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Dobrindt: Neuer Bahnchef steht in Kürze fest

19:05 Uhr 05.02.2017
Dobrindt
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sucht einen Nachfolger für den ehemaligen Bahnchef, Rüdiger Grube. Foto: Alexander Dobrindt

Berlin (dpa) - Über die Nachfolge des überraschend zurückgetretenen Vorstandschefs der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, wird nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Kürze entschieden.

Allerdings nicht schon an diesem Montag, sagte der CSU-Politiker in München mit Blick auf eine Sitzung der Parteivorsitzenden der großen Koalition an diesem Tag in München.

«Wir arbeiten natürlich täglich daran und suchen nach einer entsprechenden Personallösung. Es wird in Kürze so weit sein», betonte Dobrindt. Aber: «Das steht nicht für heute und nicht für morgen an.» Auf die Frage, ob die Entscheidung in dieser Woche falle, sagte er: «abwarten».

Nach dem Rücktritt von Grube braucht die Bahn einen neuen Vorstandschef. Auf der Suche nach einem Nachfolger trifft sich an diesem Montag auch der Personalausschuss des Aufsichtsrats. In München kommen parallel am Nachmittag die Parteichefs der großen Koalition zusammen. Die Neubesetzung dürfte auch dort Thema sein, offiziell stehen dort aber nach Angaben von CSU-Chef Horst Seehofer andere Themen auf der Agenda.

Aus der Union verlautete, Ronald Pofalla, Ex-Kanzleramtschef von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), habe Chancen auf den höchsten Posten des Staatsunternehmens. Die SPD würde das gern verhindern. Pofalla ist derzeit Infrastruktur-Vorstand bei der Bahn. Dobrindt sagte, er äußere sich nicht zu solchen Spekulationen.

Grube war vor einer Woche nach einem Streit mit dem Aufsichtsrat überraschend zurückgetreten. Es ging um die Dauer der für ihn geplanten Vertragsverlängerung. Nach dem Rücktritt Grubes geriet Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht in die Kritik. Andere Aufsichtsräte warfen Felcht anonym vor, den Eklat um die Verlängerung Grubes in der entscheidenden Sitzung nicht verhindert zu haben.

Als potenzieller Nachfolger Felchts wurde in der großen Koalition zuletzt Michael Frenzel genannt, der frühere Chef des Touristikkonzerns Tui. Im Staatsunternehmen Deutsche Bahn wird der Aufsichtsratschef von der Bundesregierung bestimmt. Würden die Personalien so kommen, stünde der Sozialdemokrat Frenzel als Chefaufseher dem CDU-Mann und Ex-Kanzleramtschef Pofalla gegenüber.

Die Grünen kritisierten solche Überlegungen als Postengeschacher. Nötig sei ein Neustart bei dem staatlichen Unternehmen, das «transparent, kundenfreundlich und modern» werden müsse, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. Die Bundesregierung müsse einen Fachmann an die Spitze der Deutschen Bahn holen.

Die SPD-Verkehrspolitikerin Kirsten Lühmann, die im Aufsichtsrat der Bahn sitzt, äußerte Zweifel an einem möglichen Aufstieg Pofallas. Der Aufsichtsrat habe ihn erst vor Wochen zum Netz-Vorstand gemacht und den Technik-Bereich, der eigentlich dazu gehöre, ausgegliedert - mit der Begründung, Pofalla fehle dort die Erfahrung.

«Ich halte diese Entscheidung immer noch für gut und richtig. Und dann kann ich aber nicht acht Wochen später sagen, er ist geeignet, Vorstandsvorsitzender zu werden», sagte Lühmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Wir brauchen frischen Wind im Vorstand, wir brauchen neue Ideen.»

Der Personalausschuss bereitet Personalentscheidungen des Aufsichtsrats vor. Bei der Bahn gehören ihm 4 der 20 Aufsichtsratsmitglieder an: Der Vorsitzende Utz-Hellmuth Felcht, sein Stellvertreter Alexander Kirchner von der Bahngewerkschaft EVG, Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald und Konzernbetriebsrats-Vorsitzender Jens Schwarz.

Grube sagte nach seinem Rücktritt nun der «Bild am Sonntag»: «Es tut weh, 300 000 Bahner unerwartet zurückzulassen.» Er will sich Zeit nehmen, um über seine Zukunft zu entscheiden. «Ich habe viele Angebote, wirklich viele, gute Angebote», zitiert ihn die «Welt am Sonntag». «Ich werde mir hundert Tage Zeit nehmen und dann eine Entscheidung fällen und sehen, wie es weitergeht.»

Informationen zur Deutschen Bahn

Beitrag der "Welt" zu Grube

Aufsichtsrat der Deutschen Bahn

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