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Opel-Betriebsrat weist Sanierungskonzept zurück

18:18 Uhr 19.04.2018
Opel - Rüsselsheim
Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug gibt vor dem Werkstor in Rüsselsheim Interviews zur Lage beim Autobauer. Foto: Boris Roessler

Rüsselsheim/Berlin (dpa) - Der Ton im Streit um den richtigen Weg der Opel-Sanierung wird rauer. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug warf der Geschäftsleitung «Desinformation» vor.

Die Vorschläge der Geschäftsleitung zur Erfüllung der Tarifverträge wies er im Anschluss an eine Betriebsversammlung im Stammwerk Rüsselsheim zurück. Die IG Metall und der Betriebsrat werfen der eigenen Geschäftsführung und dem neuen Eigner PSA offenen Tarifbruch vor.

Würde in Eisenach künftig nur ein Fahrzeug gebaut, laufe dies in etwa auf eine Halbierung der Belegschaft von derzeit 1800 Mitarbeitern an dem Standort hinaus, sagte Schäfer-Klug. Unter der Leitung von PSA will Opel in dem thüringischen Werk nur noch einen Geländewagen anstatt der bislang zwei Kleinwagen-Modelle Adam und Corsa montieren. «Die Halbierung der Belegschaft in Eisenach wäre der Einstieg in den Komplettausstieg», sagte der Regionalbevollmächtigte der IG Metall, Uwe Laubach.

Im Motorenwerk Kaiserslautern sollten die Beschäftigten einem Szenario zufolge keine Motorenteile mehr herstellen, sondern nur noch die Endmontage machen. «Wenn das so käme, würde das eine Verringerung der Mitarbeiterzahl bedeuten», sagte der dortige Betriebsratschef Lothar Sorger nach einer Betriebsversammlung. Im vergangenen Jahr arbeiteten gut 2000 Menschen in Kaiserslautern. Die Ingenieure in Rüsselsheim sollen künftig zusätzlich für die Entwicklungsleitung bei den leichten Nutzfahrzeugen der PSA-Gruppe zuständig sein.

Zum Vorschlag des Managements würde auch ein Verzicht der Mitarbeiter gehören. «Dafür hätten alle Beschäftigten 4,3 Prozent dauerhaft abgeben sollen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld», kritisierte Schäfer-Klug. «Ein solches Angebot werden wir auch weiterhin nicht annehmen.»

Opel-Chef Micheal Lohscheller erklärte in einer auf Twitter verbreiteten Videobotschaft, das Unternehmen wolle in Deutschland investieren und den Tarifvertrag einhalten. Man habe Pläne für Kaiserslautern und Eisenach vorgelegt, die sogar besser seien, als das, was im Tarifvertrag festgeschrieben sei. «Die Voraussetzung für umfangreiche Investitionen ist Wettbewerbsfähigkeit.»

Der Streit sorgt auch für Unruhe in Berlin. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe ein großes Interesse an einer nachhaltigen Perspektive für Opel und seine Beschäftigten, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Der SPD-Politiker Bernd Westphal verlangte, der neue Opel-Mutterkonzern PSA müsse sich an die Zusagen halten, die bei der Übernahme des Rüsselsheimer Autobauers gemachten worden seien: «Die SPD-Bundestagsfraktion steht an der Seite der Belegschaft.»

Kanzlerin Angela Merkel hatte gefordert, dass sich PSA an die Zusagen halten solle. «Wir erwarten jetzt erst mal von dem Unternehmen, dass es all das, was es versprochen hat im Zusammenhang mit der Übernahme, auch einhält», hatte sie am Mittwoch gesagt. Altmaier und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) führten dazu Gespräche an Opel-Standorten.

PSA hatte bislang versichert, die Opel-Sanierung ohne Entlassungen oder Werkschließungen zu schaffen. Umfangreiche Abfindungsprogramme sollen die Belegschaft reduzieren. Investitionszusagen gab es bislang nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands. An den deutschen Opel-Standorten mit fast 19.000 Beschäftigten wird derzeit massiv kurzgearbeitet.

Firmenchef Lohscheller stellte im ersten Quartal 2018 erste, kleine Verbesserungen fest. Die «Erträge werden deutlich besser», sagte er nach Informationen der «Wirtschaftswoche» auf einer Mitarbeiterversammlung im Rüsselsheimer Adam-Opel-Haus.

Allerdings habe Opel im ersten Quartal 25.000 Autos weniger als vor einem Jahr verkauft, berichtete das Magazin unter Berufung auf Aussagen Lohschellers. Die Gründe dafür sehe der Manager im vom Brexit geplagten Großbritannien und dem schwächer wachsenden türkischen Markt. Opel wolle in Deutschland investieren, doch man müsse die Kosten drücken. «Teilweise waren unsere Werke doppelt so teuer wie PSA-Werke», wurde Lohscheller zitiert.

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