7 Mrd. Gallonen erreichen wird und damit über dem Ziel der Regierung von 12,6 Mrd. Gallonen liegen wird. Rund 1 Mrd. Gallonen dürften davon in den Export gehen. "Sollten die Exporte auf hohem Niveau bleiben, ist für 2012 mit einer Ethanolproduktion in den USA von über 14 Mrd. Gallonen zu rechnen", prognostiziert Wally Tyne, Agrar-Ökonom an der Purdue University. Solche Prognosen hören sie bei der Renewable Fuels Association gerne.
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In der aktuellen Artikelserie lesen Sie:Rohstoffe: Lang lebe der SuperzyklusMeinung: Merkels EnergiewändeErdöl: Asien ist das Epizentrum der NachfrageErdgas: Die Auswirkungen der RevolutionErdgas-InvestmentsKohle: Der Blick nach ChinaKohle-InvestmentsErneuerbare Energieträger: Subventionen - nein danke!Disclaimer
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