FRANKFURT (dpa-AFX) - Österreichs neuer Notenbankchef Robert Holzmann hegt starke Zweifel am Lockerungspaket der Europäischen Zentralbank (EZB). Gefragt danach, ob die am Vortag beschlossene neue Lockerungsrunde ein Fehler gewesen sein könnte, sagte Holzmann der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Diese Idee ist einigen Leuten in den Sinn gekommen. Sie kam mir definitiv in den Sinn."

Mit "einigen Leuten" dürfte sich Holzmann auf seine Kollegen im geldpolitischen Rat der EZB bezogen haben. Von diesen hatten nach Medienberichten mehrere erheblichen Widerstand gegen die neuen geldpolitischen Initiativen geleistet. So sollen sich neben Holzmann die Notenbankchefs Deutschlands, Frankreichs, der Niederlande und Estlands gegen neue Käufe von Anleihen ausgesprochen haben. Zudem sollen die EZB-Direktoren aus Deutschland, Sabine Lautenschläger, und aus Frankreich, Benoit Coeure, dagegen gewesen sein.

Holzmann drückte zugleich seine Hoffnung auf geldpolitische Änderungen in der Zukunft aus. "Ich hoffe, wir sind nicht festgelegt. Ich hoffe, es gibt Spielraum, über den wir in Zukunft diskutieren." So sei es etwa an der Zeit, dass sich die EZB von ihren Negativzinsen verabschiede. Einige EZB-Räte seien schon jetzt der Meinung gewesen, dass ein noch niedrigerer Einlagenzins der falsche Weg sei. "Es ist nicht nachhaltig." Die EZB hatte den auch als Strafzins bezeichneten Einlagensatz am Donnerstag von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt.

Im November tritt die Französin Christine Lagarde die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi an. Vor dem Europäischen Parlament hat sie bereits klargestellt, ebenfalls eine lockere Geldpolitik zu befürworten. Allerdings hat Lagarde auch betont, die negativen Nebeneffekte müssten berücksichtigt werden. Dazu gehört etwa die wirtschaftliche Belastung der Geschäftsbanken durch die Negativzinsen der EZB. Durch einen Staffelzins, der ebenfalls am Donnerstag verkündet wurde, soll diese Belastung reduziert werden./bgf/jsl/jha/