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AIRBUS IM FOKUS: Auftragsflut, Triebwerksärger und die Suche nach dem neuen Chef

08:50 Uhr 17.04.2018

TOULOUSE (dpa-AFX) - Eigentlich sieht es für Airbus richtig gut aus: Die Luftfahrt wächst im Eiltempo, der Auftragsbestand reicht für viele Jahre, und selbst in der Rüstung gibt es wieder Lichtblicke. Doch Ärger mit neuen Triebwerken bremst die Produktion, 3700 Jobs stehen in Frage, und Korruptionsermittlungen halten Airbus in Atem. Derzeit sucht der Konzern einen Nachfolger für seinen Chef Tom Enders. Die wichtigsten Punkte für das Unternehmen, was die Experten sagen und wie es für die Aktie läuft:

DAS IST LOS BEI AIRBUS:

Airbus' Auftragsbücher sind prall gefüllt. Ende März hatte der Konzern Bestellungen über fast 7200 Jets in seinen Büchern - rechnerisch genug für neun Jahre bei einem Auslieferungsziel von 800 Fliegern wie für 2018. Am liebsten würde Airbus die Produktion seiner A320neo-Mittelstreckenjets noch weiter hochfahren. Doch die Triebwerksbauer spielen nicht mit: Die United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney quält den Konzern mit Mängeln und Lieferproblemen - und bei Airbus stocken dadurch schon lange die Auslieferungen. Im ersten Quartal hat der Konzern deshalb wohl operativ rote Zahlen geschrieben.

Dabei steht der Konzern einer immensen Nachfrage gegenüber. Mittelstreckenjets wie die A320neo und Boeings Konkurrenzmodell 737-MAX sind die meistgefragte Flugzeugklasse der Welt - auch im wichtigsten Absatzmarkt China. Überall ringen die beiden Hersteller um die Aufträge der Airlines. Falls China im Handelsstreit mit den USA Ernst macht mit Strafzöllen auf US-Flugzeuge, könnten die Europäer dort noch mehr Maschinen verkaufen - wenn sie sie denn liefern können.

Mit dem neuen Großraumflieger A350 dürfte Airbus derweil erst ab 2020 Geld verdienen. Und beim weltgrößten Passagierjet A380 muss der Konzern wohl dauerhaft drauflegen, um die gekappte Produktion am Leben zu erhalten. Weil auch beim Militärtransporter A400M weniger Exemplare pro Jahr gebaut werden als bisher gedacht, stehen konzernweit 3700 Jobs auf der Kippe. Die meisten Betroffenen will der Konzern in anderen Funktionen weiter beschäftigen. Hoffnung machen auch die wachsenden Rüstungsbudgets vieler Staaten. So wollen Deutschland und Frankreich einen neuen Kampfjet entwickeln lassen.

Zur Ruhe kommt Airbus in dieser Gemengelage nicht. Angesichts von Korruptionsermittlungen hat der Konzern einen großen Management-Umbau angeschoben. Airbus-Chef Enders geht 2019, bis Ende 2018 soll ein Nachfolger gefunden sein. Auch Verwaltungsratschef Denis Ranque dürfte den Staffelstab weitergeben. Der langjährige Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Fabrice Brégier, hat seinen Hut bereits genommen, sein Nachfolger ist der bisherige Chef der Helikopter-Sparte, Guillaume Faury.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Airbus-Aktie hat in den vergangenen Jahren einen kräftigen Steigflug hingelegt: Wer die Papiere vor drei Jahren gekauft hat, hat bis zum jetzigen Kurs von rund 90 Euro einen Gewinn von mehr als 40 Prozent eingefahren - zuzüglich Dividenden. Selbst seit dem Jahreswechsel ging es trotz einiger Turbulenzen an der Börse bis jetzt um rund 9 Prozent nach oben.

Mitte Februar sah es noch besser aus. Da erreichte die Aktie mit knapp 100 Euro ein Rekordhoch, nachdem Airbus die Anleger mit seiner Jahresbilanz für 2017 überzeugt hatte. Dennoch ist die Kursentwicklung nichts gegen die des Erzrivalen Boeing : Dessen Papiere haben ihren Wert in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die meisten der von dpa-AFX beobachteten Analysten halten den Höhenflug der Airbus-Papiere noch längst nicht für beendet. Von denjenigen Experten, die ihre Schätzungen seit Mitte Februar aktualisiert haben, empfehlen neun die Aktie zum Kauf, fünf raten zum Halten, keiner von ihnen würde die Papiere jetzt abstoßen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 106 Euro. Die Spanne reicht dabei von 88 bis 130 Euro.

Analyst Olivier Brochet von der Credit Suisse, der die Aktie in zwölf Monaten bei 93 Euro sieht, schätzt vor allem den Triebwerksärger kritisch ein. Im ersten Quartal hätten vor allem 80 bis 85 nicht ausgelieferte Mittelstreckenjets voraussichtlich zu einem gesamten Barmittel-Abfluss von 3,3 Milliarden Euro geführt, schreibt er. Die Anlaufverluste bei der A350 hätten sich aber wohl verringert.

Sein Kollege David Perry von JPMorgan sieht die Probleme ähnlich, schätzt die Belastung aber als vorübergehend an. Er hat der Aktie ein Kursziel von 120 Euro gesetzt. Bis zum Jahr 2023 könne Airbus seinen bereinigten operativen Gewinn voraussichtlich auf 10 Milliarden Euro steigern. Das wäre fast doppelt so viel wie für 2018 angepeilt. Er glaubt, dass der Hersteller die A320neo-Produktion ab dem Jahr 2021 oder 2022 wie erhofft auf 70 Maschinen pro Monat steigern kann./stw/gl/jha/

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