LONDON/FRANKFURT (dpa-AFX) - In der Eurozone hat sich die Unternehmensstimmung im April erneut eingetrübt und Hoffnungen auf eine konjunkturelle Aufhellung einen Dämpfer versetzt. Der vom Forschungsinstitut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex fiel um 0,3 Punkte auf 51,3 Zähler. Es war der zweite Rückgang in Folge. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone, hellte sich die Stimmung im Industriesektor von niedrigem Niveau ausgehend etwas auf.

Das sagen Experten zu den PMI-Daten:

Christoph Weil, Analyst Commerzbank

"Die heutigen Daten bestärken uns in der Erwartung, dass die Wirtschaft im Euroraum auch im ersten Halbjahr nur wenig wachsen wird. Wir gehen aber weiterhin davon aus, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr 2019 wieder einen Gang hochschalten wird. So dürfte der Gegenwind von der Außenwirtschaft allmählich nachlassen. Schließlich deuten die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China auf eine Stabilisierung der dortigen Konjunktur hin."

Stefan Kipar, Analyst BayernLB

"Die Unsicherheitsfaktoren lasten weiterhin stark auf der Stimmung der Unternehmen und die Bestellungen aus dem Ausland sind weiter schwach. Einzig die Binnenwirtschaft entwickelt sich weiterhin auskömmlich. Die Stimmungsschwäche wird konjunkturell entscheidender, je länger sie sich hinzieht."

Andrew Kenningham, Chefvolkswirt Europa von Capital Economics

"Die enttäuschenden PMI-Daten für April zeigen, dass die Eurozone trotz stärkerer Kennzahlen aus der Industrie in den ersten Monaten des Jahres noch nicht über den Berg ist. Jüngste Industriedaten aus Deutschland weisen außerdem darauf hin, dass die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands zu Beginn des zweiten Quartals weiter andauert."

Ulrich Wortberg, Analyst Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)

"Zwar liegt der deutsche Industrie-PMI weiterhin im Kontraktionsbereich und er kann weniger stark zulegen als erhofft, dennoch sind Hoffnungen berechtigt, dass das Stimmungstief bereits durchschritten ist. (...) Konjunktursorgen dürften aufgrund der heutigen Zahlen aber kaum gedämpft werden."

Uwe Burkert, Chefvolkswirt Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

"Nach den ZEW-Konjunkturerwartungen am Dienstag bestätigen nun auch die Markit-Einkaufsmanagerindizes für Deutschland die Tendenz zu einer leichten Stimmungsverbesserung in der deutschen Wirtschaft. Es bleibt jedoch bei einer stark gespaltenen Entwicklung: Die Stimmung in der Industrie ist trotz leichter Verbesserung so trübe wie seit mehreren Jahren nicht, während die robuste Entwicklung im Dienstleistungssektor die deutsche Wirtschaft vor einem noch tieferen Abschwung oder gar einer Rezession bewahrt." /jkr/bgf/fba