Quo vadis BioNTech- Eine Einordnung der Quartalszahlen und der guidance

vom 10.08.2022, 03:33 Uhr
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Die Quartalszahlen zum 2. Quartal liegen nun hinter uns und es wird Zeit einige Dinge hierzu richtig einzuordnen. Ich möchte zunächst auf die Erwartungshaltung der Analysten im Vorfeld der Bekanntgabe der Quartalszahlen eingehen um mich dann dem Ausblick (guidance) für den weiteren Verlauf des Jahres zu widmen. 

Zunächst zu den blanken Zahlen: BioNTech hat im zweiten Quartal einen Umsatz in Höhe von € 3,2 Milliarden ,einen Nettogewinn von 1,7 Milliarden Euro und verwässertes Ergebnis pro Aktie von 6,45 Euro (6,87 US-Dollar) vermeldet.

Die Erwartungen der "Analysten" lagen kurz vor Bekanntgabe der Quartalszahlen im Durchschnitt bei € 3.89 Milliarden beim Umsatz und € 7.08 beim Ergebnis pro Aktie. Die hohe Erwartungshaltung der Analysten ist vor allem auf mangelndes Verständnis bei der Einordnung der Pfizer-Quartalszahlen zurückzuführen. Pfizer und BioNTech teilen sich im Verhältnis 50:50 den weltweiten Umsatz aus dem Comirnaty-Vertrieb, wobei BioNtech zusätzlich die exklusiven Vermarktungsrechte für Deutschland und die Türkei zustehen. Außerdem hat BioNTech mit Fosun Pharmaceutical einen weiteren Vertriebspartner für den Vertrieb des Impfstoffes in Hongkong, Macau und Taiwan. Pfizer ist hier kein Vertragspartner. 
Pfizer hat im Rahmen der Quartalszahlen zum 2. Quartal am 28.07.2022 einen Umsatz in Höhe von $ 8.8 Milliarden USD bekanntgegeben. Das 2. Quartal von Pfizer setzt sich jedoch für internationale Lieferungen aus einem anderen Zeitraum zusammen als das Quartal von BioNTech. Das 2.Quartal von Pfizer für internationale Lieferungen setzt sich zusammen aus dem Zeitabschnitt vom 28.02.2022 bis zum 29.05.2022. Besonders der Februar war ein besonders umsatzstarker Monat für Lieferungen an die EU (über 50 Millionen Impfdosen), an Japan (45 Millionen Impfdosen) und andere Industrienationen, die Pfizer im 2.Quartal abgerechnet hat. BioNTech hingegen umfasst für alle Lieferungen im 2. Quartal die Monate April bis Juni. Aufgrund einer Vereinbarung mit der Europäischen Union vom 13.05.2022 haben die Vertragspartner, BioNTech und Pfizer auf der einen und die Europäische Kommission auf der anderen Seite, beschlossen, dass in den Monaten Juni, Juli und August keine Lieferungen an die EU-Mitgliedstaaten stattfinden und die verschobenen Lieferungen dafür im später im 3. und 4.Qurtal (mit einem angepassten Impfstoff) nachgeholt werden. Diese Verzögerung der Lieferung der EU-Lieferungen wurden nun im Quartalsbericht von BioNTech sichtbar und werden sich auch im nächsten Quartalsbericht von Pfizer bemerkbar machen. Einige Analysten haben aufgrund der Umsatzzahlen von Pfizer auf höhere Zahlen bei BioNTech geschlossen, ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Zusammensetzung des Zeitabschnitts für das 2. Quartal zu nehmen. 

Nun möchte ich vor allem auf die guidance von BioNTech eingehen, die bei einigen Investierten Stirnrunzeln hervorgerufen hat. BioNtech hat erneut die Umsatzerwartungen in einer Range in Höhe von € 13 bis € 17 Milliarden bestätigt. Hier kamen einige Fragen auf. Wieso wurde der neue US-Vertrag für 105 Millionen mit einem Auftragsvolumen von $ 3.2 Milliarden vom 29.06.2022 nicht berücksichtigt? Sind keine weiteren Verträge in den Monaten seit Januar hinzugekommen? 

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass BioNTech die Umsatzprognose (guidance) immer sehr konservativ handhabt. Im letzten Jahr hat BioNTech noch am 09.11.2021 zur Bekanntgabe der Quartalszahlen zum 3.Quartal  eine guidance von €16 Milliarden bis €17 Milliarden ausgegeben. Im Geschäftsbericht zum Geschäftsjahr 2021 waren es dann letztlich €18.9 Milliarden Umsatzerlös.

BioNTech hat laut der neuen Präsentation (Stand Mitte Juli 2022) die vertragliche Verpflichtung 2.5 Milliarden Impfdosen an die jeweiligen Vertragspartner in diesem Jahr auszuliefern.

Im letzten Jahr wurden laut offiziellen Angaben ca. 2.6 Milliarden Impfdosen von Pfizer/BioNTech ausgeliefert. Was sich seitdem verändert? Die Preise pro Impfdose wurden massiv nach oben angepasst. Zahlte die EU bis Ende 2021 noch € 15.50 pro Impfdose, wurden die Preise ab diesem Jahr auf € 19.50 pro Impfdose angehoben. Vertraglich hat sich die EU für dieses Jahr 650 Millionen Impfdosen gesichert. Auch die Preise für UK wurden von 18 Pfund auf 22 Pfund für 35 Millionen Impfdosen angehoben. In Australien und Kanada sieht es ähnlich aus. Aus dem neuen US-Vertrag ergibt sich ein Durchschnittspreis in Höhe von $ 30.40 pro Impfdose nach $ 19.50 in den Verträgen zuvor. Damit ergibt sich für sämtliche Industrienationen ein starker Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr. Deutschland hat sich für dieses Jahr ca. 160 Millionen Impfdosen (davon 80 Millionen angepasster Omikron-Impfstoff) gesichert. Dieser Umsatz geht direkt an BioNTech (siehe oben).

Wie kann also die guidance trotz der erheblichen Preissteigerungen und annährend desselben Auftragsvolumens geringer ausfallen als Im Jahr 2021 (€ 18.9 Milliarden)? Pfizer gibt für dieses Jahr einen Umsatz von $ 33 Milliarden an, wovon $ 1 Milliarde durch den negativen Währungseffekt (Dollarstärke) abgezogen werden. Dieser negative Währungseffekt ist bei BioNTech nicht gegeben. Pfizer hat seine guidance nicht erhöht, da einige internationale Lieferungen in den Dezember verschoben werden sollen und Pfizer den Dezember für internationale Lieferungen schon im Im Fiskaljahr 2023 (Quartal 1 2023) erfasst. BioNTech erfasst wie schon erwähnt alle Lieferungen in diesem Jahr auch im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2022. Daraus lässt sich ableiten, dass BioNTech aufgrund der bis jetzt gezeichneten Verträge und der massiven Preisanstiege schon über der eigenen guidance am oberen Ende liegen sollte und sich der Gesamtumsatz aus dem letzten Jahr zumindest wiederholen sollte. Warum stapelt also BioNTech so tief? BioNTech setzt im Rahmen der eigenen Umsatzprognose für einen Teil der Vertragserfüllung eine Zulassung für einen angepassten Impfstoff voraus. Wenn die Zulassung durch die EMA für die EU und durch die FDA für die USA planmäßig  im September erfolgt, wird auch BioNTech die guidance nach oben anpassen.

Hierzu ein kurzer Auszug aus dem earnings call (Q&A) mit Jens Holstein: 

"Specifically, if we look at Europe or not too late, we have some shifts from Q2 and Q4. And Ryan was alluding to this in his speech that we have 650 million doses that we expect to be delivered in the course of this year. I mean all of this, of course, is heavily influenced and we have seen that throughout the year so far by the dynamic of the pandemic, and of course, specifically, how the timing will be for approval from the FDA and EMA. And that will influence the total amount that we are able to deliver to our customers at the end of the day.

So, there is -- that's the main reason why we have been cautious in terms of looking at our guidance of 18 to 17. I think overall, if you look at the 9.6 billion euros that we have reported for the first six months, I mean we feel very, very good about it. And just to maybe allude also to what we said in the Q1 call on the basis of 2.4 billion euros doses we said, we will end up somewhere in the middle of that range. So, of course, there are some fluctuations that we have seen already last year, you know, when that delivery moved from one month into the next month that can happen over the end of the quarter, over the end of the year as well, of course.

So -- and all this, you know, just keeps us with the guidance that we have given to you on 13 to 17. But we are, overall, very optimistic, you know, that we will see a good year 2022."

Zudem geht Holstein von einer kompletten Auslieferung der bestellten 2.5 Milliarden Impfdosen in diesem Jahr aus:

"Yeah. And, Tazeen, on your capacity question, you know, I would just say that, of course, we -- our objective is to deliver the full order book, the full 2.5 billion euros doses that are scheduled for delivery this year."

Moderna setzt bei ihrer guidance schon den best case und damit sämtliche Zualssungen für einen angepassten Impfstoff voraus und setzt deshalb den Jahresumsatz auch dementsprechend hoch bei $ 21 Milliarden an.

Mit diesem Hintergrundwissen sollten wir als Investierte noch positiver auf die nächsten Monate mit diesem Investment schauen. BioNTech wird die Analysten am Ende mal wieder alle positiv überraschen und alle aktuellen Prognosen übertreffen. Stay positive! 

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