WIEN (dpa-AFX) - Die angespannte Lage auf Österreichs Intensivstationen hat sich nach mehreren Wochen strenger Corona-Maßnahmen stabilisiert. Die im November drohende "absolute Katastrophe" einer kompletten Überlastung und Triage sei verhindert worden, Entlastung herrsche aber nicht, sagte der Verbandspräsident von Österreichs Intensivmedizinern, Klaus Markstaller, am Donnerstag in Wien. Triage wird die ärztliche Notfall-Entscheidung genannt, welche Patienten intensivmedizinisch behandelt werden können - und welche nicht.

Von den 800 bis 850 Intensivbetten, die in Österreich maximal für Patienten mit Covid-19 zur Verfügung stehen, waren am Donnerstag 585 belegt. "Die Zahlen auf den Intensivstationen nehmen langsam ab, allerdings sind jetzt hauptsächlich die schwersten Fälle dieser zweiten Welle auf der Intensivstation", sagte Markstaller. Die Corona-Intensivpatienten im Universitätsklinikum AKH Wien seien im Durchschnitt 55 Jahre alt, darunter auch junge Berufstätige ohne wesentliche Vorerkrankungen, die mitten im Leben gestanden hätten.

Die Infektionszahlen in Österreich sind nach einem Teil-Lockdown mit unter anderem geschlossener Gastronomie und Kultur ab Anfang November und einem dreiwöchigen kompletten Lockdown mit geschlossenem Handel und Schulen sowie Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr gesunken. Am 3. November habe jeder Corona-Infizierte im Schnitt 1,44 andere Menschen angesteckt, jetzt liege dieser Reproduktionswert zwischen 0,81 und 0,84, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Ziel sei, unter 0,9 zu bleiben und die Zahl von Corona-Intensivpatienten unter 300 zu senken.

"Es besteht jederzeit das Risiko, dass diese Zahlen wieder explodieren können", sagte Anschober. Binnen 24 Stunden zählte Österreich 2686 Neuinfektionen und 107 neue Todesfälle. Die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen lag nach Angaben des Ministers bei 229, weniger als der Hälfte als zu Beginn des Lockdowns - aber noch deutlich mehr als etwa in Deutschland./cpe/DP/eas