Videospiele gehörten zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Während die Offline-Welt langsam wieder hochfährt, wollen Gaming-Konzerne weiterwachsen.

Sechs von zehn Deutschen spielen in der Freizeit Videospiele, darunter fast genauso viele Frauen wie Männer und ein wachsender Anteil älterer Menschen. Diese Zahlen meldete kürzlich der Verband der deutschen Games-Branche „game“ auf Basis von Daten der Marktforschungsunternehmen GfK.

Das Corona-Jahr 2020, in dem viele Menschen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbrachten, hat die Branche beflügelt. 8,5 Milliarden Euro setzte die Branche laut „game“ in Deutschland mit Videospielen und der dazugehörigen Hardware um – ein Plus von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Remco Westermann, CEO des Spielekonzerns Media and Games Invest, glaubt, dass während des Lockdowns viele Menschen in virtuelle Welten nach Unterhaltung gesucht haben. „Insbesondere werden Onlinespiele immer mehr als soziale Plattform genutzt, auf denen die Interaktion miteinander deutlich intensiver ist als auf den klassischen sozialen Plattformen wie Facebook und Co. Die Menschen integrieren Gaming mehr in ihr Leben und nehmen zum Beispiel an Konzerten wie dem von Travis Scott in Fortnite – das von 12 Millionen Menschen im Spiel besucht wurde – oder an anderen sozialen Events wie Hochzeiten oder Abschlussfeiern in den Spielen teil und nutzen sie so als soziale Plattform“, sagt Westermann im Gespräch mit wallstreet:online.

Besonders gut lief es für Online-Gaming-Dienste – Videospiele, bei denen die Nutzer virtuell mit Mitspielern aus der ganzen Welt spielen können. Das Segment wuchs von 292 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2019 auf 439 Millionen Euro im Jahr 2020. Der Branchen-ETF VanEck Vectors Video Gaming and eSports legte in den vergangenen zwölf Monaten um fast 70 Prozent zu.

Auch die Aktie von Media and Games Invest hat eine starke Entwicklung hinter sich. Der Wert wurde kürzlich vom MSCI Germany Micro Cap in den MSCI Small Cap Index befördert. Der Kurs hat sich seit Ausbruch der Pandemie fast vervierfacht. „Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie in Q2 2020 haben wir viele zusätzliche Spieler gewonnen, von denen die meisten auch langfristig unseren Spielen treu bleiben, eben aufgrund des besonderen Charakters unserer Spiele“, so Remco Westermann.

Die MGI spezialisiert sich auf sogenannte Massive-Multiplayer-Spiele, bei dem online sehr viele User gleichzeitig gegeneinander spielen können. Viele Kunden bleiben den Spielen über fünf Jahre treu, erklärt Westermann. Deshalb will man auch nach dem nahenden Ende der Pandemie weiterwachsen. „Im ersten Quartal 2021 hatten wir ein organisches Wachstum von 38 Prozent gegenüber Q1 2020. Wir planen auch weitere Übernahmen und haben eine gut gefüllte Pipeline mit Übernahmezielen.“

Mehr als 30 Übernahmen hat MGI in den letzten Jahren gestemmt. Aktuell macht das Unternehmen gut 60 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika. „Unsere jüngst erworbene Gesellschaft KingsIsle ist in den USA sehr erfolgreich unterwegs, während die Spiele in Europa weniger bekannt sind. Hier besteht also weiteres Vermarktungspotenzial, um zusätzliche Ergebnisbeiträge auf dem europäischen Markt zu generieren“, sagt Westermann.

Trotz der Kursvervielfachung der letzten Monate sehen Analysten noch Luft nach oben bei MGI. Warburg Research stuft die Aktie mit Kaufen ein und setzt das Kursziel bei 6,10 Euro.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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