Über giftige Zwerge und lange Schatten

Stunde der Wahrheit

Betrachtet man die mehrjährigen Wahlzyklen, dann gilt das Jahr vor einer großen Wahl unter normalen Umständen eigentlich als recht positiv. Denn da wird den Wählern nicht nur das Blaue vom Himmel versprochen, auch das meist negative Kleingedruckte der nächsten Legislaturperiode wird nicht gerade an die große Glocke gehängt. Insgesamt wird so eine Stimmung erzeugt, die zumindest oberflächlich positiv erscheint. Alte Hasen riechen allerdings den Braten bereiten sich schon auf die Zeit nach der Wahl vor. Denn dann kommt regelmäßig die Stunde der Wahrheit: „Völlig überraschend“ wird man Haushaltslöcher entdecken und statt von einer Entlastung der Bürger wird von neuen Belastungen die Rede sein, die natürlich gerecht – also entsprechend dem, was die jeweilige Regierung darunter versteht – auf die Menschen verteilt werden müssen. Erwarten Sie also bitte nicht, dass Aussagen aus Unterhaltungsformaten wie „Triell“ oder „Vierkampf“ etwas mit der Lebenswirklichkeit nach dem 26. September zu tun haben werden.

Traurige Auswahl

Allerdings gibt es diesmal auch zwei Entwicklungen, die man aus früheren Wahlkämpfen so nicht kannte. Auffällig, aber mehr als verständlich ist, dass die drei Kanzlerkandidaten in jeder Umfrage haushoch gegen den parteilosen „Keiner davon“ verlieren, der freilich nicht gewählt werden kann. Man mag sich nicht vorstellen, dass in Kürze eine bzw. einer der drei Kandidaten ernsthaft das Land regieren wird. Wesentlich bedeutsamer als ein schwaches Kandidatentrio ist aber der Umstand, dass praktisch keine der möglichen Regierungsparteien glaubwürdige und tragfähige Konzepte für die dringend nötige Stärkung der individuellen Freiheits- und Abwehrrechte der Bürger gegenüber dem Staat vorzuweisen hat. Der Einsatz für einen ordnungspolitischen Rahmen, der es dem Individuum wieder erlaubt, Schmied des eigenen Glückes zu sein und sich seinen ganz persönlichen Traum von Freiheit und Wohlstand zu erfüllen ist allenfalls ein Lippenbekenntnis.

 

Dreimal Kollektivismus

Stattdessen dominieren quer durch all diese Parteien weiter Themen wie Corona und Klima. Schlimmer noch, dabei wird fast nur noch das Kollektiv adressiert, von dem eine gemeinsame Kraftanstrengung eingefordert wird, und zwar – das kennt man so nur aus Kriegszeiten – bereits vor (!) der Wahl. Zudem sind die Ziele, falls überhaupt ausformuliert, so schwammig, dass die Politik praktischerweise stets den eigenen Erfolg feiern und dennoch gleichzeitig mehr Einsatz von den Menschen fordern kann. Das ist ein bisschen wie beim Aufbau des Sozialismus, der zwar auch stets auf der Zielgeraden war, bei dem der anhaltende Endspurt aber immer noch mehr Einsatz erforderte – bis zum Untergang. Dagegen waren klassische bürgerliche Erfolgs- und Wohlstandsindikatoren wie etwa die Anzahl der Menschen, die sich ein eigenes Haus oder ein eigenes Auto leisten konnten, sehr leicht und auch sehr objektiv zu messen. Genau diese werden nun – wiederum praktischerweise – relativiert, wenn nicht gleich vollkommen negiert. Denn dem neuen Kollektivismus sind das Individuum und das Individuelle nicht nur fremd, er hat auch keine Ahnung, wie man messbare Erfolge generiert. Hinter gefälligen Vokabeln wie „Wir“ und „Gemeinsam“ stehen, ins Konkrete übersetzt, mehr Vorschriften, mehr politische Lenkung und mehr Steuern – oder kurz: Mehr Staat. Wie im Gegensatz dazu eine Gesellschaft aussehen kann, die ein „Lebendiges Leben“ ermöglicht, darüber sprachen wir im aktuellen Smart Investor 9/2021 mit dem Buchautor Dr. Andreas Tiedtke (ab S. 22). Die Erkenntnisse der sogenannten Praxeologie finden sich so allerdings in keinem Wahlprogramm.

Zu den Märkten

Am deutschen Aktienmarkt sind wir also noch knapp zwei Wochen in mehr oder weniger erwartungsvoller Spannung, in welcher konkreten Ausprägung das alternativlose „Weiter so!“ nach der Wahl fortgeführt werden wird. Wenn wir in der letzten Ausgabe von den negativen Implikationen der Keilformation gesprochen haben, dann gibt es heute zumindest auch leicht positive Aspekte zu vermelden: Zwar ist der DAX bereits zur Eröffnung des letzten Donnerstags deutlich unter diesen Keil ausgebrochen, konnte das verlorene Terrain jedoch noch innerhalb dieser Sitzung wieder nahezu vollständig zurückerobern (vgl. Abb. 1, grüne Markierung). Seitdem schleicht sich der DAX mehr oder weniger an der unteren Begrenzung des bearishen Keils entlang. Wir bewerten das als eine anhaltende Unentschlossenheit, die sich zwar grundsätzlich in beide Richtungen auflösen kann, allerdings bereits mit dem heutigen Tag per Redaktionsschluss dieser Ausgabe einen leichten Zug nach unten aufweist. Das wäre nicht nur mit der Aussage der Keilformation kompatibel, sondern würde auch zu dem Umstand passen, dass das Abwärts-Gap vom 8.9. (vgl. blaues Rechteck) bislang nicht geschlossen werden konnte. Nach einem fulminanten Start ist die Aufholjagd hier buchstäblich auf halbem Weg verhungert. Je weiter sich der Markt nach oben vorkämpfte, desto dünner ist dort derzeit die Luft. Sollte die Schließung des Gaps auch weiter nicht gelingen, könnte sich dieses letztlich sogar als erstes Breakaway-Gap auf der Short-Seite erweisen, was dann klar negativ wäre. Eine kleine Unterstützung sollte der Markt im Falle dieses Negativszenarios aber bei ca. 15.220 Punkten finden, die hier durch einen Kanal (vgl. hellrote Linien) angedeutet wird. Die untere Begrenzungslinie dieses Kanals hat allerdings auch das Potenzial zur Nackenlinie einer Top-Formation zu werden. Kurzfristig sind im DAX also weiter erhebliche technische Risiken angelegt.

Schwächelnder Riese

In der letzten Ausgabe hatten wir zudem auf die stark differierende Entwicklung der Einzeltitel im DAX hingewiesen, die dem Index selbst so nicht anzusehen ist. Zur Schwäche neigt beispielsweise derzeit die Allianz, die auch zu jenen Titeln gehört, die die Vor-Corona-Hochs bislang noch nicht wieder erreichen konnten. Am 2.8. sackte die Aktie sogar um fast 8% ab und erzeugte dabei ein Abwärts-Gap, das bislang ebenfalls noch nicht wieder geschlossen werden konnte (vgl. Abb. 2, blaues Rechteck). Gepaart mit der Relativen Schwäche des Papiers ist es gut möglich, dass wir mit den Hochs im Sommer hier sogar einen längerfristigen Gipfelpunkt gesehen haben.

Technische Risiken finden sich derzeit auch im S&P 500, über die die wir im aktuellen Smart Investor 9/2021 auf S. 43 unter dem Titel „Zuspitzung“ berichtet haben. Denn einer der bedeutendsten US-Aktienindizes befindet sich nicht nur in einer ebenfalls bearishen Keilformation, er verläuft auch noch entlang der oberen Begrenzung seines mehrjährigen Aufwärtstrends. Wenn sich derartige Kumulationen von möglichen Signalen entladen, kann es zu heftigen Anlegerreaktionen kommen. Aus unserer Sicht bleibt es jedenfalls eine rationale Vorgehensweise, die Gewichte etwas zu Gunsten der Edelmetallanlagen zu verschieben, zumal sich in den letzten Tagen gezeigt hat, wie leicht der vergleichsweise kleine, aber auch hochspekulative Markt der Gold- und insbesondere Silberaktien in Bewegung kommen kann.

Messen und (Zeit-)Messer:

Am 4./5.10. veranstaltet das Kontor Stöwer seinen traditionellen Fondskongress Trier. Das Vorabend-Event wendet sich ausschließlich an unabhängige Vermögensverwalter, der Haupttag am 5.10. dagegen an alle Investoren. Nähere Informationen, auch zum Livestream, finden Sie auf der Webseite des Fondskongress Trier und in der Anzeige auf S. 39 im Smart Investor 9/2021.

Am 23.10. findet die World of Value Investmentkonferenz im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt am Main in echter Starbesetzung statt: Dort können sie neben Dr. Markus Krall auch Prof. Dr. Christian Rieck und Marc Friedrich live oder im Digitalstream erleben. Nähere Informationen zu den Tickets gibt es auch hier auf der Website des Veranstalters oder im Smart Investor 9/2021 auf Seite 41.

Auch bei der diesjährigen Watchtime ist Smart Investor Medienpartner. Die Messe findet vom 29. bis 31. Oktober in der Rheinterrasse Düsseldorf statt und hat wiederum einiges für die Liebhaber hochwertiger Uhren zu bieten. Und es lohnt sich, schnell zu sein. Denn die ersten 25 Leser können sich mit dem Code „WTD21SmartInvestor“ ein kostenloses Tagesticket sichern, auf der Website der Watchtime Düsseldorf oder über den Shop von Eventbrite.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

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Fazit

Die Vorwahlzeit konnte den DAX noch immer nicht beflügeln. Offenbar spüren die Börsianer, dass die Auswahl alles andere als berauschend ist und die Politik nach der Wahl wieder zu den Grausamkeiten greifen wird, besonders gegenüber Anlegern.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

 

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.


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