(Neu: Aktionäre stimmen Staatseinstieg zu, Schlusskurs)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Signale von Großaktionär Heinz Hermann Thiele für eine mögliche Zustimmung zur staatlichen Rettung der Lufthansa haben die Aktien der Airline anlässlich der außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Donnerstag befeuert. Die Aktien schlossen als Spitzenreiter im MDax der mittelgroßen Werte 7,08 Prozent höher bei 9,59 Euro. Erst nach Börsenschluss stimmten die Aktionäre dem geplanten Einstieg des Staats und dem damit verknüpften Hilfspaket zu, das das Überleben des Airline-Konzerns in der Corona-Krise sichern soll.

Gut kam am Markt auch an, dass sich der Konzern mit der Gewerkschaft Ufo inzwischen auf ein Krisenpaket für die Flugbegleiter mit Einsparungen von mehr als einer halben Milliarde Euro verständigt hat.

Die Aktionäre des Unternehmens stimmten letztlich mit großer Mehrheit dafür, den Staat für rund 300 Millionen Euro als neuen Anteilseigner einsteigen zu lassen. Damit fest verbunden ist das insgesamt neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket, das in den Wochen zuvor mühsam zwischen Frankfurt, Berlin und Brüssel ausgehandelt worden war. Wäre der Staatseinstieg ins Grundkapital geplatzt, wäre auch das übrige Rettungspaket aus stiller Beteiligung und KfW-Kredit erst einmal hinfällig gewesen. Nach Darstellung der Lufthansa-Führung hätte in diesem Fall binnen weniger Tage die Insolvenz oder ein Schutzschirmverfahren gedroht.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatten abermals für das Angebot des Bundes geworben. Der Bund biete der Lufthansa und ihren mehr als einhunderttausend Beschäftigten "in einer beispiellosen Notlage" Unterstützung an, sagte Scholz. Das Hilfspaket wahre zugleich "die berechtigten Interessen der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler".

Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission hatten das Rettungspaket am Morgen genehmigt. Die Freigabe der Rekapitalisierungshilfen in Höhe von sechs Milliarden Euro unterliegt allerdings der Bedingung, dass die größte deutsche Fluggesellschaft Verpflichtungen zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen einhält. So muss die Lufthansa einige Start- und Landerechte an ihren wichtigen Drehkreuzen Frankfurt und München an Wettwerber abgeben.

Europas größter Billigflieger Ryanair will wegen der Lufthansa-Staatshilfen vor das Gericht der Europäischen Union ziehen. "Dies ist ein spektakulärer Fall, in dem ein reicher EU-Mitgliedstaat die EU-Verträge zum Nutzen seiner nationalen Industrie und zum Nachteil ärmerer Länder ignoriert", teilte Ryanair-Chef Michael O'Leary in Dublin mit.

Analyst Michael Kuhn von der französischen Großbank Societe Generale rechnet mit einer Kurserholung auf das Niveau vor der Thiele-Intervention bei etwa 12 Euro, sollte bei der Hauptversammlung alles glatt laufen und Thiele zustimmen. Der Milliardär hätte mit seiner Lufthansa-Beteiligung von 15,5 Prozent den Staatseinstieg im Alleingang verhindern können, da wegen der geringen Aktionärspräsenz auf der Hauptversammlung eine Zweidrittel-Mehrheit vonnöten war./ajx/edh/stw/zb