Der Psychologie beim Investieren einen Streich spielen.

ChrisMcCandless
ChrisMcCandless Beitrag vom: 25.01.2021, 11:38 Uhr Leser: 6322

Der Einfluss der Psychologie wird beim Investieren an der Börse häufig total unterschätzt. In den folgenden Zeilen versuche ich durch verschiedene Beispiele deutlich zu machen, warum sie eine so große Rolle spielt und wie wir möglichst emotionslos an der Börse agieren - und unsere Rendite steigern können.

Ich startete 2009 an der Börse. Jeder Sprung, jede Bewegung, jedes Zucken einer Aktie löste in mir Gefühle aus.

Menschen haben seit Urzeiten den Drang danach Dinge kontrollieren zu wollen. Diese Art der Kontrolle ist aber an der Börse nicht möglich, wir leben in einer ständigen Unsicherheit die irgendwann in Angst mündet.

Die Angst dass es tief in den Keller gehen könnte, war allgegenwärtig. Zu deutliche Spuren hat die Finanzkrise hinterlassen.

Doch auch jeder Ausschlag nach oben versetzte mich in eine Art Euphorie, Ekstase, die Endorphine strömten bis in den kleinen Zeh. Herdentrieb, Fomo und Verlustängste stehen unserem rationalen Handeln häufig viel zu sehr im Weg.

Aber warum ist das so?

Ein Beispiel:

a) Du investierst 50.000 EUR an der Börse, nach 3 Monaten und einigen rasanten Anstiegen beträgt dein Depot 70.000 EUR.

Du hast das Gefühl die Börse zu beherrschen. Experten meinen der Markt bleibt volatil.

Wie wirst du reagieren?

b) Du investierst 50.000 EUR an der Börse, nach 3 Monaten und einigen fiesen Kursstürzen beträgt dein Depot 20.000 EUR.

Du verstehst die Welt nicht mehr, wie kann man so viel Pech haben? Experten meinen der Markt bleibt volatil.

Wie wirst du reagieren?

Wenn du dich in Fall A dazu entschieden hast einen Großteil aus dem Markt zu nehmen und in Fall B voll im Markt bleibst um die Verluste wieder auszugleichen reagierst du wie ein Großteil der Anleger.

Rational ist das Ganze aber nicht, denn in beiden Fällen sind die Ausgangssituationen identisch.

Wir betrachten diese Fälle aber anders weil Menschen Verluste anders bewerten als Gewinne. Das ist menschlich, aber nicht rational.

Die Grundlage für diese irrationalen Handlungsstränge liegen in der Behavioral Finance (Verhaltensökonomik), mit der ich mich während meines Studiums intensiv beschäftigt habe. 2 Aspekte sind mMn für unser Handeln maßgeblich:

Heuristik: Anleger neigen dazu, Sachverhalte zu vereinfachen und zu verpauschalisieren um selber ein gutes Gefühl bei einem Trade zu haben, sozusagen um mit sich selbst im Reinen zu sein. Das führt zu kognitiven Verzerrungen und letztlich zu einer Minderrendite.

Framing Effekt: Hier kommt es nicht auf die Information an, die letztlich zu einer Kauf oder Verkauf führt an, sondern auf die Art und Weise wie diese Information rübergebracht wird.

Beispiel über die selben News: Wertfreie Information über den NTV-Ticker <-> Crash Prognose eines Influencers

Nur, wie schaffen wir es nun unsere Ängste und Emotionen außen vor zu lassen und möglichst rationale Entscheidungen zu treffen?

5 wesentliche Tipps, die mir in den letzten 10 Jahren geholfen haben:

1. Vermeide den ständigen Blick auf den Kontostand. Klingt banal, ist es auch. Verluste gehören zum Investieren dazu, der oben beschriebene Aspekt, dass wir Verluste anders (höher) gewichten als Gewinne,

verleitet uns beim ständigen Kontostand-Check zu irrationalen Handlungen

2. Schreibe vor deinen nächsten Trades auf, welche Gedanken und Gefühle in dir schlummern. Hierbei geht es nicht darum ob sich der Kurs gut oder schlecht entwickelt. Durch das Notieren der Emotionen verarbeitest du einen Teil dieser umgehend und hilft dir, eine Art Muster der eigenen Emotionen zu erkennen und voreilige Trades zu unterlassen.

3. Bestätigungs-Verzerrung. Bei der Auswahl der neuen Aktien suchen Sie vermehrt nach Informationen, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen. Sie gewichten diese Nachrichten unterbewusst höher.

Versuchen Sie beim Auswählen der neuen Aktie zuerst (!) das Negative zu suchen, beschäftigen Sie sich mit Artikeln und Analystenkommentaren, die kontrovers zu Ihrer Meinung stehen.

4. Erstellen Sie eine Strategie. Besonders in Zeiten von stetig steigen Kursen wie in den letzten 8 Monaten glaubt man die Börse beherrschen zu können. Was passiert aber, wenn es wie durch Corona mal von Heute auf Morgen um 30% runtergeht?

Was mache ich mit meiner Lieblingsaktie, wenn sie 25% fällt? Um das Beste aus diesen Situationen zu machen ist es ratsam eine Strategie zu entwickeln, die sämtliche Szenarien bereit hält. In welcher Höhe kaufe ich bei XY bei einem Dip nach? Realisiere ich Teilgewinne wenn die Aktie YX über Nacht um 25% steigt?

Eine solche Strategie ist für mich elementar wichtig und hilft Angst, Fomo und Gier in den Schatten zu stellen.

5. Sei ein Chamäleon. Eine Strategie zu haben bedeutet nicht diese sturr auf die nächsten 10 Jahre anzuwenden. Die Märkte befinden sich stets im Wandel, es gibt nur wenige Konstanten in der heutigen Zeit.

Überprüfe deine Strategie regelmäßig - wichtig - an Tagen an denen die Börse geschlossen hat. So stellst du sicher, dass du Punkt Nr. 4 nicht psychologisch aushebelst und bist auf der anderen Seite anpassungsfähig und aktiv.

Ich hoffe dass ich einigen von euch ein paar Hinweise und Tipps mit auf den Weg geben konnte. Das Spiel wird im Kopf entschieden - auch an der Börse.

Mit der Leidenschaft im Herzen und einem kühlen Kopf grüßt

Chris McCandless

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