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EZB-Politik: Deutsche-Bank-Chef warnt vor «fatalen Folgen»

18:47 Uhr 24.08.2016
John Cryan
Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Foto: Boris Roessler/Archiv

Frankfurt/Düsseldorf (dpa) - Die Kritik an der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wird lauter. Deutsche-Bank-Chef John Cryan warnte in einem Gastbeitrag zu einer «Handelsblatt»-Tagung vor «fatalen Folgen» der EZB-Strategie für die Sparer und die Altersvorsorge.

Zuletzt hatten sich schon andere Vertreter der Finanzbranche - unter anderem Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon - kritisch zur Geldpolitik unter EZB-Chef Mario Draghi geäußert. Auch der Wirtschaftsweise Volker Wieland kritisierte die Geldschwemme der Notenbank.

«Unternehmen halten sich aufgrund der anhaltenden Unsicherheit mit Investitionen zurück und fragen kaum mehr Kredite nach», schrieb Cryan weiter. Dabei gilt die Ankurbelung der schwachen Kreditvergabe im Euroraum als eines der wichtigsten Ziele der Geldflut durch die EZB. Draghi hatte zuletzt mehrfach auf erste Fortschritte bei der Entwicklung der Kreditvergabe hingewiesen.

Wieland betrachtet die Geldpolitik ebenfalls mit Sorge. Die US-Notenbank Fed und die EZB hätten in der Finanzkrise und der europäischen Schuldenkrise zu Recht mit Zinssenkungen und Lockerungsmaßnahmen reagiert. «Inzwischen beharren die Fed und EZB jedoch viel zu lange auf der Niedrigzinspolitik und die EZB weitet ihre Anleihekäufe weiter massiv aus. Damit werden sie mehr und mehr Teil des Problems», sagte Wieland der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Donnerstag). Der Ökonom warnte vor Risiken für den Finanzsektor: «insbesondere im Bankensektor geht die Profitabilität zurück, risikoreiche Anlagen nehmen zu».

EZB-Kritiker räumen ein, dass die beispiellose Geldflut der Notenbank auch ihre positiven Seiten habe. So wäre die Entwicklung ohne das entschiedene Eingreifen der EZB in den vergangenen Jahren negativer verlaufen, die Deflationsgefahren wären größer. «Die EZB hat viel dafür getan, Europa zu stabilisieren», schrieb Cryan. Allerdings sei die EZB noch weit davon entfernt, ihr anvisiertes Inflationsziel von knapp zwei Prozent zu erreichen.

Die Deutsche Bank steckt derzeit mitten in einem teuren Umbau, ihr machen milliardenschwere Strafzahlungen zu schaffen. In einem solchen Umfeld schmerzen die Nebenwirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB besonders stark.

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