FRANKFURT (dpa-AFX) - Beim Superbowl schlagen die Herzen der Fans nicht allein wegen des Kampfes um den unrunden Ball höher. Viele Zuschauer des größten sportlichen Ereignisses in den USA fiebern jedes Jahr der Werbung für Budweiser entgegen. Die Spots der Biermarke zum Ligafinale gelten längst als legendär und steigern den Durst der Football-Fans. Alles bestens also für den Brauerei-Giganten AB Inbev <BE0003793107>?

DAS IST LOS IM KONZERN:

Auch der größte Bierproduzent der Welt hat mit der Abkehr der Konsumenten vom klassischen Massenbier zu kämpfen. Das gilt vor allem für den wichtigen US-Markt. Junge Menschen sind experimentierfreudig, werben auf Youtube, Facebook und Instagram für kleine, lokale Biersorten. Gesundheitsbewusste bevorzugen kalorienämere Biere. Auf diese Trends setzt auch AB Inbev. Zur seit 143 Jahren gebrauten Top-Marke Budweiser greifen die Käufer aber immer seltener.

Für Branchenriesen wie AB Inbev, Heineken <NL0000009165> und Carlsberg <DK0010181759> ist Bier ein Massengeschäft. AB Inbev produzierte im vergangenen Jahr 567 Millionen Hektoliter Bier. Das entspricht dem Fassungsvermögen einer größeren deutschen Talsperre. Die drei Top-Marken sind Budweiser, das mexikanische Corona und das belgische Stella Artois. Diese drei Marken trugen 2018 mit etwa einem Drittel zum gesamten Umsatzwachstum bei. In Deutschland steht AB Inbev hinter Marken wie Beck's, Hasseröder und Löwenbräu.

In Nordamerika war der Ausstoß 2018 rückläufig und auch die Gewinnmargen gaben nach. Der Konzern will nun unter einem neuen Management und mit einer neuen Strategie gegen Stagnation und Rückgang ansteuern. So sollen Premiummarken wie Michelob stärker zulegen. Gleiches gilt für das Segment Core+, in dem sich wachstumsträchtige Sorten wie Bud Light Orange oder das kalorienärmere Michelob Ultra finden. Sie kommen bei jüngeren Käufern deutlich besser an.

Doch der Konzern hat noch andere Baustellen. So drückte eine schwache Konjunktur 2018 in wichtigen Schwellenländern auf Umsatz und Gewinn. Von einem "schwierigen wirtschaftlichen Umfeld" spricht das Unternehmen und nennt Südafrika, Argentinien und Brasilien. Das habe die Konsumenten zu Zurückhaltung bewogen. Brasilien steuert einen beachtlichen Anteil zum Gewinn des Konzerns bei. In Südafrika hatten leere Lager und höhere Steuern belastet.

Gegenwind bekommt der Konzern auch vom starken US-Dollar. Die US-Währung hat in den vergangenen Jahren vor allem zu den Devisen von Schwellenländern stark aufgewertet. Gerade diese zählen aber zu den wichtigsten Absatzmärkten von AB Inbev. Experten schätzen, dass mehr als die Hälfte der Kosten von Bierbrauern in den Emerging Markets, die unmittelbar mit der Produktion zusammenhängen, in Dollar anfallen. Steigt dieser, steigen auch die Kosten.

Zudem gärt in der Bilanz ein Schuldenberg. Ende vergangenen Jahres schob das Unternehmen Schulden von mehr als 100 Milliarden Dollar vor sich her. Mit Spannung schauen die Märkte deshalb auf den Börsengang der Asien-Sparte namens Budweiser Brewing Company APAC. AB Inbev will einen Minderheitsanteil an der Börse in Hongkong platzieren und mit dem Erlös die Schulden abbauen und Zukäufe in der Region Asien-Pazifik finanzieren. Mit der Übernahme von SAB Miller Ende 2016 waren die Schulden stark gestiegen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Angesichts dieser Gemengelage sind Analysten nicht eben berauscht. "Die Vorlieben der Konsumenten haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch geändert", sagte Analystin Andrea Teixeira von der Investmentbank JPMorgan. Während die Biernachfrage in den USA sinke, würden Spirituosen, Weine und auch die Alternative Cannabis beliebter. Vor allem Jüngere seien beim Alkoholkonsum nicht mehr so "loyal" zum bevorzugten Getränk wie frühere Generationen. Eine Rezession in den USA in Folge des Handelskriegs könnte dem Bierkonsum allerdings auf die Sprünge helfen.

Ein stärkerer Fokus auf Premiumbiere und neue Produkte könnten AB Inbev auf dem US-Markt wieder in die Spur bringen, sagte John Ennis von Goldman Sachs. Das habe sich in den vergangenen Quartalen schon angedeutet in Form weniger stark sinkender Margen. Biere wie Bud Light Orange, Budweiser Free und Michelob Ultra Pure Gold hätten dazu beigetragen. Mit der schrittweisen Verbesserung der Marktanteile dürfte sich auch die Stimmung an der Börse heben, prognostizierte der Experte.

Große Erleichterung könnte dem Unternehmen ein schwächerer Dollar bereiten. Denn während in den wichtigen Schwellenländern ein Großteil der Kosten in Dollar anfällt, sind die Erlöse in heimischer Währung. "Das gilt vor allem für Lateinamerika und Afrika", sagte Javier Gonzalez Lastra von der Berenberg Bank. Ihm zufolge dürfte AB Inbev 2019 in diesen beiden Regionen 61 Prozent des operativen Gewinns einfahren. Ein um 1 Prozent festerer Dollar schmälere den Gewinn um 1,5 Prozent. Entsprechend groß wäre der "Hebel" für den Profit, sollte der Greenback abwerten.

Mit Blick auf den Schuldenstand könnte zudem der Börsengang des Asien-Geschäfts etwas Druck vom Kessel nehmen. Euan McLeish vom Investmenthaus Bernstein schätzt, dass AB Inbev voraussichtlich im September ein Viertel der Tochter Budweiser Brewing Company APAC an die Börse bringt und damit 13 Milliarden US-Dollar einnimmt. Neben dem Abbau von Schulden dürften mit dem frischen Geld auch Zukäufe in der Region finanziert werden. Erste Akquisitionen könnte der Brauer sechs bis neun Monate nach dem Börsengang melden.

DAS MACHT DIE AKTIE:

In den vergangenen drei Jahren hatten die Aktionäre von AB Inbev selten Grund zum Anstoßen. Vom Herbst 2017 bis Anfang 2019 dürfte sich sogar ein veritabler Kater eingestellt haben. Kosteten die Papiere seinerzeit noch mehr als 100 Euro, so waren sie Anfang dieses Jahres mit gut 56 Euro fast für die Hälfte zu haben. Einen herben Schlag hatte die auch im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> enthaltene Aktie Ende Oktober erlitten, als das Management die Dividende kürzte und der Kurs um zehn Prozent abstürzte.

Vom Tief zu Jahresbeginn hat sich der Kurs mittlerweile wieder um mehr als ein Drittel erholt. Ende Februar hatte der Bierspezialist für 2019 wieder Wachstum in Aussicht gestellt. Das sorgte bei Investoren für bessere Laune. Zu den wieder aufgehellten Perspektiven in der Branche passten optimistische Prognosen des Kontrahenten Heineken für den Bierausstoß und die Preise 2019. Auch Heineken-Aktien sind seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent geklettert. Der Optimismus von Anlegern schäumt noch nicht über, aber Besserung könnte in Sicht sein./bek/mif/jha/