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VW will in China aufdrehen - Heizmann «überrascht» von Klage

08:31 Uhr 03.08.2016
VW-Vorstand Jochem Heizmann
VW-Vorstand Jochem Heizmann ist überrascht von die Schadenersatzklage Bayerns gegen VW wegen der Folgen des Dieselskandals. Foto: Nigel Treblin

Peking (dpa) - Volkswagen rechnet in China mit beschleunigtem Wachstum. Auf dem größten Automarkt der Welt werde der Konzern in diesem Jahr weiter aufholen, sagte Vorstandsmitglied Jochem Heizmann im Journalistengespräch in Peking.

Das Wachstum des Gesamtmarktes, der im ersten Halbjahr unerwartet stark um 9,4 Prozent zugelegt hatte, wird sich nach seiner Einschätzung bis Jahresende wohl etwas abschwächen, aber «weiter gut sein».

Die Volkswagen-Gruppe hatte seit Jahresanfang in China aufgeholt und ein Plus von 6,8 Prozent auf 1,86 Millionen Autos erreicht. Im Juni wurden auch dank neuer Modelle sogar 18,7 Prozent mehr ausgeliefert. «Unsere Erwartung für das gesamte Jahr liegt im Bereich des Gesamtmarktes», sagte Heizmann. «Volumen ist aber nicht das wichtigste», betonte der Vorstand. «Viel wichtiger ist für uns, dass wir langfristiges, sauberes und qualitatives Wachstum haben.»

Der Gesamtmarkt wird sich nach seiner Einschätzung im zweiten Halbjahr weiter schneller als das Wirtschaftswachstum entwickeln, das im ersten Halbjahr bei 6,7 Prozent gelegen hatte. Im nächsten Jahr gibt es aber Unsicherheiten, weil die Reduzierung der Verkaufssteuer für kleinere Autos unter 1,6-Liter Hubraum zum Januar wegfallen soll. Eventuell würden Käufe zum Jahresende vorgezogen, so dass es danach wieder schwieriger werde, meinte Heizmann.

Ob er den starken Absatz in China als «Rettungsanker» für den durch den Dieselskandal angeschlagenen Konzern sehe, beantwortete Heizmann nur ausweichend: «Die Zahlen sprechen für sich.» Der Konzern verkauft 36 Prozent seiner Autos weltweit in China. Bei der VW-Kernmarke sind es sogar 48 Prozent. Anteilig aus den Gemeinschaftsunternehmen verbuchte der Konzern in China im ersten Halbjahr einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,37 Milliarden Euro. Die Abgas-Affäre hatte China nicht betroffen, weil es dort kaum Diesel-Pkw gibt.

Heizmann zeigte sich «überrascht» über die Schadenersatzklage Bayerns als erstes Bundesland, wollte aber sonst keinen Kommentar dazu abgeben. Es geht dabei nach bayerischen Angaben um einen Schaden von maximal 700 000 Euro (CSU) durch Aktienkurs-Verluste, die dem bayerischen Pensionsfonds entstanden sind. Wie andere klagende VW-Anleger geht Bayern davon aus, dass VW zu spät über die Risiken des Abgas-Betrugs informiert habe. Volkswagen hatte den Vorwurf als unbegründet zurückgewiesen. Alle Pflichten seien erfüllt worden.

Im Zuge der neuen Volkswagen-Strategie will Heizmann in China verstärkt an neuen Produkten, alternativen Antrieben, dem «Budget-Car» und neuen Mobilitätskonzepten arbeiten. Als neuer VW-Markenchef für China wurde Stephan Wöllenstein eingesetzt, so dass sich Heizmann stärker den Zukunftsthemen widmen kann.

Beim Billigauto, das wie geplant 2018 oder 2019 in China kommen soll, gibt es laut Heizmann konkrete Fortschritte mit dem chinesischen Partner First Automotive Works (FAW). Zu einem Bericht des «Manager Magazins», dass Volkswagen beim «Budget Car» auch mit dem indischen Autobauer Tata liebäugelt, wollte sich Heizmann nicht äußern und sagte nur: «Es geht hier nicht nur um China.»

Auch die Elektromobilität wird stark ausgebaut. Bis 2020 wolle Volkswagen «mehrere Hunderttausend solche Fahrzeuge» in China verkaufen, bekräftigte Heizmann. Das sei auch notwendig, um die chinesischen Verbrauchsgesetze zu erfüllen, die dann einen Flottenverbrauch von fünf Litern vorschreiben.

Die Restriktionen in großen chinesischen Metropolen, die Zulassungen für Benzinautos beschränken oder tageweise Fahrverbote erlassen, förderten den Absatz in China, sagte der Vorstand. Auch gingen die bisher hohen Kosten für E-Autos zurück. Während sich mit höheren Volumen die Batterien und Komponenten verbilligten, erhöhten sich gleichzeitig die Kosten für konventionelle Fahrzeuge, die in China ab 2019 noch strengere Abgasvorschriften erfüllen müssten.

Volkswagen in China

Im Artikel enthaltene Wertpapiere
Wertpapier ISIN Letzter Kurs Performance
VOLKSWAGEN Aktienkurs DE0007664005 134,45 € 2,79 %
VW Aktienkurs DE0007664039 127,00 € 4,61 %
TATA Aktienkurs US8765685024 33,33 € 2,84 %
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News-Diskussion (4 Beiträge)
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  • von 19uli57
    und die Arbeiter bei VW sind nicht zu teuer, Die Preisgestaltung für Deutschland ist die Schande. Wenn ein in Wolfsburg gebautes KFZ in Deutschland wesentlich teurer ist, als das nach USA exportierte (Die Transportkosten sind ja zusätzlich hinzuzurechnen) dann stimmt doch etwas nicht in den Köpfen der VW - Bosse, oder?
  • von 19uli57
    Ja, Chinese müsste man sein, um ein Kostengünstiges 'KFZ von VW zu bekommen. Super Idee, Deshalb habe ich ja ein Auto aus Fernost kaufen müssen, was die von VW versprochenen Verbrauchswerte von knapp 3.5 Liter je 100 km einhält. dass hat VW mit den in Deutschland erhältlichen Fahrzeugen bisher nicht geschafft. Auch der Preis war exponentiell höher als mein Erwerb. Zusammengenommen habe ich bei einer Lebensdauer von 10 Jahren weniger als 35% vom vergleichbaren VW bezahlt, das war dann wohl ein echtes Schnäppchen, oder.

    Der Aufruf an VW gilt nun: Baut endlich Fahrzeuge, die billig sind und extrem wenig verbrauchen, dann erholt sich auch die Binnennachfrage.
  • von Gast
    Ich glaube, auch das "Billig-Auto" von VW wird das teuerste unter den billigen sein. VW ist ohnehin überteuert.