NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben am Mittwoch ihre Kursverluste ausgeweitet. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 81,27 US-Dollar. Das waren 1,16 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,46 Dollar auf 79,30 Dollar.

Spekulationen über die Freigabe von nationalen Rohölreserven großer Länder belasteten die Ölpreise. Laut chinesischen Medienberichten haben die politischen Führer der USA und China, Joe Biden und Xi Jinping, in dieser Woche über ein beiderseitiges Vorgehen gesprochen. Die Initiative sei von den USA ausgegangen. Auch Japan hatte zuletzt auf ein höheres Ölangebot gepocht.

Die Erwartungen, dass die US-Regierung ihre Reserven frei gibt, wurden im europäischen Nachmittagshandel verstärkt. In den USA sind die Rohöllagerbestände in der vergangenen Woche gefallen. Dies erhöht laut Händlern die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Regierung ihre Reserven frei gibt. Daher seien die Ölpreise nach den Daten noch weiter unter Druck geraten.

Im Oktober waren die Erdölpreise auf mehrjährige Höchststände gestiegen, seither haben sie jedoch etwas nachgegeben. Ausschlaggebend für den Preisanstieg ist die globale Konjunkturerholung vom Corona-Einbruch und das zugleich begrenzte Angebot an Rohöl. Der mächtige Ölverbund Opec+ hebt seine Förderung seit Sommer zwar an, allerdings nur schrittweise und in moderatem Tempo.

Die Rohstoffanalysten der Commerzbank verweisen unterdessen auf die Möglichkeit eines deutlichen Angebotsüberschusses im kommenden Jahr. Darauf deuteten neue Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA hin. "Die Opec hätte somit überhaupt keinen Spielraum mehr, die Ölproduktion vom aktuellen Niveau weiter zu erhöhen", erklärte Experte Carsten Fritsch. Die IEA stützt ihre Vorhersage auf eine nur langsam wachsende Nachfrage bei zugleich steigendem Ölangebot aus den USA./jsl/he