Walt Disney (WKN:855686) gab kürzlich bekannt, dass es im vergangenen Jahr 580 Millionen US-Dollar an Investitionen verloren hat, vor allem aufgrund seiner 30%igen Beteiligung an Hulu – die nach der Übernahme der Vermögenswerte von Fox auf 60 % steigen wird. Weitere 469 Millionen US-Dollar verlor Disney im Bereich Direct-to-Consumer, was hauptsächlich auf die Investition in BAMTech zurückzuführen ist, welches die Streaming-Plattform von Disney, ESPN+ und andere Dienste betreibt.

Das bedeutet, dass die noch jungen Streaming-Bemühungen das House of Mouse bereits über eine Milliarde US-Dollar gekostet haben – und Disney+ ist immer noch nicht gestartet, die Streaming-Plattform, die seine Inhouse-, Pixar-, Marvel- und Star-Wars-Inhalte zu einem niedrigeren Preis als Netflix (WKN:552484) noch in diesem Jahr anbieten wird. Aber als langfristiger Disney-Investor bin ich aus vier einfachen Gründen nicht besorgt über diesen Verlust von einer Milliarde US-Dollar.

1. Eine Milliarde US-Dollar ist kein großer Verlust für Disney

Der Umsatz von Disney stieg im Geschäftsjahr 2018 um 8 % auf 59,4 Milliarden US-Dollar, und der Reingewinn stieg um 40 % auf 12,6 Milliarden US-Dollar. Grund dafür war das zweistellige Wachstum des operativen Ergebnisses in den Geschäftsbereichen Studio Entertainment und Parks & Resorts, die zusammen fast die Hälfte des operativen Ergebnisses erwirtschafteten.

Die Investitionen von Disney in Hulu und BAMTech wurden in das Media-Networks-Geschäft eingeordnet, das 2018 42 % des Betriebsergebnisses von Disney erwirtschaftete. Das Betriebsergebnis der Sparte, einschließlich der kürzlich veröffentlichten Verluste, sank um 4 % auf 6,6 Milliarden US-Dollar.

Das bedeutet, dass andere Verbesserungen im Segment Media Networks (insbesondere im Broadcasting, das von höheren Programmverkäufen und Affiliate-Umsätzen profitierte) die Verluste aus Streaming-Investitionen und Rückgängen bei Kabelkunden teilweise ausgleichen konnten.

Das Wachstum der Geschäftsbereiche Studio Entertainment sowie Parks & Resorts konnte die Schwäche der Media Networks für das Gesamtjahr vollständig ausgleichen. Mit anderen Worten, ein Verlust von einer Milliarde US-Dollar klingt heftig, wurde aber durch das Wachstum der anderen Geschäftsbereiche von Disney spielend ausgeglichen.

2. Investition in Technologie statt in Inhalte

Einige Analysten werden auf den negativen freien Cashflow von Netflix in Höhe von 2,85 Milliarden US-Dollar in den letzten 12 Monaten hinweisen und behaupten, dass Disney auf dem gleichen Weg wandelt. Aber das ist ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen – Netflix muss sowohl in seine Technologie als auch in seine Inhalte investieren, während Disney wahrscheinlich viel weniger Geld für Inhalte ausgeben wird.

Im Gegensatz zu Netflix besitzt Disney bereits eine riesige Bibliothek von Fernsehsendungen und Filmen, und es ist nicht geplant, Inhalte von konkurrierenden Mediennetzwerken zu lizenzieren. Disney muss weiterhin Geld ausgeben, um seine Streaming-Technologie zu verbessern, um exklusive Inhalte für Disney+ zu produzieren und Sportübertragungslizenzen zu erneuern, aber diese Ausgaben werden wahrscheinlich im Vergleich zu den 19,3 Milliarden US-Dollar, die Netflix für Streaming-Inhalte ausgibt, geringfügig sein.

Ein Vergleich des Wachstums des freien Cashflows von Disney und Netflix in den letzten zehn Jahren zeigt deutlich, dass es sich das House of Mouse leicht leisten kann, seine Streaming-Plattformen als Verlustgeschäft zu nutzen, um Abonnenten von Netflix abzuwerben.

Disney, freier Cashflow letzte 12 Monate. Daten von YCharts.

3. Disney hat mehr Eisen im Feuer als Netflix

Solange Disneys Film- und Themenpark-Geschäft auf allen Zylindern läuft, sollten sich die Investoren daher keine Sorgen machen, dass das Unternehmen Verluste macht, um Netflix die Stirn zu bieten und sein digitales Ökosystem zu erweitern.

Disneys Filme erwirtschafteten im vergangenen Jahr dank erfolgreicher Filme wie Black Panther, The Incredibles 2 und Avengers: Infinity War über 7 Milliarden US-Dollar an globalen Einspielergebnissen (einschließlich 3 Milliarden US-Dollar an Inlandsumsätzen). Die Übernahme von Fox‘ Studios und neue Filme wie Captain Marvel, Avengers: Endgame, Toy Story 4, das Remake von The Lion King, Frozen 2 und Star Wars: Episode IX sollten helfen, dieses Jahr noch mehr Kasse zu machen.

Die bevorstehenden Eröffnungen von Star Wars: Galaxy Edge in Kalifornien und Florida sowie die jüngsten Preiserhöhungen sollten auch den Umsatz von Parks & Resorts in diesem Jahr deutlich steigern. Diese Wachstumsmotoren dürften die Streaming-Verluste von Disney sowie die Bedenken über die anhaltenden Verluste bei den Kabelkunden leicht ausgleichen.

4. Vielfältige Möglichkeiten

Schließlich scheinen viele Analysten alle Möglichkeiten zu ignorieren, wie Disney ESPN+ und Disney+ in seine anderen Dienste integrieren kann, um Netflix das Leben schwer zu machen.

Disney könnte ESPN+, Disney+ und Hulu zusammen mit Einzelmitgliedschaften bündeln, Disney+-Mitgliedern Themenpark-Rabatte oder andere Vergünstigungen anbieten und diese Abonnements mit seiner Marvel-Unlimited-Plattform für digitale Comics kombinieren. Netflix würde sich schwertun, das zu übertreffen.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen

Ich sage nicht, dass Disney mit seinen Streaming-Bemühungen einen Volltreffer erzielen wird. Netflix ist ein gewaltiger Konkurrent, und andere Wettbewerber sättigen den Markt. Jedoch ist ein jährlicher Verlust von einer Milliarde US-Dollar nicht überraschend, und Disney wird wahrscheinlich alle zukünftigen Verluste mit dem Wachstum seiner anderen Geschäfte ausgleichen – eine Möglichkeit, die Netflix eindeutig fehlt.

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Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 23.01.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt Aktien von Netflix und Walt Disney und empfiehlt diese.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Motley Fool beitragende Investmentanalysten