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Kohle: Der Blick nach China

13:33 Uhr 27.07.2011

von Goli Resmo

Kohle - langsame Klettertour



Seit langem sagen Umweltschützer und Ökologen den Tod des fossilen Energieträgers Kohle voraus. Kohle wird von einigen rigorosen Vordenkern als "Feind der Umwelt" und damit als "Feind des Menschen" gesehen. Wegen seiner  CO2-Erzeugung wurde Kohle auch an den Finanzmärkten lange Zeit vernachlässigt - zu Unrecht im Übrigen. Doch  nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat sich einiges geändert - Kohle wird wieder positiver gesehen.

Nicht etwa, dass sich das Image von Kohle gebessert hätte. Nein - aber inzwischen finden sich wohl immer mehr Menschen damit  ab, dass Kohle auch in den kommenden Jahrzenten weiterhin einer der wichtigsten Energieträger bleiben dürfte. Mit modernen Methoden und Technologien soll Kohle zudem als Energieträger umwelttechnisch "sauberer" gemacht werden. Und angesichts des gigantischen Kohleverbrauchs der VR China gelten Kapitalanlagen im Bereich Kohle als hochinteressant - dies vor allem deshalb, weil der Kohlemarkt noch wenig von spekulativen Exzessen des Großkapitals durchzogen ist.

Einige Fakten: Die größten bekannten Kohlevorkommen sind nach wie vor in den USA zu finden. Der Anteil der USA an den globalen Kohlereserven liegt bei etwa 22 %. Das aber bedeutet bei einer tiefgehenden Analyse auch: Die USA sind als weltweit größter Energieverbraucher in der Tat nicht so stark von Energie-Exporten abhängig wie die Welt allgemein glaubt. Wenn die größte Wirtschaftsmacht der Welt über riesige Reserven an Kohle und auch an Gas (siehe gesonderter Artikel) verfügt, ist die Abhängigkeit von arabischen und mexikanischen Rohöllieferungen möglicherweise gar nich so dramatisch wie uns die USA immer glauben lassen wollen.

Als größter Kohleverbraucher in der Welt gilt die VR China - gefolgt im Übrigen von den USA.  Es gibt zahlreiche unterschiedliche Kohlearten. Im Wesentlichen wird aus Sicht der Finanzmärkte unterschieden zwischen Thermal Coal -also Verstromungskohle - und Coking Coal - also Kokskohle, die vor allem in der Stahlproduktion zum Einsatz kommt.

Nach dem 2008er Crash hat sich der Kohlepreis analog zur Rohöl peu a peu nach oben gehangelt. Die Preise für  Central Appalachian Coal liegen an der Nymex - einer Tochter der Chicago Mercantile Exchange (CME) - derzeit bei 77,50 $ / t, nachdem sie sich noch im Jahr 2008 zeitweise der Marke von 140 $ / t angenähert hatten. Ein Futureskontrakt an der CME umfasst 1550 Tonnen. Die am stärksten diversifizierte Terminbörse der Welt hat im Übrigen jetzt angekündigt, in allernächster Zeit einen Futureskontrakt auf Kokskohle-Swaps  mit einem standardisierten Volumen von 1000 Tonnen einführen zu wollen.

Der leichte Aufwärtstrend der Kohlepreise während der vergangenen drei Jahre dürfte sich - unterbrochen von Minuskorrekturen - mittelfristig und langfristig fortsetzen. Entscheidende Impulse kommen dabei (wie auch bei anderen Energiearten) aus der VR China; denn der dortige Energiehunger ist insgesamt nur schwer zu stillen. Dazu muss der Leser wissen, dass die Mehrzahl der Kraftwerke in der VR China noch immer mit dem Energieträger Kohle betrieben wird.

IEA: Chinas Bedeutung
wird weiter zunehmen


Bekannt ist, dass die VR China nicht nur die am schnellsten und dynamischsten wachsende Volkswirtschaft in der Welt ist, sondern auch der  weltweit größte Verbraucher von Energie. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) prognostiziert, dass China bis zum Jahr 2035 rund 600 Gigawatt Strom durch Kohle erzeugen wird. Das dürfte einen Kohleinsatz von mehr als 2 Mrd t pro Jahr erfordern. Allein im laufenden Jahr dürfte China die Kapazität seiner Kohlekraftwerke um etwa 50 Gigawatt steigern und so mehrere 100 Mio t Kohle p.a. zusätzlich einsetzen.

Wir glauben, dass der Importbedarf der VR China vor diesem Hintergrund in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Die Netto-Importe Chinas bei so genannter "Thermal Coal" - also Kohle zur Herstellung von Strom - dürften sich auf mittlere Sicht bei rund 110 Mio. Tonnen im Jahr einpendeln. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat die VR China rund 57 Mio. Tonnen Kohle importiert - vor allem aus Indonesien, Vietnam, Australien und der Mongolei. Peking hat  im gleichen Zeitraum rund 8 Mio. Tonnen Kohle exportiert. Ein begrenzender Faktor beim Kohlehandel Chinas ist die noch immer ungenügende Infrastruktur.

Vieles spricht dafür, dass der globale Kohlemarkt im laufenden Jahr ausgeglichen sein wird, sich Angebot und Nachfrage also in etwa die Waage halten werden. Da wir für das Jahr 2012 von einer Schwäche der Weltwirtschaft und einigen Turbulenzen in der Welt ausgehen, sollte es auch im kommenden Jahr zu einem ausgewogenen Markt kommen. Erst für das Jahr 2013 erwarten wir mögliche Engpässe am globalen Kohlemarkt.


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Rohstoffe: Lang lebe der Superzyklus

Meinung: Merkels Energiewände

Erdöl: Asien ist das Epizentrum der Nachfrage

Erdgas: Die Auswirkungen der Revolution

Erdgas-Investments

Kohle: Der Blick nach China

Kohle-Investments

Erneuerbare Energieträger: Subventionen - nein danke!


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