In den meisten Fällen bilden Dividendenaktien die Grundlage für ein erfolgreiches, langfristiges Anlageportfolio. Sie tendieren auch dazu, Aktien ohne Dividenden im Laufe der Zeit deutlich zu übertreffen.

Aber abgesehen von der schieren Outperformance bringen Dividendenwerte drei Vorteile mit sich, die die Anleger zu schätzen wissen. Erstens haben Dividendenwerte in der Regel bewährte Geschäftsmodelle und relativ klare langfristige Aussichten – sonst würden sie nicht einen Prozentsatz ihrer Gewinne mit den Aktionären teilen. Zweitens dienen Dividendenausschüttungen dazu, sich teilweise gegen die unvermeidlichen „Turbulenzen“ am Aktienmarkt abzusichern. Schließlich können Dividenden wieder in mehr Aktien investiert werden, die Dividenden auszahlen, was deine Fähigkeit, Vermögen aufzubauen, erhöht.

Das große Dividenden-Rätsel

Aber auch die Dividende bietet den Anlegern ein ziemliches Rätsel: Wir wollen die höchstmögliche Rendite, aber auch eine nachhaltige Auszahlung über einen langen Zeitraum. Je höher die Rendite, desto schwieriger könnte es sein, dieses Niveau zu halten. Denk daran, dass die Dividendenrendite von der Gesamtausschüttung und dem Aktienkurses abhängt. Wenn zum Beispiel das zugrunde liegende Geschäftsmodell eines Unternehmens in Schwierigkeiten gerät und der Aktienkurs um 50 % sinkt, verdoppelt sich die Dividendenrendite, was für ahnungslose Anleger gefährlich werden könnte.

Dieser Kampf zwischen unserem guten Urteilsvermögen und unserem Wunsch nach der höchstmöglichen Rendite wird oft am heftigsten bei Dividendenwerten mit zweistelligen Renditen geführt. Derzeit werden jährlich rund 100 börsennotierte Aktien mit einer Ausschüttung von mehr als 10 % gehandelt, wobei diese Zahl auch einmalige Sonderdividenden des vergangenen Jahres enthalten kann.

Sind diese Dividenden nachhaltig?

Drei renditestarke Aktien aus dieser Gruppe von rund 100 börsennotierten Unternehmen sind mir aufgefallen: Alliance Resource Partners (WKN:925301), Annaly Capital Management (WKN: 909823) und GameStop (WKN:A0HGDX). Die große Frage ist: Sind ihre Dividendenrenditen von 11% auch nachhaltig?

Schauen wir uns das genauer an.

Alliance Resource Partner: 11,9 % Rendite

Bevor du die Flucht ergreifst, lass mich eins klarstellen: Ja, Alliance Resource Partners ist ein Kohleproduzent. Und ja, die Kohleproduzenten sind im Moment nicht gerade erfolgreich. Aber Alliance Resource ist nicht so wie seine Kollegen.

Der erste Unterschied zeigt sich in der Bilanz des Unternehmens. Die letzten Quartalsergebnisse des Unternehmens, die am Montag veröffentlicht wurden, zeigten 28,8 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln und eine anschließende Reduzierung der langfristigen Verbindlichkeiten um 29,2 Millionen US-Dollar. Während die meisten Konkurrenten des Unternehmens rund 1 Milliarde US-Dollar oder mehr an langfristigen Verbindlichkeiten mitschleppen, liegt Alliance Resource Partners weit unter diesem Betrag, was dem Unternehmen die finanzielle Flexibilität gibt, Geschäfte abzuschließen und die Produktion der  Nachfrage anzupassen. Viele Konkurrenten haben diesen Luxus einfach nicht.

Alliance Resource Partners hat auch bemerkenswert gute Arbeit geleistet, seine Abhängigkeit von den Großhandelspreisen für Kohle zu minimieren, indem das Unternehmen sich den Nachschub weit im Voraus gesichert hat. CEO Joseph Craft III, „Im Laufe des Quartals hat ARLP vertraglich vereinbart, in den Jahren 2018 bis 2022 bis zu 19,7 Millionen Tonnen zu liefern, darunter zusätzliche 4,8 Millionen Tonnen, die in diesem Jahr geliefert werden“. Diese zusätzliche Auslastung im Jahr 2018 führte sogar dazu, dass das Unternehmen seine Produktionsprognose für das Gesamtjahr auf eine neue Fördermenge von 40 Millionen bis 41 Millionen Tonnen Kohle erhöhte, was einem Wachstum von 8 % gegenüber dem Vorjahr  entspricht. Für 2019 sind mehr als 17 Millionen Tonnen eingeplant, für 2020 fast 12 Millionen.

Obwohl die Kohle mit Sicherheit auf Widerstand stoßen wird, macht sie immer noch rund 30 % der gesamten Stromproduktion in den USA aus, was bedeutet, dass sie nicht so schnell verschwindet. Zusätzlich hat Alliance Resource die Möglichkeit, seine thermische und metallurgische Kohle in Schwellenländer mit steigendem Energiebedarf zu exportieren.

Das abschließende Urteil: Ich nenne diese Dividende solide und nachhaltig.

Annaly Capital Management: 11,6 % Rendite

Eine weitere renditestarke Aktie, die die Anleger seit Jahren begeistert, ist Annaly Capital Management. Auf 12-Monats-Basis liegt die Rendite von Annaly seit 2009 zwischen 9 % und 16 %. Entscheidend ist aber, ob diese hohe Ausschüttungsquote nachhaltig bleibt oder nicht.

Annaly gehört zu einer Gruppe von renditestarken Unternehmen im Bereich der Hypotheken-Immobilienfonds (REITs), auch bekannt als mortgage REITs. Mortgage REITs verdienen ihr Geld, indem sie Schulden und Zinsen zu ihrem Vorteil nutzen. Ein Unternehmen wie Annaly kauft Schuldverschreibungen (z.B. hypothekarisch gesicherte Wertpapiere) und kassiert Zinsen für diese Schuldverschreibungen. In der Zwischenzeit leiht sich das Unternehmen Geld zu einem kurzfristigen Zinssatz, was es ermöglicht, mehr Schuldtitel zu erwerben. Die Differenz zwischen dem Kreditzins und dem erhaltenen Zins wird als Nettozinsspanne bezeichnet. Je größer, desto profitabler ist das Unternehmen.

Das Unternehmen investiert in erster Linie in hypothekarisch gesicherte Wertpapiere, die im Falle eines Ausfalls von der Regierung geschützt werden. Wenn die Zinsen sinken, sinken auch die kurzfristigen Fremdkapitalkosten, so dass die Nettozinsmarge steigt. Aber wenn die Zinsen steigen, steigen die kurzfristigen Fremdkapitalkosten, was den Spread unter Druck setzt. Im Jahr 2017 sank die Nettozinsmarge von 2,49 % Ende 2016 auf 1,47 %.

In gewissem Umfang hängt die Nettozinsmarge auch von der Fähigkeit von Annaly ab, Schulden und Portfolio an ein sich veränderndes Zinsumfeld anzupassen. Je langsamer und berechenbarer diese Zinsänderungen sind, desto besser kann sich Annaly darauf einstellen. Umgekehrt kann sich ein rapide steigendes Zinsumfeld als verheerend für die Margen erweisen.

Das endgültige Urteil: Ich glaube nicht, dass Annalys jährliche Auszahlung von 1,20 US-Dollar pro Aktie (0,30 US-Dollar pro Quartal) angesichts des steigenden Zinsniveaus, in dem wir uns derzeit befinden, nachhaltig ist. Andererseits ist kein Management besser mit der Verwaltung von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren vertraut als das von Annaly. Ich würde erwarten, dass diese Dividendenrendite hoch bleibt, aber eine nachhaltige Rendite von 11 % ist wahrscheinlich nicht in Sicht.

GameStop: 11 % Rendite

Der Spiele- und Zubehörgigant GameStop ist ein weiterer ertragsstarker Titel, der die Blicke auf sich ziehen wird. Derzeit liegt die Rendite bei 11 % (1,52 US-Dollar pro Aktie pro Jahr), was einer Ausschüttungsquote von weniger als 50 % entspricht, basierend auf dem für das laufende Geschäftsjahr erwarteten Dividendenertrag von 3,10 US-Dollar.

An der Oberfläche sieht es wahrscheinlich so aus, als ob diese Dividende sicher wäre, aber GameStop ist das zuvor beschriebene, stereotype Geschäftsmodell, das ahnungslose Investoren anlocken kann.

Das Problem dabei ist, dass GameStop in erster Linie auf sein altes Geschäftsmodell angewiesen ist, physische Spiele und Zubehör in seinen Läden zu verkaufen. Allerdings ist die Gaming-Community seit Jahren dabei, auf digitales Gaming umzusteigen, das physische Läden komplett umgehen kann. In Wirklichkeit verliert GameStop seine Nische als Vermittler der Spieleindustrie.

Das soll nicht heißen, dass GameStop nicht darauf ausgerichtet ist, seinen digitalen Umsatz zu steigern, der 2017 um fast 14 % auf 189,2 Millionen US-Dollar stieg. Es ist darauf hinzuweisen, dass diese 189,2 Millionen US-Dollar im Vergleich zu den 3,5 Milliarden US-Dollar Gesamtjahresumsatz im Jahr 2017 ziemlich mickrig sind. GameStop ist im Wesentlichen auf Partnerschaften, mobile Geräte und neue Konsolen angewiesen, um sein Geschäft voranzutreiben. Doch auch damit waren die Verkaufszahlen sehr gering, und das Segment der Gebrauchtwarenverkäufe, das in der Regel die höchsten Margen erzielt, schrumpfte 2017 um 4,6 %.

Vor kurzem hat der CEO von GameStop eine Fünf-Punkte-Strategie entwickelt, um das Schiff sozusagen wieder auf Kurs zu bringen. Diese Strategie konzentriert sich vor allem auf den Ausbau der Präsenz bei Hardcore-Gamern und Gelegenheitskunden, die Reduzierung der Kosten und der Expansion der physischen Geschäfte sowie die Verbesserung des durchschnittlichen Transaktionswertes. Natürlich klingen diese Ideen auf dem Papier großartig, aber da sich die Industrie ständig weiter von physischer Hardware entfernt, wird GameStop es mit jedem Jahr schwieriger haben.

Das endgültige Urteil: Während die Dividende von GameStop für einige Jahre sicher sein könnte, können die sich abschwächenden Umsätze und der sinkende Gewinn pro Aktie, selbst bei Kosteneinsparungen, nicht ignoriert werden. Auf lange Sicht glaube ich, dass GameStop keine andere Wahl hat, als seine jährliche Auszahlung zu reduzieren.

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The Motley Fool besitzt Aktien von GameStop und hat die folgenden Optionen: Short Juli 2018 $14 Calls auf GameStop.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 03.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.