NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben am Tag der Sitzung des Ölverbunds Opec+ ihre deutlichen Aufschläge vom Vortag verteidigt. Am Donnerstagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,38 US-Dollar. Das waren 21 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1 Cent auf 107,81 Dollar.

Am Vortag hatten die Ölpreise deutlich zugelegt. Auslöser war die Aussicht auf ein EU-Embargo auf russisches Rohöl. Die EU-Kommission schlägt vor, den Bezug russischen Erdöls als Sanktion wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine innerhalb eines halben Jahres auslaufen zu lassen. Die EU-Länder müssen dem Vorschlag aber noch einstimmig zustimmen, was noch nicht sicher ist.

Commerzbank-Experte Carsten Fritsch verweist auf einen Aspekt des möglichen neuen EU-Sanktionspakets: "Demnach soll es in Europa ansässigen Unternehmen künftig verboten werden, Öllieferungen aus Russland über den Seeweg zu transportieren und diese zu versichern." Davon wären alle Öllieferungen betroffen und nicht nur die nach Europa. "Diese Sanktion hätte somit weitreichendere Folgen für den Ölmarkt als das sich abzeichnende EU-Ölembargo", schreibt Fritsch. Der Großteil der Versicherungen im Schiffsverkehr unterliege europäischem Recht.

In diesem Umfeld berät die Opec+ über ihre Förderstrategie. Es wird erwartet, dass der von Saudi-Arabien und Russland angeführte Verbund seinen Kurs moderater Produktionssteigerungen fortsetzt. Bislang sind trotz des Ukraine-Kriegs keine größeren Konflikte innerhalb der Opec+ festzustellen./jsl/la/eas