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FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Der Bilanzskandal um den Bezahldienstleister Wirecard hat dessen Aktien am Montag auf Tradegate noch tiefer in den Abwärtsstrudel gerissen. Sie büßten vorbörslich zuletzt weitere 42 Prozent auf 15,00 Euro ein, nachdem sie bereits am Donnerstag und Freitag um bis zu 82 Prozent eingebrochen waren. Auslöser der neuerlichen Talfahrt: Der Dax-Konzern geht inzwischen davon aus, dass Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die bisher als Aktivposten in der Bilanz ausgewiesen waren, "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen".

Ein Händler zeigte sich angesichts der seit Donnerstag um Wirecard herrschenden Panik der Anleger kaum überrascht, dass die Aktie nun weiter "wie ein Stein" falle. "In das fallende Messer will keiner 'reingreifen", sagte er. "Die Zukunft des Unternehmens ist aktuell mehr als unsicher." Hinzu dürfte eine Klagewelle kommen.

Nachdem die Wirtschaftsprüfer von EY das Testat für den Jahresabschluss wegen der fehlenden Gelder verweigert hatten, könnten Banken Wirecard nun den Geldhahn abdrehen. Außerdem nahm Wirecard in der Folge nicht nur seine vorläufige Einschätzung für das Geschäftsjahr 2019 zurück, sondern auch die Zahlen für das erste Quartal und die Prognosen für 2025. Mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre werden zudem nicht ausgeschlossen.

In die Reihe der geschockten Analysten reihte sich nun auch James Goodman von der britischen Großbank Barclays ein. Er setzte die Bewertung der Aktie aus. Wegen des fehlenden Revisionsabschlusses und eskalierender Bedenken über die Rechnungslegung habe er nicht genügend Informationen, aus denen er ein glaubwürdiges Rating und Kursziel ableiten könne, schrieb er.

Die Ratingagentur Moody's hatte zudem am späten Freitagabend ihr Urteil für die Kreditwürdigkeit von Wirecard auf "Ramsch" gesenkt und mitgeteilt, dass weitere Abstufungen möglich seien./ck/bek/jha/

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