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Deutsche Wirtschaft besorgt über Trumps Wahlsieg

11:51 Uhr 09.11.2016
Deutsches Containerschiff in den USA
Die Vereinigten Staaten sind vor Frankreich und Großbritannien der wichtigste Abnehmer deutscher Exporte. Foto: Justin Lane/Archiv

Berlin (dpa) - Die deutsche Wirtschaft ist besorgt über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA. Ökonomen und Verbände verwiesen auf die hohe Unsicherheit über den Kurs des künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

Er hatte im Wahlkampf mit nationalistischen Äußerungen Aufsehen erregt und angekündigt, gegen Freihandel einzutreten und die heimische Industrie abzuschotten.

Einige Experten fürchten nun einen Rückschlag für den wichtigen deutsch-amerikanischen Handel und das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Für die deutsche Chemie- und Maschinenbaubranche etwa sind die Vereinigten Staaten die wichtigsten Exportmärkte. Die Reaktionen im Überblick:

BGA: Der Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen sieht eine große Unsicherheit unter Investoren. Das transatlantische Wirtschaftsklima sei derzeit einer Belastungsprobe ausgesetzt, sagte Präsident Anton Börner. «Daher ist eine neue Aufbruchsstimmung dringend notwendig.»

BDI: Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnte Trump vor einer Abschottung der US-Wirtschaft. «Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen», sagte Präsident Ulrich Grillo. Die deutsche Wirtschaft werde weiter für ein faires Handelsabkommen TTIP mit guten Regeln für Europa und die USA werben. Trump hatte TTIP im Wahlkampf als «größte Gefahr» für US-Unternehmen kritisiert.

DIHK: Niemand wisse, welche der Ankündigungen von Donald Trump im Wahlkampf umgesetzt würden, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. «Die Verunsicherung ist deshalb gerade auch bei den deutschen Unternehmen groß.» In Deutschland hingen fast eine Million Arbeitsplätze am Export in die USA.

IW: Das Institut der deutschen Wirtschaft glaubt, dass die Verunsicherung der deutschen Wirtschaft einen Dämpfer versetzen wird. Vor allem für Investitionen sei Ungewissheit Gift, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Die wirtschaftliche Aktivität bekomme eine «massive Tüte Sand ins Getriebe», sagte er.

IFO: Auch das Institut für Wirtschaftsforschung erwartet einen Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung. «Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß», sagte Präsident Clemens Fuest. Trump könne die Handelspolitik aber nicht allein bestimmen, sondern brauche den Kongress. «Trump wird bestehende Abkommen kaum kippen können, aber der Abschluss neuer Abkommen wie TTIP wird deutlich schwieriger.»

DIW: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ist hingegen optimistisch. «Ich erwarte eigentlich keine großen negativen Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft», sagte Präsident Marcel Fratzscher. «Trump wird seine Wahlversprechen - also aus der Welthandelsorganisation auszutreten, Freihandel mit Europa zu beenden - all das wird er nicht umsetzen können.» Die deutsche Wirtschaft sei global sehr stark, diversifiziert und flexibel, sagte Fratzscher.

AMCHAM: Die amerikanische Handelskammer in Deutschland befürchtet im Fall einer wirtschaftlichen Abschottung unter Trump Folgen für den gemeinsamen Handel. «Eine Politik des Protektionismus wäre für die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen nicht hilfreich», sagte Präsident Bernhard Mattes. Deutsche Firmen könnten ferner Investitionen in den USA überdenken. Es bleibe aber abzuwarten, welche Politik Trump im Amt verfolge.

IfW: Das Institut für Weltwirtschaft sieht in Trumps Sieg «einen weiteren, großen destabilisierender Faktor» in Zeiten wachsender globaler Unsicherheit. Viele von Trumps Äußerungen seien Kampfansagen an Grundprinzipien der globalen Ordnung, den Freihandel und die offene Gesellschaft, sagte Präsident Dennis Snower. Er fürchtet schwere Folgen, sollte Trump seine Ankündigungen wahr machen. «Amerika wird ärmer werden, der weltweite Wohlstand durch weniger Handel zurückgehen.»

VDMA: Der Branchenverband der Maschinenbauer warnt vor einer Abschottung der weltgrößten Volkswirtschaft. Falls die USA einen protektionistischen Kurs einschlagen würden, werde das rund um den Globus zu spüren sein, sagte Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. «Wir können nur hoffen, dass er (Trump) seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt».

VCI: Der Verband der Chemischen Industrie appelliert an die transatlantische Zusammenarbeit in der der Handels-, Klima- und Wirtschaftspolitik. «Die Verunsicherung, wohin die USA nun steuern, ist groß», sagt Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Man hoffe, dass Trump trotz nationalistischer und protektionistischer Positionen an die engen Beziehungen zwischen der EU und den USA anknüpfen werde.

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