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Die globale Schuldenkrise verlangt Politikern in der Welt viel Energie ab. Die Anstrengungen von Regierungen mit dem Ziel der Krisen-Lösung sind gewaltig - die bisherigen Ergebnisse sind eine Enttäuschung. Wer das große Ganze sieht, sieht jedoch das Risiko, wonach sich die Politiker zu stark mit dieser Krise beschäftigen und andere sich anbahnende Krisen und Katastrophen ignorieren könnten. In diesem Kontext sind zwei Krisenherde zu nennen, die große Aufmerksamkeit verdienen, diese jedoch nicht in ausreichendem Maße erhalten.
Zum einen zeigt sich an unzähligen Ereignissen, dass der Planet Erde bebt - und das in mehrfacher Hinsicht. Umwelt-Katastrophen, zerstörerische Erdbeben, Wirbelstürme auf der einen und innenpolitische Unruhen in weiten Teilen der Welt auf der anderen Seite zeigen, dass dem Planeten Erde mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Darüber hinaus droht in diesem Kontext auch das Thema Rohstoff- und Urstoff-Versorgung der inzwischen 7 Mrd. Menschen ausmachenden Weltbevölkerung, zu einem Riesenproblem zu werden.
Immer mehr Entscheidungsträger und Eliten in der westlichen Welt erkennen diese signifikanten Risiken im breiten Spektrum der Rohstoffmärkte inzwischen. Sie sehen nämlich, dass die Industrieländer eindeutig an ihre Wachstumsgrenzen stoßen. Dies gilt vor allem für die immer stärker auf Hochtechnologien basierenden westlichen Industrienationen. Was ist geschehen? Die VR China, die nicht nur bei Gewinnung und Verarbeitung von Technologiemetallen eine dominierende Position einnimmt, lässt ihre Muskeln spielen und zeigt dem Westen, wo der Hase läuft.
"Strategische Metalle" und " Rare Earth Elements" sind unverzichtbare Rohstoffe für Hightech-Unternehmen. REE werden in der Fachwelt dabei in Seltene Erden und Seltene Metalle (auch Seltenerdmetalle) unterschieden. Strategische Metalle werden im deutschen Metallhandel auch als Nebenmetalle und im angelsächsischen Sprachgebrauch als "Minor Metals" bezeichnet. Aus Zwecken der Vereinfachung haben wir uns dazu entschieden, in diesem Bericht für Strategische Metalle und Rare Earth Elements den z.B. von den Fachleuten der TU Bergakademie in Freiberg/Sachsen oft verwendeten Oberbegriff "Technologiemetalle" zu nutzen.
Auffallend war, dass sich die Rohstoff-Konferenz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion immer wieder um diese strategisch wichtigen Rohstoffe drehte. Vor allem auf politischer Ebene verbreitet Berlin vor dem Hintergrund der chinesischen Dominanz einen eher störenden Aktivismus. Denn hier hat man offensichtlich nicht erkannt, dass der Hype am REE-Markt inzwischen der Vergangenheit angehört und einer wesentlich realistischeren Einschätzung der Lage gewichen ist. Dies zeigen unter anderem die teilweise um mehr als 70 % abgesackten Aktienkurse von auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen in den USA, in Kanada, in Australien, in Afrika und auch in China.
"Klar, China ist eine Macht bei Seltenen Erden", räumte Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), auf der Berliner Rohstoffkonferenz in seiner ruhigen und sachlichen Art ein. An dieser Stelle sei eine Anmerkung erlaubt: Auf das Fachwissen dieser "Perle" haben die verschiedenen Bundesregierungen während der vergangenen beiden Dekaden leider viel zu wenig gesetzt. "Bisher liefert die VR China 97 % der seltenen Erden in der Welt", weist Kümpel auf die zweifellos große Bedeutung Beijings hin.
Der Experte fügte jedoch zugleich hinzu: "Man kann das ändern - aber das wird dauern!" Es gebe sehr viele Lagerstätten auf der Welt, die auf die Erschließung warten. In etwa zwei bis drei Jahren werde die große Abhängigkeit von China schwinden, so die Prognose des BGR-Chefs. Derzeit gebe es weltweit rund 300 neue REE-Projekte. Die Erfahrung zeige jedoch, dass nur etwa 5 bis 10 % solcher Explorations-Projekte dann auch wirklich Produktions-Status erreichen.
Wichtig ist in diesem Kontext: Im globalen Rohstoffgeschäft wird extrem langfristig agiert. Etwas, woran es Managern in der Wirtschaft und in der Politik in der kurzlebigen Zeit nicht selten mangelt. Investitionen in Rohstoffe zeigen erst langfristig (oftmals erst zehn bis fünfzehn Jahre später) die erhofften Resultate. Während dieses langen Zeitraums nimmt der Druck im "Kessel der Phantasie" extrem zu. Das geschah am Rohstoffmarkt auch während des Zeitraums von 2000 bis 2008.

Wenn Investitionen in neue Projekte irgendwann in der Zukunft Erfolge zeigen und Engpässe bei der Versorgung a) durch ein zunehmendes Angebot aus neuen Projekten verringert oder sogar ausgeglichen werden, oder b) die Nachfrage nach Rohstoffen (wie während der Finanzkrise) rezessionsbedingt abreißt, muss so mancher Anleger im "Haifischbecken Finanzwelt" Lehrgeld bezahlen. Dann nämlich platzen die zuvor mit unzähligen guten und weniger guten Argumenten entstandenen Blasen.
Solche Blasen entstehen bei Rohstoffen nicht zuletzt auch dadurch, dass es wegen bestehender Oligopole oder Monopole auf der Angebotsseite zur Manipulation des Marktes über gewollte Angebotsreduzierungen kommt. Hierzu können auf der anderen Seite aber auch gezielt über die Medien gesteuerte Meinungen beitragen. Beim hier geschilderten ersten Fall der gezielten Steuerung des Rohstoff-Angebots ist vor allem auf die inzwischen jedoch stark geschrumpfte Macht des Ölkartells OPEC hinzuweisen.
Meinungsmanipulationen und durch gezielte Angebots-Steuerung herbeigeführte Verknappungen gab es zuletzt immer stärker vor allem im Bereich der strategisch wichtigen Rohstoffe und bei den Metallen der Seltenen Erden. Doch inzwischen ist an diesem Markt Realismus eingekehrt. Viele Anleger haben in den vergangenen 18 Monaten hohe Verluste er- litten und dabei eine Menge Lehrgeld bezahlt. REE sind prinzipiell nicht wirklich jene Raritäten, die hinter dieser Bezeichnung zu vermuten wären. In einem Bericht des British Geological Survey wird die Gefahr als gering eingeschätzt, dass die Versorgung der Welt mit REE gefährdet ist. "Es gibt auf allen Kontinenten Vorkommen an diesen wichtigen Rohstoffen" heißt es in der Studie. Diese Sicht der Dinge wird von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bestätigt.
Nach einer Analyse des US Geological Service (USGS) sind Rare Earth Elements (REE) in der Erdkruste vergleichsweise häufig vertreten. Rare Earth Elements wie Cer, Yttrium und Neodym kommen häufiger als Blei, Molybdän oder Arsen vor. Als rarstes REE gilt Thulium. Allerdings ist auch dieses Element häufiger vorhanden als die populären Edelmetalle Gold oder Platin. Das Problem: Trotz der globalen Verbreitung von REE stammt das aktuelle weltweite Angebot aus nur wenigen ergiebigen Quellen. REE kommen selten in einer solch hohen Konzentration vor, dass sich ihre Gewinnung zu den Durchschnittspreisen der vergangenen Jahre wirklich gelohnt hätte. Das dürfte sich in diesem neuen Jahrzehnt allerdings ändern.
Die stark zunehmende Bedeutung von strategisch wichtigen Technologiemetallen ist der Grund dafür, dass sich diese Ausgabe des "Rohstoff Spezials" mit dem ersten Teil einer Serie über Seltene Erden, strategische Metalle und andere für die Hochtechnologie wichtige Metalle beschäftigt.
Dieser Artikel ist Teil der Rohstoff-Publikation von börsennews.de "Rohstoff-Spezial: Rohstoffpolitik und Seltene Erden". Die Artikel erscheinen regelmäßig auf börsennews.de und werden als PDF-Gesamtausgabe bereitgestellt und an Abonnenten des Rohstoff-Spezial-Newsletters verschickt.
Gesamte Ausgabe mit allen Artikeln vom Oktober 2011 als PDF herunterladen: Rohstoff-Spezial: Rohsstoffpolitik und Seltene Erden
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In der aktuellen Artikelserie lesen Sie:
FOKUS ROHSTOFFE: Deutsche Kurzsichtigkeit
Blasen, Hypes und andere Börsen-Krankheiten
ROHSTOFFPOLITIK: CDU/CSU-Konferenz Berlin - Die Zukunft steht auf dem Spiel
China schockt den Westen
ROHSTOFFMARKT: Rare Earth Elements: der Westen ist gefordert
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