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Deutsche Wirtschaft sieht Chancen in Asien

16:44 Uhr 04.02.2017
Handel mit China
Handel mit China: Container werden an den Kwai Tsing Terminals in Hongkong verladen. Foto: Jerome Favre

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutsche Wirtschaft sieht nach dem Rückzug der USA aus dem transpazifischen Handelsabkommen eigene Möglichkeiten in Asien.

«Der TPP-Ausstieg der USA bietet Chancen für die deutsche und die europäische Wirtschaft in Asien», sagte der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Hubert Lienhard, der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warb für eine engere Zusammenarbeit mit Fernost.

«Wir sollten die Annäherung an den Asien-Pazifik-Raum unbedingt mit hoher Geschwindigkeit fortführen», sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Die Kontakte zu China böten enorme Chancen für deutsche Unternehmen. «Aber noch sind diese nicht vergleichbar mit dem gemeinsamen Wertefundament und der Tradition, die Deutsche und Amerikaner miteinander teilen.» Einen Handelskrieg dürfe man hier nicht herbeireden. China gehört nicht zu den TPP-Staaten.

Trump hatte angekündigt, sich aus dem Handelsabkommen zurückzuziehen, das von 12 Staaten unterzeichnet wurde, aber noch nicht in Kraft getreten ist. Mit der Entscheidung stellt die neue Führung in Washington den Freihandel als wirtschaftspolitisches Ziel führender Industriestaaten in Frage und schürt die Furcht vor Strafzöllen und Handelsbeschränkungen. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, warnte im Deutschlandfunk: Der neue Protektionismus möge kurzfristig der US-amerikanischen Wirtschaft nützen, langfristig sei er zum Scheitern verurteilt.

«Man stelle sich vor, wir würden in Europa die Importe für Flugzeuge deutlich erhöhen, das wäre für Boeing in den Vereinigten Staaten eine Katastrophe, die Amerikaner würden sich damit einfach ins Knie schießen», sagte Hoffmann. Die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», manche Überlegungen von Trump seien unvereinbar mit Regeln der Welthandelsorganisation, der Zoll auf Autos etwa sei begrenzt.

Wirtschaftliche Isolation schade den Vereinigten Staaten. Zypries sieht in Trump eine Gefahr für die ökonomische Entwicklung. «Ungewissheit und Unberechenbarkeit lähmen. Und Lähmung ist gefährlich für die Wirtschaft», sagte die Ministerin. Sie setzt darauf, dass Trump an innenpolitischen Widerständen scheitert.

Die deutsche Wirtschaft muss sich laut Lienhard vom Asien-Pazifik-Ausschuss (APA) auf neue Konstellationen in Politik und Weltwirtschaft einstellen. «Der chinesische Präsident wirbt in Davos für die Vorteile der Globalisierung und des freien Handels, während der neue US-Präsident Deutschland vorwirft, den Euro schwach zu halten, uns mit Strafzöllen droht und aus Freihandelsabkommen aussteigt», sagte Lienhard, der auch Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung des Anlagen- und Maschinenbauers Voith ist.

Aus Lienhards Sicht hatte das TPP-Abkommen von Beginn an den «Geburtsfehler», dass die wichtigste asiatische Handelsmacht China von diesem Abkommen ausgeschlossen war. «Dies lässt sich jetzt korrigieren und China könnte ein Treiber für ein neues transpazifisches Freihandelsabkommen werden».

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzte sich derweil für ein Freihandelsabkommen zwischen südamerikanischen Staaten und der Europäischen Union ein. Sie sei «sehr erfreut, dass Bewegung in die Mercosur-Länder gekommen» sei, sagte Merkel in ihrem Video-Podcast am Samstag. «Wir sind grundsätzlich für internationale Handelsbeziehungen», betonte sie. Der 1991 gegründete «Gemeinsame Markt des Südens» (Mercosur) ist ein südamerikanischer Wirtschaftsverbund.

Beitrag in der "NOZ" mit Kampeter

Interview mit DGB-Chef im Deutschlandfunk

Interview des "FAS" mit Zypries

Podcast Textversion

Auswärtiges Amt zu Mercosur

EU-Kommission zu Beziehungen mit Mercosur

Podcast von Merkel als Video

Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

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