NEW YORK (dpa-AFX) - Ungeachtet enttäuschender Konjunkturdaten und schwieriger Verhandlungen im Zollstreit hat sich der US-Leitindex Dow Jones Industrial auch am Dienstag stabil gezeigt. An der technologielastigen Nasdaq-Börse indes ging es nach schwachen Quartalszahlen der Google -Mutter Alphabet spürbar abwärts.

Im frühen Handel pendelte der Dow um seinen Vortagesschluss und gab zuletzt um 0,14 Prozent auf 26 515,71 Punkte nach. Eine Woche zuvor war das Wall-Street-Barometer dem Rekordhoch von Anfang Oktober noch ein Stück näher gekommen und verteidigt dieses Niveau seither mit Mühe. Der S&P 500 , der am Vortag bei knapp unter 2950 Punkten den höchsten Stand in seiner Geschichte erreicht hatte, gab nun leicht um 0,28 Prozent auf 2934,86 Punkte nach. Der Nasdaq 100 büßte zugleich 0,96 Prozent auf 7763,55 Punkte ein.

Die Konjunkturdaten des Tages fielen insgesamt schlechter als erwartet aus: So hatte sich in der Region Chicago im April die Unternehmensstimmung stärker eingetrübt als erwartet. Zudem hatte sich der Preisauftrieb am Immobilienmarkt im Februar weiter abgeschwächt. Die Preise waren so geringfügig gestiegen wie zuletzt im September 2012.

Hinsichtlich der aktuell wieder in Peking angelaufenen Handelsgespräche zwischen den USA und China berichtete das "Wall Street Journal" in seiner Online-Ausgabe, dass die gegenseitig verhängten Strafzölle beider Volkswirtschaften zurzeit das Haupthindernis auf dem Weg zu einem gemeinsamen Abkommen seien.

Beim Mutterkonzern der Internetsuchmaschine Google belastete vor allem die schwache Umsatzentwicklung im ersten Quartal die Stimmung der Anleger. Zwar hatten die Erlöse von Alphabet um rund 17 Prozent zugelegt, waren damit aber weit unter den Erwartungen der Analysten geblieben. Google spürt den zunehmenden Konkurrenzkampf im Markt für Online-Anzeigen und lieferte den schwächsten Umsatzzuwachs seit drei Jahren. Deutsche-Bank-Analyst Lloyd Walmsley rechnet nun mit wachsenden Sorgen, dass der Sättigungsgrad erreicht sein könnte und Google nun in die Reifephase übergehe. Im Nasdaq-Auswahlindex büßten die sowohl die Anteilscheine etwas mehr als 8 Prozent ein.

General Electric hatte zu Jahresbeginn wieder schwarze Zahlen geschrieben, was den Aktien im S&P ein Plus von fast 5 Prozent bescherte. Das operative Ergebnis auf Basis der einzelnen Geschäftssegmente sei überraschend stark ausgefallen, urteilte Goldman-Sachs-Analyst Joe Ritchie. Besonders positiv überrascht habe ihn die Rückkehr in die operative Gewinnzone im Bereich Energietechnik, lobte er und verwies auf auf den im Schlussquartal 2018 noch angefallenen Verlust von fast 900 Millionen US-Dollar.

Im Dow profitierten die Anteile des Ölkonzerns Chevron als Spitzenwert mit plus 3,2 Prozent davon, dass sich nun Börsenguru Warren Buffett in den Bieterkampf um die Übernahme des US-Ölförderers Anadarko eingeschaltet hat. Er will Occidental Petroleum Geld für den Zukauf geben, womit die Möglichkeit einer Übernahme durch Chevron sinkt. Berkshire Hathaway will 10 Milliarden Dollar für einen Anteil an Occidental bereitstellen, um zur Finanzierung der Übernahme von Anadarko beizutragen. Sollte Anadarko die neue Offerte von Occidental offiziell als überlegen bezeichnen, hätte Chevron vier Tage Zeit, das eigene Angebot nachzubessern. Anadarko-Titel gaben um 0,5 Prozent nach, Occidental rutschten um fast 2 Prozent ab.

Zudem legten einige Dow-Unternehmen ihre Geschäftszahlen vor. Beim Pharmahersteller Pfizer hatten gute Geschäfte in der Sparte Forschung & Entwicklung für Schwung gesorgt. Zudem wurde auch der Ausblick gelobt. Die Papiere gewannen als zweitstärkster Wert 2,8 Prozent, gefolgt von den Papieren von Merck & Co , die nach vorgelegten Quartalszahlen um 1,4 Prozent stiegen.

Der Fast-Food-Riese McDonald's konnte nicht von seinem Quartalsbericht profitieren. Die Aktien gaben um marktkonforme 0,04 Prozent nach. Visa-Konkurrent Mastercard legten im S&P nach einem kräftigen Anstieg der Erlöse und Gewinne im ersten Quartal um 2,6 Prozent zu. General Motors gaben um 2,6 Prozent nach, nachdem Absatz und Umsatz des Autobauers im ersten Quartal enttäuscht hatten.

Bevor der iPhone-Hersteller Apple an diesem Tag nach Börsenschluss über sein abgelaufenes zweites Geschäftsquartal berichten wird, büßten dessen Papiere im Dow 1,7 Prozent ein. Anleger rechnen mit rückläufigen iPhone-Umsätzen infolge eines inzwischen weitgehend gesättigten Marktes sowie verstärkter Konkurrenz auf dem chinesischen Markt./ck/he