Die Chipkrise zwingt ganze Industrien in die Knie. Chip-Gigant ASML aber profitiert außerordentlich von den Engpässen: 2021 lieferte das Unternehmen die zweitstärkste E-Stoxx 50-Performance. Setzt sich die Rallye fort?

ASML ist großer Profiteur der digitalen Transformation. Auch die weltweiten Engpässe in der Chipproduktion spielen den Niederländern in die Karten. Das Unternehmen will die Kapazitäten weiter ausbauen, um die aktuelle und zukünftig erwartete Nachfrage bedienen zu können.

Aktuell wird ASML mit 274,90 Milliarden Euro bewertet, einige Tech-Investoren gehen allerdings davon aus, dass der Chip-Riese bis Ende 2022 441,64 Milliarden Euro wert sein wird. Gemessen am Marktwert ist ASML das größte Technologieunternehmen in Europa und eines der größten der Welt.

"ASML ist der weltweit größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie und wichtigster Zulieferer der Chip-Industrie. Rund 80 Prozent aller Chiphersteller sind Kunden bei ASML", sagt Wolfgang Donie, Analyst der Nord/LB im Gespräch mit wallstreet:online.

Bis 2025 hat sich der Konzern ein Umsatzwachstum, je nach Marktszenario, auf 24 bis 30 Milliarden Euro vorgenommen. Langfristig werden signifikante Wachstumsmöglichkeiten erwartet. Für den Zeitraum von 2020 bis 2030 wird beispielsweise eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von elf Prozent in Aussicht gestellt.

Die modernsten Chips der Welt

Seit dem IPO im Jahr 1995 ist ASML an den Börsen Amsterdam und NASDAQ gelistet. Mit der Übernahme von Cymer hat sich das Unternehmen vor allem im Bereich EUV-Technologie (Extreme Ultraviolet) verstärkt.

Wie CNBC berichtete, arbeitet ASML an einer neuen Version seiner Extrem-Ultraviolett-Lithographie-Maschine, mit der Muster in Siliziumstücke geritzt werden, aus denen die modernsten Chips der Welt entstehen sollen. Die neue Version könnte es den Chipherstellern ermöglichen, noch anspruchsvollere Chips für die nächste Generation elektronischer Geräte herzustellen.

Intel-CEO Pat Gelsinger sagte im Juli, dass das Unternehmen voraussichtlich der erste Empfänger der neuen ASML-Maschine mit dem Namen High NA sein wird.

Analystenstimmen

ASML steht bei Morgan Stanley als Top Pick für den europäischen Technologiesektor 2022. Goldman Sachs sieht das Kursziel bei 880 Euro.

Und wie schätzt Nord/LB-Analyst Wolfgang Donie das Potenzial der Aktie ein?

"Auch wenn die Umsatzentwicklung etwas unter unserer Erwartung lag – möglicherweise wirkten sich hier Lieferkettenprobleme aus – konnten Auftragseingang und Gewinnentwicklung überzeugen." Gerade durch die EUV-Technologie habe sich ASML zu einem unentbehrlichen Anbieter entwickelt. Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung mit Megatrends wie dem Mobilfunkstandard 5G, Künstlicher Intelligenz oder Robotics bleiben die Wachstumschancen hoch, ist Donie überzeugt: "Die deutliche Anhebung der mittelfristigen Umsatzerwartung ist daher durchaus realistisch. Nach Anpassung unserer Planung heben wir unser Kursziel für die ASML-Aktie auf EUR 860,00 an und bestätigen unsere 'Kaufen'-Empfehlung."

Aktuell verzeichnet die Aktie in einem schwachem Marktumfeld einen Wochenverlust von acht Prozent. Am dritten Januar ereignete sich ein Brand im Berliner Werk von ASML. Die Befürchtung, dass sich Lieferengpässe bei Halbleitern jetzt verschärfen könnten, wurde bisher nicht bestätigt. ASML teilte mit, man werde erst in einigen Tagen Aussagen darüber treffen können, ob der Brand in dem Werk im Stadtteil Britz in der Nacht zu Montag Folgen für die Jahresproduktion habe.

Autorin: Gina Moesing, wallstreet:online Zentralredaktion


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