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Deutsche Bank hakt US-Hypothekenstreit mit Milliardenbuße ab

13:46 Uhr 23.12.2016
Deutsche Bank
Das Gebäude der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Foto: Christoph Schmidt/Illustration

Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bank kommt im Streit um dubiose Hypothekengeschäfte in den USA mit einem blauen Auge davon. Deutschlands größtes Geldhaus zahlt 3,1 Milliarden Dollar (2,96 Mrd Euro) an Zivilbuße.

Hinzu kommen über mehrere Jahre gestreckt 4,1 Milliarden Dollar an finanziellen Erleichterungen für Kreditnehmer in den USA. Auf einen entsprechenden Vergleich mit der US-Justiz einigte sich das Institutnach monatelangen Verhandlungen, wie die Bank in der Nacht zum Freitag mitteilte.

Die scheidende US-Regierung von Barack Obama hatte zuletzt aufs Tempo gedrückt in den Verhandlungen mit Banken, denn im Januar übernimmt Donald Trump das Präsidentenamt. Nur wenige Stunden nach der Einigung mit der Deutschen Bank verkündete auch der Schweizer Rivale Credit Suisse einen Vergleich wegen fragwürdiger Hypothekendeals, der mit 5,3 Milliarden Dollar Strafe und Ausgleich ein Stück niedriger ausfällt als bei den Frankfurtern. Dagegen sehen sich US-Regierung und die britische Großbank Barclays in einem ähnlichen Fall vor Gericht wieder.

Für einen Teil der Summe hatte die Deutsche Bank bereits Geld zurückgelegt - allerdings nicht genug. Die Strafgeldzahlung werde das Ergebnis im vierten Quartal mit etwa 1,17 Milliarden US-Dollar vor Steuern belasten, hieß es. Das ist finanziell noch zu verkraften: Die Frankfurter haben in den ersten neun Monaten des Jahres vor Steuern 1,6 Milliarden Euro verdient.

«Ob die Erleichterungen für Verbraucher finanzielle Auswirkungen haben, hängt von den endgültigen Bedingungen des Vergleichs ab», hieß es bei der Deutschen Bank. Derzeit werde daraus kein wesentlicher Einfluss auf das Ergebnis des Geschäftsjahres 2016 erwartet. Im Vorjahr hatte die Bank einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro hinnehmen müssen - wegen Rechtsstreitigkeiten und dem laufenden Konzernumbau.

Die Anleger zeigten sich nach dem Vergleich erleichtert: Die Papiere der Deutschen Bank kletterten am Morgen um 3 Prozent und erreichten zwischenzeitlich den höchsten Stand seit März. Die Aktien entfernten sich damit weiter von ihrem Rekordtief von 9,898 Euro Ende September, als die Sorgen über eine sehr hohe Zahlung im Hypothekenstreit den Kurs belastet hatte.

Ursprünglich hatte eine Strafe von 14 Milliarden Dollar gedroht.Mitte September hatte das US-Justizministerium mit dieser Forderung die Anleger der Deutschen Bank in höchste Alarmstufe versetzt. Das Bekanntwerden ließ den Börsenwert des Instituts einbrechen und löste sogar Spekulationen über mögliche Staatshilfen aus. Der Konzern hatte zuletzt rund 5,9 Milliarden Euro für Rechtsrisiken zurückgelegt.

Börsenbriefautor Hans Bernecker sieht mit dem Vergleich die «Kuh vom Eis». Auch Daniel Saurenz von Feingold Research hält das Ergebnis für gut verkraftbar, weil sich die Zahlungen an US-Konsumenten auf mehrere Jahre verteilen.

In dem Streit ging es um die Beilegung zivilrechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere zwischen 2005 und 2007. Dem Dax-Konzern wurde vorgeworfen, mit solchen Geschäften zum Kollaps des US-Häusermarktes im Jahr 2008 beigetragen zu haben.

Die ursprüngliche Forderung wäre die höchste Strafe für ein ausländisches Geldhaus gewesen, die die Behörden in den USA je verhängt haben. Aber auch in anderen Fällen war es so, dass die US-Justiz zunächst mit viel höheren Summen in die entscheidende Phase von Vergleichsverhandlungen eingestiegen war. Die führende US-Investmentbank Goldman Sachs hatte im April in einem Vergleich nach einer ähnlich hohen Einstiegsforderung der US-Justiz schließlich etwas mehr als 5 Milliarden Dollar zahlen müssen.

Für die Deutsche Bank sind die Unsicherheiten über die Kosten für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten einer der größten Belastungsfaktoren. Sie warfen den Konzern auf seinem Sanierungskurs immer wieder zurück. In den vergangenen Jahren kosteten Strafen Deutschlands größtes Geldhaus bereits mehr als zwölf Milliarden Euro - etwa wegen der Beteiligung an Zinsmanipulationen (Libor), umstrittenen Hypothekengeschäften und Verstößen gegen Handelssanktionen.

Vorstandschef John Cryan hatte der juristischen Aufarbeitung zuletzt höchste Priorität eingeräumt und versprochen, die wichtigsten Rechtsfälle noch in diesem Jahr beizulegen. Offen ist nun vor allem noch eine mögliche Strafe wegen des Verdachts auf Sanktionsverstöße und Geldwäsche bei Geschäften in Russland.

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