BERLIN (dpa-AFX) - Deutschland unterstützt einem Medienbericht zufolge nach anfänglicher Skepsis nun doch das Ziel einer klimaneutralen EU bis 2050. Das geht nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" aus der Rückäußerung Deutschlands vor dem anstehenden EU-Gipfel hervor. Darin mache sich auch der Bund das Zieljahr 2050 zu eigen.

Klimaneutralität bedeutet nicht, dass gar keine Treibhausgase mehr ausgestoßen werden dürfen, sondern dass man den Ausstoß ausgleichen muss, etwa durch Aufforstung oder Speicherung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt zurückhaltend zu dem auch von der EU-Kommission verfolgten Ziel einer Klimaneutralität bis 2050 geäußert. Nur wenn das Klimakabinett der Bundesregierung eine "vernünftige Antwort" dafür finde, könne Deutschland sich der Initiative unter Führung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron anschließen, hatte sie im Mai gesagt.

Dass der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag sich auf diese Linie verständigt, gilt wegen des Widerstands in einigen mittel- und osteuropäischen Mitgliedstaaten als unwahrscheinlich. Nach einem Entwurf für die Gipfelerklärung ist eine Entscheidung über die langfristige Klima-Strategie erst für Anfang 2020 vorgesehen.

Deutschland soll Stand jetzt bis 2050 den Treibhausgas-Ausstoß um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Im Klimaschutzplan von 2016 der vorigen großen Koalition aus Union und SPD ist vom "Leitbild einer weitgehenden Treibhausgasneutralität bis 2050" die Rede.

Das wichtigste Treibhausgas Kohlendioxid entsteht vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre liegt inzwischen mehr als 45 Prozent höher als in vorindustrieller Zeit, also vor 1750. Seitdem ist die Durchschnittstemperatur weltweit um rund ein Grad gestiegen./toz/DP/fba