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Rohstoffpolitik: CDU/CSU-Konferenz Berlin – China schockt den Westen

15:11 Uhr 07.11.2011

Die globale Schuldenkrise verlangt Politi­kern in der Welt viel Energie ab. Die An­strengungen von Regierungen mit dem Ziel der Krisen-Lösung sind gewaltig - die bis­herigen Ergebnisse sind eine Enttäuschung. Wer das große Ganze sieht, sieht jedoch das Risiko, wonach sich die Politiker zu stark mit dieser Krise beschäftigen und andere sich anbahnende Krisen und Kata­strophen ignorieren könnten. In diesem Kontext sind zwei Krisenherde zu nennen, die große  Aufmerksamkeit verdienen, diese jedoch nicht in ausreichendem Maße erhalten.

Zum einen zeigt sich an unzähligen Ereig­nissen, dass der Planet Erde bebt - und das in mehrfacher Hinsicht. Umwelt-Katastro­phen, zerstörerische Erdbeben, Wirbel­stürme auf der einen und innenpolitische Unruhen in weiten Teilen der Welt auf der anderen Seite zeigen, dass dem Planeten Erde mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Darüber hinaus droht in diesem Kontext auch das Thema Rohstoff- und Urstoff-Versorgung der inzwischen 7 Mrd. Menschen ausmachenden Weltbevöl­kerung, zu einem Riesenproblem zu wer­den.

Immer mehr Entscheidungsträger und Eli­ten in der westlichen Welt erkennen diese signifikanten Risiken im breiten Spektrum der Rohstoffmärkte inzwischen. Sie sehen nämlich, dass die Industrieländer eindeutig an ihre Wachstumsgrenzen stoßen. Dies gilt vor allem für die immer stärker auf Hochtechnologien basierenden westlichen Industrienationen. Was ist geschehen? Die VR China, die nicht nur bei Gewin­nung und Verarbeitung von Technologie­metal­len eine dominierende Position ein­nimmt, lässt ihre Muskeln spielen und zeigt dem Westen, wo der Hase läuft.

"Strategische Metalle" und  " Rare Earth Elements" sind unverzichtbare Rohstoffe für Hightech-Unternehmen. REE werden in der Fachwelt dabei in Seltene Erden und Seltene Metalle (auch Seltenerdmetalle) unterschieden. Strategische Metalle wer­den im deutschen Metallhandel auch als Nebenmetalle und im angelsächsischen Sprachgebrauch als "Minor Metals" be­zeichnet. Aus Zwecken der Vereinfachung haben wir uns dazu entschieden, in diesem Bericht für Strategische Metalle und Rare Earth Elements den z.B. von den Fachleu­ten der TU Bergakademie in Frei­berg/Sachsen oft verwendeten Oberbegriff "Technologiemetalle" zu nutzen.

Auffallend war, dass sich die Rohstoff-Konferenz der CDU/CSU-Bundestags­fraktion immer wieder um diese strategisch wichtigen Rohstoffe drehte. Vor allem auf politischer Ebene verbreitet Berlin vor dem Hintergrund der chinesischen Dominanz einen eher störenden Aktivismus. Denn hier hat man offensichtlich nicht erkannt, dass der Hype am REE-Markt inzwischen der Vergangenheit angehört und einer we­sentlich realistischeren Einschätzung der Lage gewichen ist. Dies zeigen unter ande­rem die teilweise um mehr als 70 % abge­sackten Aktienkurse von auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen in den USA, in Ka­nada, in Australien, in Afrika und auch in China.

"Man kann das ändern - aber das dau­ert halt."

"Klar, China ist eine Macht bei Seltenen Erden", räumte Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowis­senschaften und Rohstoffe (BGR), auf der Berliner Rohstoffkonferenz in seiner ruhi­gen und sachlichen Art ein. An dieser Stelle sei eine Anmerkung erlaubt: Auf das Fachwissen dieser "Perle" haben die ver­schiedenen Bundesregierungen während der vergangenen beiden Dekaden leider viel zu wenig gesetzt. "Bisher liefert die VR China 97 % der seltenen Erden in der Welt", weist Kümpel auf die zweifellos große Bedeutung Beijings hin.

Der Experte fügte jedoch zugleich hinzu: "Man kann das ändern - aber das wird dauern!" Es gebe sehr viele Lagerstätten auf der Welt, die auf die Erschließung warten. In etwa zwei bis drei Jahren werde die große Abhängigkeit von China schwin­den, so die Prognose des BGR-Chefs. Der­zeit gebe es weltweit rund 300 neue REE-Projekte. Die Erfahrung zeige jedoch, dass nur etwa 5 bis 10 % solcher Explorations-Projekte dann auch wirklich Produktions-Status erreichen.

Wichtig ist in diesem Kontext: Im globalen Rohstoffgeschäft wird extrem langfristig agiert.  Etwas, woran es Managern in der Wirtschaft und in der Politik in der kurzle­bigen Zeit nicht selten mangelt. Investitio­nen in Rohstoffe zeigen erst langfristig (oftmals erst zehn bis fünfzehn Jahre spä­ter) die erhofften Resultate. Während die­ses langen Zeitraums nimmt der Druck im "Kessel der Phantasie" extrem zu. Das ge­schah am Rohstoffmarkt auch während des Zeitraums von 2000 bis 2008.

Quelle: USGS - bearbeitet von FinMedia AG

Wenn Investitionen in neue Projekte irgend­wann in der Zukunft Erfolge zeigen und Engpässe bei der Versorgung a) durch ein zunehmendes Angebot aus neuen Pro­jekten verringert oder sogar ausgeglichen werden, oder b) die Nachfrage nach Roh­stoffen (wie während der Finanzkrise) re­zessionsbedingt abreißt, muss so mancher Anleger im "Hai­fischbecken Finanzwelt" Lehrgeld bezahlen. Dann nämlich platzen die zuvor mit unzähligen guten und weni­ger guten Argumenten ent­standenen Bla­sen.

Solche Blasen entstehen bei Rohstoffen nicht zuletzt auch dadurch, dass es wegen bestehender Oligopole oder Monopole auf der An­gebotsseite zur Manipulation des Marktes über gewollte Angebotsreduzie­rungen kommt. Hierzu können auf der an­deren Seite aber auch gezielt über die Me­dien gesteuerte Meinungen beitragen. Beim hier geschilderten ersten Fall der gezielten Steuerung des Roh­stoff-Angebots ist vor allem auf die inzwischen jedoch stark geschrumpfte Macht des Ölkar­tells OPEC hinzuweisen.

Meinungsmanipulationen und durch ge­zielte Angebots-Steuerung herbeigeführte Verknappungen gab es zuletzt immer stär­ker vor allem im Bereich der strategisch wichtigen Rohstoffe und bei den Metallen der Seltenen Er­den. Doch inzwischen ist an diesem Markt Realismus eingekehrt. Viele Anleger haben in den vergangenen 18 Mo­naten hohe Ver­luste er- litten und dabei eine Menge Lehrgeld bezahlt. REE sind prinzipiell nicht wirklich jene Raritäten, die hinter dieser Bezeichnung zu vermuten wären.  In einem Bericht des British Geolo­gical Survey wird die Gefahr als gering eingeschätzt, dass die Versorgung der Welt mit REE gefährdet ist. "Es gibt auf allen Konti­nenten Vorkommen an diesen wich­tigen Rohstoffen" heißt es in der Studie. Diese Sicht der Dinge wird von der Bun­desanstalt für Geowissenschaften und Roh­stoffe (BGR) bestätigt.

Nach einer Analyse des US Geological Service (USGS) sind Rare Earth Elements (REE) in der Erdkruste vergleichsweise häufig vertreten. Rare Earth Elements wie Cer, Yttrium und Ne­odym kommen häufi­ger als Blei, Molybdän oder Arsen vor. Als rarstes REE gilt Thulium. Allerdings ist auch dieses  Element häufiger vorhanden als die populären Edelmetalle Gold oder Platin. Das Problem: Trotz der globalen Verbreitung von REE stammt das aktuelle weltweite Angebot aus nur wenigen ergiebi­gen Quellen. REE kommen selten in einer solch hohen Konzentration vor, dass sich ihre Gewinnung zu den Durch­schnittspreisen der vergangenen Jahre wirklich gelohnt hätte. Das dürfte sich in diesem neuen Jahrzehnt allerdings ändern.

Die stark zunehmende Bedeutung von strate­gisch wichtigen Technologiemetallen ist der Grund dafür, dass sich diese Aus­gabe des "Rohstoff Spezials" mit dem ers­ten Teil einer Serie über Seltene Erden, strategische Metalle und andere für die Hochtechnologie wichtige Metalle be­schäftigt.

Dieser Artikel ist Teil der Rohstoff-Publikation von börsennews.de "Rohstoff-Spezial: Rohstoffpolitik und Seltene Erden". Die Artikel erscheinen regelmäßig auf börsennews.de und werden als PDF-Gesamtausgabe bereitgestellt und an Abonnenten des Rohstoff-Spezial-Newsletters verschickt.

Gesamte Ausgabe mit allen Artikeln vom Oktober 2011 als PDF herunterladen: Rohstoff-Spezial: Rohsstoffpolitik und Seltene Erden

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ROHSTOFFPOLITIK: CDU/CSU-Konferenz Berlin - Die Zukunft steht auf dem Spiel

China schockt den Westen

ROHSTOFFMARKT: Rare Earth Elements: der Westen ist gefordert

Rare Earth Elements (REE)

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