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Air-Berlin-Deal steht: Lufthansa erhöht Druck auf Piloten

19:26 Uhr 30.01.2017
Lufthansa und Air Berlin
Die Lufthansa mietet von ihrer Rivalin 38 Airbus-Jets, von denen der Großteil demnächst für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings an den Start gehen soll. Foto: Soeren Stache/Archiv

Bonn/Frankfurt (dpa) - Die Lufthansa kommt bei ihrer Neuausrichtung voran. Am Montag gab das Bundeskartellamt dem Dax-Konzern grünes Licht dafür, 38 Jets aus der Flotte des angeschlagenen Konkurrenten Air Berlin zu mieten.

Mit dessen Großaktionär Etihad wurden darüber hinaus Kooperationsprojekte verabredet, über die am Mittwoch (1. Februar) in Abu Dhabi informiert werden soll. Zuhause erhöht das Management den Druck auf die streikfreudigen Piloten, deren Schlichtung voraussichtlich an diesem Dienstag zu Ende geht.

Lufthansa mietet die Air-Berlin-Jets samt Besatzungen über einen Zeitraum von sechs Jahren an und will sie bei ihren Töchtern Austrian und Eurowings einsetzen. «Die Übernahme von Flugzeugen eines Wettbewerbers ist wettbewerblich anders zu bewerten als etwa die Übernahme des gesamten Unternehmens», erklärte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt. So übernehme die Lufthansa von Air Berlin keine Start- und Landerechte.

Dabei spielte es keine Rolle, dass Lufthansa bis zu 15 Jets den bisherigen Leasinggebern abkauft und bei bis zu 10 weiteren Jets als Leasingnehmer anstelle der Air Berlin in die Verträge einsteigt. Die Flugzeuge werden dann an die Berliner vermietet und mit deren Besatzungen für Lufthansa-Gesellschaften eingesetzt. Drei Jets sind bereits auf die Eurowings-Farben umlackiert.

Dass die Lufthansa mit den zusätzlichen Maschinen expandieren könne, reiche nicht aus, um das Vorhaben zu untersagen, erklärte die Behörde mit Blick auf den europäischen Markt für Kurz- und Langstreckenflüge. Hier habe Lufthansa keine marktbeherrschende Größe. Unter anderem hatte Europas größter Billigflieger Ryanair das Leasinggeschäft kritisiert, mit dem rund ein Drittel der Air-Berlin-Flotte in den Lufthansa-Konzern wechselt. Air Berlin zeigte sich erleichtert: Das Geschäft sei ein «wichtiger Meilenstein im Restrukturierungsprogramm».

Der Leasingdeal wurde erst nach einer Annäherung der Lufthansa an den Air-Berlin-Großaktionär Etihad möglich, der mit der Alitalia ein weiteres europäisches Problemkind in der Familie hat. Details zu ihren weiteren Kooperationsprojekten wollen Lufthansa und Etihad am Mittwoch in Abu Dhabi bekanntgeben. Jahrelang hatte Lufthansa Etihad wie auch die anderen Golf-Airlines Emirates und Qatar wegen unfairen Wettbewerbs kritisiert.

Nach Informationen aus Lufthansa-Kreisen geht es nun mit Etihad insbesondere um eine intensivere Zusammenarbeit bei der Flugzeugwartung und der Bordverpflegung. Auch soll die Zahl der gemeinsam vermarkteten Flüge steigen, für die jede Gesellschaft eine eigene Flugnummer herausgibt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr widersprach im Interview mit der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Dienstag) Spekulationen über einen kapitalmäßigen Einstieg der Araber bei der Lufthansa. «Beteiligungen sind und waren dabei kein Thema.» Es folge alles der Logik: «Wenn beide Seiten etwas davon haben, machen wir es. Sonst nicht.»

Mit dem Air-Berlin-Deal erhöht Lufthansa den Druck auf ihre Piloten, mit denen die Tarifschlichtung an diesem Dienstag enden soll. Am Wochenende hatte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister zudem klar gemacht, dass die Lufthansa bei einem aus ihrer Sicht zu hohen Tarifabschluss Investitionen von der Lufthansa-Muttergesellschaft abziehen könnte. Bereits bestellte Flugzeuge könnten bei Schwestergesellschaften oder in einem weiteren «Lufthansa-nahen» Flugbetrieb an den Start gehen. Die Vereinigung Cockpit hatte die Äußerungen als versuchte Einschüchterung des Schlichters Gunter Pleuger kritisiert.

Kartellamt Fallbericht

Mitteilung Bundeskartellamt

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LUFTHANSA Aktienkurs DE0008232125 20,94 € 0,38 %
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