Überraschung in Hannover: Der langjährige TUI-CEO Fritz Joussen tritt ab. Die Aktie reagiert mit einem Kursrutsch auf die Nachricht. Ein Blick in die aktuellen Analysteneinschätzungen.

Während die Urlaubsstimmung nach zwei langen Pandemiejahren langsam zurückkehrt, bahnt sich beim weltgrößten Tourismuskonzern ein großer Umbruch an der Unternehmensspitze an. Der langjährige CEO Fritz Joussen wird sein Amt vorzeitig zum 30. September niederlegen, teilte das Unternehmen überraschend am Freitag in Hannover mit. Der Aufsichtsrat schlägt den bisherigen Finanzvorstand Sebastian Ebel als Nachfolger vor.

Joussen hatte den Konzern seit 2013 gelenkt. Sein Vertrag lief eigentlich noch bis 2025. Vor allem die vergangenen zwei Pandemie-Jahre hatten Tui stark getroffen und die Aktie auf Tiefststände fallen lassen. Im Zuge der Krise war auch der Staat mit einer stillen Einlage bei dem Unternehmen eingestiegen. Erst letzten Monat hatte das Unternehmen angekündigt, frische Aktien auszugeben um mit dem eingenommenen Kapital Staatshilfen zurückzuzahlen.

Erst Anfang der Woche hatte das das Analysehaus Jefferies seine Einstufung für Tui auf "Underperform" mit einem Kursziel von 2,10 Euro belassen. Es dürfte für die europäische Reisebranche ein guter Sommer werden, schrieb Analystin Rebecca Lane. Störungen an Flughäfen änderten wenig an einer guten Nachfrage der Reisewilligen. Mit Blick über den Sommer hinaus gebe es aber Unwägbarkeiten und es drohten zudem regulatorische Eingriffe.

Auch die Analysten von HSBC sind vorsichtig in ihrer Beurteilung der Tui-Aktie. "Unsere vorsichtige Einschätzung für TUI bleibt trotz der starken Trading-Dynamik unverändert, da es potenziell Gegenwind durch Treibstoffkosten (30-35 Prozent der Sommerbuchungen sind abgesichert) und Inflation gibt, die die Nachfrage schwächen könnten – auch wenn wir dies in den aktuellen Buchungstrends nicht beobachten können", schreibt Analyst Ali Naqvi.

"Wir sind der Meinung, dass TUI ein starker Reiseveranstalter ist und von dem Abbau von Kapazitäten durch andere Marktteilnehmer profitieren wird. Jüngste Aussagen des Managements legen nahe, dass der Vorteil durch den Exit von Thomas Cook (20 Prozent Marktanteil) bereits zu spüren ist." 

Das Kursziel streicht der HSBC-Analyst von 2,40 Euro auf 1,80 Euro zusammen und rät weiter zum Halten. Nach der Nachricht des CEO-Abschieds notiert die TUI-Aktie am Freitagmittag mehr als 3,5 Prozent im Minus bei 1,72 Euro.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion


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