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Fokus Rohstoffe: Deutsche Kurzsichtigkeit

15:10 Uhr 07.11.2011

"Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt!" Ob Friedrich von Schiller bereits im Jahr 1799 geahnt hat, dass Politiker in ihren Einsichten, Analysen und Entscheidungen auch im folgenden Jahrhundert meist zu spät kommen und hinter der aktuellen Entwicklung herhinken würden? Klar, die Worte des berühmten Dichters und Denkers passen heute exakt auf die Rohstoffpolitik der Bundesregierung. Dort, wo Kritiker bereits vor mehr als einer Dekade von den unterschiedlichen Regierungen in Berlin politische Aktivität forderten, hat sich erst sehr spät etwas getan. Die Regierung Merkel hat erst im vergangenen Jahr wirklich reagiert und treibt diesen Eifer derzeit mit Macht voran.

Der Reichstag in Berlin - Ort der CDU/CSU Rohstoffkonferenz. Foto: FinMedia AG

Alarmiert von einer aggressiven Rohstoffpolitik der VR China hat man in Berlin erkannt: Wollen wir in Deutschland unsere Zukunft nicht aufs Spiel setzen, müssen wir handeln. Dass das Industrieland Deutschland rohstoff-strategisch ein Niemandsland war und noch immer ist, wird heute und in Zukunft bestraft. Denn bis die neue Rohstoffpolitik der Bundesregierung Wirkung zeigt, wird noch einige Zeit vergehen. "Das Rohstoffgeschäft ist ein langfristiges Geschäft", sagt Peter Kausch, Professor an Deutschlands führender Bergbau-Universität in Freiberg/Sachsen.

Es wäre jedoch falsch, den Schwarzen Peter allein der Bundesregierung zuzuschieben. Verantwortung liegt nicht zuletzt auch bei der deutschen Wirtschaft. Dass Deutschland über viele Dekaden hinweg mit Metallgesellschaft, Preussag und Kali & Salz AG über drei Rohstoffgesellschaften mit Weltruf verfügte, ist vielfach in Vergessenheit geraten.

Dass sich zwei dieser Unternehmen gerade am Tiefpunkt des Rohstoffzyklus, Ende des vergangenen und Anfang des Jahrtausends, weitgehend aus dem Rohstoffbereich verabschiedeten, zeigt ein erschreckendes Maß an unternehmerischer Kurzsichtigkeit.
Aus der MG mit einst 20 000 Mitarbeitern und Jahresumsätzen von fast 10 Mrd. € ist u.a. die Technologiefirma GEA Group mit einem Umsatz von rund 4 Mrd. € und aus der Preussag die TUI AG geworden, die heute unter anderem touristische Dienstleistungen übers Internet verkauft. Mit strategischer und nationaler Weitsichtigkeit hat all das wenig zu tun. Heute existiert in Deutschland mit der in der Düngemittel- und Salzproduktion tätigen K&S AG in Kassel nur noch ein einziges wirkliches Rohstoffunternehmen mit Weltruf.

Aber Berlin handelt - bisher zumindest mit zahlreichen großen Worten: "Rohstoffpolitik für Wachstum und Arbeitsplätze - Wettbewerbsverzerrungen bekämpfen, Rohstoff-Effizienz fördern." Solche von der CDU Bundestagsfraktion jetzt veröffentlichten Botschaften klingen nach Parolen, nach leeren Worthülsen und nach vorgezogenem Wahlkampf. "Die Argumente aus Berlin erinnern mich an meine Forderungen, die ich vor mehr als 10 Jahren nach meiner Rückkehr von einer Reise nach China in Richtung Regierung und Wirtschaft aufgestellt habe", sagt Handelsblatt-Korrespondent Udo Rettberg. Bereits Anfang dieses Jahrtausends kündigte der Fachjournalist einen Rohstoff-Superzyklus an und zeigte Schwächen in der deutschen Rohstoffversorgung auf.

In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit der Rohstoffpolitik der Bundesregierung auf der Grundlage eines jüngst im Berliner Reichstag abgehaltenen Rohstoff-Kongresses der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bei dieser Veranstaltung wurden gerade auch jene Gefahren aufgezeigt, denen sich der Technologie-Standort Deutschland bei der Versorgung mit strategischen Rohstoffen, wichtigen Technologiemetallen und Metallen der seltenen Erden ausgesetzt sieht - heute und in Zukunft. Daher beschäftigt sich der zweite Teil des "Rohstoff Spezial" mit grundsätzlichen Fragen rund um den Bereich Rare Earth Elements (REE).

Dieser Artikel ist Teil der Rohstoff-Publikation von börsennews.de "Rohstoff-Spezial: Rohstoffpolitik und Seltene Erden". Die Artikel erscheinen regelmäßig auf börsennews.de und werden als PDF-Gesamtausgabe bereitgestellt und an Abonnenten des Rohstoff-Spezial-Newsletters verschickt.

Gesamte Ausgabe mit allen Artikeln vom Oktober 2011 als PDF herunterladen: Rohstoff-Spezial: Rohsstoffpolitik und Seltene Erden

Die einzelnen Artikel können Sie auch direkt auf börsennews.de lesen.
In der aktuellen Artikelserie lesen Sie:

FOKUS ROHSTOFFE: Deutsche Kurzsichtigkeit

Blasen, Hypes und andere Börsen-Krankheiten

ROHSTOFFPOLITIK: CDU/CSU-Konferenz Berlin - Die Zukunft steht auf dem Spiel

China schockt den Westen

ROHSTOFFMARKT: Rare Earth Elements: der Westen ist gefordert

Rare Earth Elements (REE)

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1 Kommentare
Rohstoffe
nicht angemeldeter Benutzer | (09.11.2011 um 12:39 Uhr )
Bei allen Rohstoffdiskussionen wird der wichtigste Rohstoff, den wir im eigenen Land besitzen, vergessen. Nämlich der Rohstoff "Schrott". Dieser wichtigste, energie- und co2-sparende Rohstoff "Schrott"  fehlt bei jeder Diskussion, im Gegenteil werden das Sammeln, der Handel und die Aufbereitung dieses Rohstoffs durch überflüssige Gesetze (Kreislaufwirtschaftsgesetz) zusätzlich erschwert. Riesige Mengen dieses Rohstoffs werden insbesondere nach Asien exportiert, wo die Gesetzeslage den Umgang mit diesem Sekundärrohstoff nicht derart eingrenzt. Seit über 50 Jahren befasse ich mich mit dieser Situation aktiv. Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Rohstoff unserer Wirtschaft verloren geht und dafür teure Primärrohstoffe importiert werden müssen. Auch für den Sekundärrohstoff muss eine Reserve geschaffen werden, auf welche man im Notfall zurückgreifen kann. Die Großunternehmen Metallgesellschaft und Preussag verfügten zu ihren großen Zeiten über Handelsunternehmen, welche diesen Rohstoff fachmännisch handelten und aufbereiteten. Bereits 1951 referierte unser damaliger Wirtschaftsminister Prof. Erhardt in seiner Rede mit dem Titel "Ran an den Schrott" vor dem "Verein Deutscher Metallhändler" über diesen wertvollen Rohstoff im eigenen Lande und erkannte seine Bedeutung. Eine Erkenntnis, die unseren heutigen Politikern gänzlich abgeht. Wann beginnen diese Herrschaften hierüber nachzudenken im Interesse der kommenden Generationen?
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