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VW zahlt in USA fast 15 Milliarden Dollar für Abgas-Vergleich

17:36 Uhr 28.06.2016
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Der Diesel-Skandal in den USA könnte für VW noch deutlich teurer werden als bisher erwartet. Foto: Julian Stratenschulte

San Francisco/Washington (dpa) - Die Abgas-Affäre wird Volkswagen in den USA voraussichtlich bis zu 15 Milliarden Dollar kosten. Ein entsprechendes Paket sieht Rückkäufe, Entschädigungen und Strafen vor.

Nach monatelangen Verhandlungen erzielte VW eine Einigung mit den US-Behörden und Klägern, die heute vorgestellt wurde. Das Unternehmen verpflichtet sich demnach, Hunderttausende vom Skandal betroffene Dieselautos in den Vereinigten Staaten zurückzukaufen oder umzurüsten.

In dem Gesamtbetrag soll auch eine Zahlung von 2,7 Milliarden Dollar an einen Fonds enthalten sein, mit dem Umweltprojekte gefördert werden sollen. Außerdem soll VW mit 2 Milliarden Dollar die Verbreitung von emissionsfreien Autos fördern. Denkbar wäre zum Beispiel der Bau von Ladestationen für Elektroautos.

Umgerechnet kann die Aufarbeitung die Wolfsburger in den USA damit rund 13,3 Milliarden Euro kosten - dies entspricht etwa einem Jahresgewinn in früheren guten Zeiten. Bislang hat der Autobauer für die Folgen der Krise gut 16 Milliarden Euro (aktuell 17,6 Mrd Dollar) zurückgelegt. Dabei geht es aber nicht nur um Probleme in Amerika.

Der VW-Konzern hatte Ende September 2015 nach Vorwürfen des US-Umweltamtes EPA zugegeben, in großem Stil bei Abgastests getrickst zu haben. Weltweit sind elf Millionen Wagen betroffen.

Der nun erzielte Vergleich ist noch nicht rechtskräftig. Zunächst muss der Richter Charles Breyer in Francisco dem Entwurf zustimmen. Bei ihm sind Klagen in den USA gebündelt. Im April hatte VW bereits eine Grundsatzeinigung erzielt, nun folgte die genaue Ausgestaltung. Breyers endgültige Entscheidung wird für Ende Juli erwartet. Danach haben Kläger die Möglichkeit, das Vergleichsangebot anzunehmen.

Im Einzelnen will VW US-Kunden mit manipulierten Autos jeweils mindestens 5100 Dollar (4600 Euro) Entschädigung zahlen. In manchen Fällen kann die Summe fast 10 000 Dollar betragen. Die Besitzer könnten sich aussuchen, ob VW ihre Wagen zurückkaufen oder umrüsten soll. Bei den vo dem Kompromiss betroffenen rund 480 000 Dieselautos handelt es sich um VW-Modelle wie den Jetta oder Passat sowie um den A3 von Audi. Für die größeren Sechszylinder-Motoren mit 3,0 Litern Hubraum steht noch keine Regelung.

VW-Finanzchef Frank Witter nannte das Entschädigungs-Paket eine «sehr erhebliche Bürde für unser Geschäft». Das mache den eingeschlagenen Sparkurs umso nötiger. Vor allem die Kernmarke VW ist ertragsschwach. Witter warnte mit Blick auf die USA: «Vergleichslösungen in dieser Größenordnung belasten uns ohne Zweifel erheblich.»

Verbraucherschützer fordern seit langem Schadenersatz auch für europäische Kunden. In Europa sind weitaus mehr Autofahrer von den Abgasmanipulationen betroffen. Eine US-Lösung für Europa hatte VW aber unter Verweis auf die unterschiedliche Gesetzgebung abgelehnt.

Konzernchef Matthias Müller nannte die Vereinbarungen in den USA «einen wichtigen Schritt nach vorn». Doch der Weg sei noch weit. «Wir sind uns bewusst, dass wir noch viel tun müssen, um das Vertrauen der Menschen in Amerika zurückzugewinnen.» VW hatte nach dem Skandal den Verkauf sämtlicher Diesel in den USA gestoppt, der Absatz brach ein.

Nach Einschätzung des Justizministeriums in Washington ist der Dieselskandal eine der schwerwiegendsten Verletzungen von Verbraucher- und Umweltrechten der US-Geschichte. Verbraucher hätten VW vertraut und seien bitter enttäuscht worden, sagte Vize-Generalbundesanwältin Sally Yates. Die Einigung sei ein «wichtiger erster Schritt», um VW für den Bruch von Gesetzen zur Rechenschaft zu ziehen. Klagen der Regierung und mögliche strafrechtliche Fragen seien davon aber noch nicht berührt. Mit den deutschen Behörden habe man gut kooperiert.

Die Chefin der Umweltschutzbehörde EPA, Gina McCarthy, sprach von einer in jeder Hinsicht bahnbrechenden Einigung - VW müsse in vollem Umfang alle Konsequenzen seines Verhaltens tragen. «Wir senden heute eine starke Botschaft», sagte sie: «Wenn Sie unser Gesetz brechen, gibt es sehr ernsthafte Konsequenzen.» Die Frage, ob VW betroffene Autos notfalls außerhalb des Landes weiterverkaufen könne, verneinte sie: «Wir verfrachten diese Luftverschmutzung nicht woanders hin.» Im Zweifel müsse entschieden werden: «reparieren oder verschrotten.»

Auch nach der US-Einigung ist der Skandal nicht vorbei. So drohen Milliardenklagen von Anlegern wegen möglicher Marktmanipulationen. Zudem sind die Rückrufe betroffener Wagen noch nicht abgeschlossen.

Die Abgas-Affäre hatte VW in eine schwere Krise gestürzt und 2015 den größten Verlust der Firmengeschichte eingebrockt. Volkswagen hat auch als Reaktion darauf inzwischen eine neue Strategie vorgelegt. VW-Chef Müller hatte angekündigt, die Elektromobilität massiv auszubauen. Darüber hinaus will er Milliarden für neue Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing und miteinander vernetzte Fahrzeuge investieren.

Vergleichsvorschlag bei Richter Breyer

US-Gerichtsdokumente zu VW

VW-Mitteilung

Volkswagen Geschäftsbericht 2015

Im Artikel enthaltene Wertpapiere
Wertpapier ISIN Letzter Kurs Performance
VOLKSWAGEN Aktienkurs DE0007664005 129,15 € 2,09 %
VW Aktienkurs DE0007664039 116,95 € 1,21 %
AUDI Aktienkurs DE0006757008 625,10 € 0,18 %
PASSAT Aktienkurs FR0000038465 4,51 € 2,04 %
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News-Diskussion (4 Beiträge)
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  • von savetheplanet
    Porsche, der größte Anteilseigner an VW, hat bereits 1899 das emissionsfreie "Elektromobil System Lohner-Porsche" gebaut. 1900 wurde ein Hybridfahrzeug mit gemischt benzin-elektrischem Antrieb produziert. Diese Technologien befinden sich also seit über 100 Jahren im VW- bzw. Porschebesitz. Diese Erfahrungen werden jedoch derart ignoriert weil nicht genutzt, stattdessen wird im VW-Porsche-Konzern stattdessen auf die sowieso dem Untergang geweihte Schummelsoftware-Dieseltechnologie gesetzt (sogar jetzt noch!). Dies ist imho absolut unnötiger Nach-mir-die-Sintflut-Schwachsinn, der jetzt von den USA (Kapitalismus bedeutet Kaufkraftabschöpfung) genutzt wird um dem "Made in Germany" endlich das bei Einführung damit verbundene Ziel (internationale Ächtung von in D hergestellten Waren) zu erreichen. Der VW-Konzern hat offensichtlich nicht begriffen daß Globalisierung ein Haifischbecken bedeutet und von Risiko bez. Risiko-Management noch nie was gehört. Die Folgen: Dies schadet letztendlich allem "Made in Germany" und das ist das Ziel der USA und auch der anderen globalen Marktkonkurrenten Deutschlands.
    Die Moral von der Geschichte: VW + Audi + Skoda + Seat + Porsche = Management by Jeans (an den entscheidenden Stellen sitzen die größten Nieten!)
    Sollte das Volk 's wagen...?
  • von barbarossa54
    Die USA weiß wie Sie an das Geld anderer kommt,
    Als nächstes wird es bei Daimler versucht werden.
    Als GM Konkurs ging wurden Amerikaner besser gestellt!
    Ich mache keine Geschäfte mehr in den USA.

    Schöne Grüße an das Imperium USA
  • von Südfriese47
    Die Amis verstehen es, Schadensersatzzahlungen durchzusetzen, teils auf hysterische Art! das haben auch schon versch. europäische Banken und Firmen zu spüren bekommen.
    Hier ist eine angemessene Entschädigung kaum möglich. VW stellt sich stur, kulant zu sein.
    Ich würde keinen mehr empfehlen, einen VW zu kaufen!
  • von Südfriese47
    Bei dieser "Umsatzsteigerung" müsste Winterkorn ja noch mehr verdienen, da offensichtlich auch früher schon "negative Erfolge" honoriert wurden.