Als der Begriff 2014 auftauchte, so Dr. Peter Jakubowski, Abteilungsleiter im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), löste er durchaus Argwohn bei Stadtentwicklern aus: Man fürchtete Zentralisierung der städtischen Steuerungsmechanismen und den Ausverkauf der Städte an kalifornische Tech-Giganten. Die Smart City Charta, die das BBSR zusammen mit Bund, Ländern, Kommunen und Wissenschaft entwickelt hat, stellt daher gleich in der Präambel klar: "Smart Cities sind nachhaltiger und integrierter Stadtentwicklung verpflichtet".

Dem stimmt Friedrich Fuß, Chief Digital Officer (CDO) der Bundesstadt Bonn, vorbehaltlos zu: "Digitalisierung ist kein Selbstzweck, es kommt auf den Nutzen für den Bürger an."
Man müsse beispielsweise in der Verwaltung die bestehenden Prozesse erst einmal beschreiben und analysieren - und gegebenenfalls verändern, bevor man zur Digitalisierung schreitet, denn: "Wenn man Schrott digitalisiert, kommt auch Schrott raus."

Es komme darauf an, Lösungen zu entwickeln, die das Leben in unserer Stadt "schneller, wirtschaftlicher, effizienter, inklusiver und sozialer, mit einem Wort: besser machen", so Mirko Heid, Bereichsleiter Konzernstrategie der Stadtwerke Bonn.
Gabi Kotulla-Münster, Senior Experte Smart City der T-Systems International GmbH, fügt die Produktsicht hinzu: Die angebotene Leistung muss für den Kunden funktionieren, Voraussetzung dazu ist eine ausgebaute Infrastuktur und entsprechende Vernetzung.

Kotulla-Münster, in der Telekom Smart City Unit verantwortlich für das Themenfeld „Saubere Umwelt“, gibt Beispiele: Über entsprechende Sensorik könne man zum Beispiel den Verkehr in der Stadt umweltsensitiv steuern, so dass sich keine Staus mehr bilden, die Müllabfuhr digital organisieren oder über bodennahe Temperatur- und Feuchtigkeitsmessungen ermitteln, wo im Winter gestreut werden muss.

Das alles erfordert die Erhebung und Auswertung großer Datenmengen. Wie steht es da mit unserer Datensouveränität? Auch hier herrscht Einigkeit: Es darf keine DGSVO-inkonsistente Nutzung oder Vermarktung von Daten geben!
Entsprechende Investments in Anonymisierung und Auswertung solcher Daten sind also erforderlich. Oftmals existieren die Daten bereits, aber viele Städte wissen nicht, wie diese zu nutzen seien, berichtet die Telekom-Expertin. Manche Nutzungsszenarien ergeben sich auch erst viel später.

Wichtig aber sei, betont Peter Jakubowski, "die Trennscheiben zwischen den Silos herunterzufahren", sprich: gerade in städtischen Einrichtungen Daten zu vernetzen, statt abteilungsweise getrennt auszuwerten. Der Bonner CDO pflichtet bei: Man müsse damit anfangen, Erfahrungen sammeln, auch mal was ausprobieren, Scheitern zulassen, um daraus zu lernen. Arbeits-Plattformen, die einen offenen, sicheren Datenaustausch ermöglichen, sogenannte Collaboration Platforms, können dabei eine große Hilfe sein, so Gabi Kotulla-Münster - nicht nur für die interne Vernetzung, sondern auch für die mit Partnern.

Mirko Heid ergänzt, dass Lösungsansätze nicht unbedingt im Unternehmen selbst entwickelt werden müssen: "Man muss nicht alles selber erfinden" - die Vernetzung mit Startups aus der Region bringt der SWB einen anderen Blick auf die Probleme, und im Austausch enstehen dann gute Ideen und Lösungen.

Und wie steht es mit digitaler Partizipation? Peter Jakubowski erläutert, dass eine digitale Partizipation von Bürgern an Entscheidungsprozessen voraussetzt, dass diese auch qualitativ zielführend gesteuert werden können - verschiedene Interessen müssen kanalisiert und geleitet, durchdachte Feedbackschleifen installiert werden. Das Stichwort lautet Co-Creation: Die Telekom setzt entsprechende Tools bereits ein, wenn es um die Entwicklung von Digitalstrategien für Städte geht.

Zu guter Letzt braucht das alles aber auch Strom - wird der Bedarf da steigen? Führt das zu erhöhter CO2-Belastung? Müssen wir Engpässe fürchten? Mirko Heid kann beruhigen: Die Stadtwerke verfügen über einen exzellenten Strommix mit 75%igem Anteil regenerativer Energien, und das eigene Heizkraftwerk wird gerade weiter ertüchtigt. Auch sorgen stromsparende Funknetze wie das städtische LoRaWAN für mehr Effizienz.

Klar ist aber auch, mahnt Peter Jakubowski, dass wir uns in eine hohe Abhängigkeit begeben. Er erinnert an den aktuellen IT-Ausfall im top-digitalisieren Uniklinikum Düsseldorf. Daher sollten bei allen digitalen Entwicklungen von Anfang an die Versorgungs- und Datensicherheit mit in den Blick genommen werden, etwa durch redundante Strukturen. In Bonn arbeitet zum Beispiel das Netzwerk des Cyber Security Clusters an der Immunisierung der Gesellschaft gegen digitale Angriffe.

Der Ausblick der Diskutierenden auf Smart Bonn in zehn Jahren bleibt zum Schluss verhalten optimistisch - viele kleine Schritte werden uns weiterbringen, Konsens muss mit vielen Beteiligten hergestellt werden, aber "wir kriegen das hin", so Friedrich Fuß, und Peter Jakubowski betont die bereits gute Ausgangssituation in Bonn: "Da wird so viel nicht schiefgehen!"
Smartes Schlusswort zu #smartbonn.