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Wer spart, wird bestraft

10:22 Uhr 07.06.2012
Artikelbild-Anleihen

von Oskar Herbert

börsennews.de - Düsseldorf, 07.06.2012: Angesichts der zunehmend kritischen Situation vieler Staatsfinanzen und der verheerenden Folgen für (Versicherungs)-Sparer und Anleger, soll es heute an dieser Stelle nicht um einzelne Anleihen und deren Chancen, Renditen und Risiken gehen. Es soll vielmehr heute um das zusammenhängende Krisengebilde und um Verursacher gehen, die vielfach offenbar sogar noch mit ihren fatalen Praktiken so weitermachen wollen wie bisher.

Der Kapitalmarkt sei dem Schuldner Spanien faktisch verschlossen, weil Zinsen von 6,5% für neue zehnjährige Spanien-Anleihen zu hoch seien. Diese jüngste Aussage aus Madrid war auch schon aus anderen Hauptstädten zu vernehmen. Sie wurde massenhaft in meinungsfreien Medienberichten nachgebetet. Solche Aussagen müssen erfahrene Beobachter und Anleger überraschen. Sie erinnern sich teilweise noch mit Wehmut an Renditen von 8% und mehr, wie sie in den frühen 1990er und auch noch früher überhaupt keine Seltenheit waren. Damals waren Spanien und auch Deutschland noch lange nicht so hoch verschuldet wie heute. Die Zinssätze wurden von staatlichen wie von privaten Schuldnern verkraftet. Die hohen Zinsen haben möglicherweise verhindert, dass zu viele Schulden gemacht wurden.

Wer spart, wird bestraft

Diese hohen Renditen sind nicht losgelöst zu betrachten von den Inflationsraten. Sie waren in den 1990er und 1980er höher als heute. Insoweit ist der aktuelle Realzins von etwa 4%-Punkten für Spanien durchaus hoch. Diese Differenz zwischen dem Kapitalmarktzins und der Geldentwertung ist aber im historischen Vergleich keineswegs übermäßig hoch. In Deutschland ist diese Differenz dagegen übermäßig niedrig; nämlich negativ. Wer heute Bundesanleihen erwirbt, wird praktisch für diese Anlage bestraft. Er wird - zumal nach Steuerabzügen - weniger zurückbekommen als er hingibt.

Ein Griff nach den Spareinlagen wäre verfassungswidrig

Längst ist auch klar, dass der Europäische Rettungsfonds nicht ausreichen wird, um Spanien und in der Folge dann Italien zu retten. Schon wird diskutiert, die hohen deutschen Spareinlagen länderübergreifend als Faustpfand für die Sicherung der Spareinlagen einzusetzen; aktuell z.B. bei spanischen Banken. Es kann niemanden überraschen, wenn die Bargeldbestände (unter deutschen Kopfkissen) bald weiter steigen und die Spareinlagen bei Banken und Sparkassen bald sinken werden. Jedenfalls werden sie kaum weiter steigen. Angesichts marginaler Zinsen, die auf Sparkonten nur noch gutgeschrieben werden, ist der Schaden für die Bargeld-Anhänger gering. Der Nutzen ist dagegen groß, wenn diese Gelder nicht in irgendeiner Weise zur Rettung von Banken eingesetzt werden können.

Es wird zudem abzuwarten sein, wie das Bundesverfassungsgericht einer europäischen Sozialisierung der deutschen Sparguthaben gegenüber stehen wird. Präsident Andreas Voßkuhle hat sich an anderer Stelle bereits sehr kritisch zu europäischen Beschlüssen geäußert, die in Deutschland zwangsweise umgesetzt werden müssten. Dies sei, so Vosskuhle, verfassungswidrig.

Lesen Sie weiter wie Banker und Politiker gemeinsame Sache machen.

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