(neu: Kursentwicklung im 1. Absatz)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dünger- und Salzkonzern K+S <DE000KSAG888> hat mit seinen Quartalszahlen die Sorgen der Anleger wegen der hohen Verschuldung etwas gemildert. Die Aktien setzten am Donnerstag zur Erholung an und stiegen an der Spitze des Index der mittelgroßen Werte MDax <DE0008467416> zeitweise um mehr als fünf Prozent. Im weiteren Verlauf gaben sie die Gewinne jedoch größtenteils wieder ab und schlossen 1 Prozent im Plus.

"In einem saisonal ohnehin schwachen Jahresviertel lag die Gewinnentwicklung etwas unter den Markterwartungen, doch der freie Mittelzufluss war deutlich besser als gedacht", erklärte Analyst Markus Mayer von der Baader Bank.

Erst vor wenigen Tagen war der Aktienkurs bis auf 13,15 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2005 gefallen. Ein Grund für den Rutsch sind die globalen Konjunktursorgen, die die Furcht vor einem Einbruch der Düngerpreise nähren. Diese hatten sich in den vergangenen Monaten nach einer langen Durststrecke gerade erst erholt, zuletzt aber in einigen Regionen schon wieder leichte Schwäche gezeigt.

Hinzu kamen Bedenken angesichts der hohen Verschuldung des Unternehmens nach dem milliardenschweren Neubau eines Kaliwerkes in Kanada, das 2017 eröffnet wurde und die Produktion aktuell weiter nach oben fährt. Vor diesem Hintergrund dürfte der frei Mittelzufluss (Free Cashflow) von 102 Millionen Euro im zweiten Quartal nach dem hohen Minus vor einem Jahr laut dem Baader-Bank-Analysten Mayer die Nerven der Anleger ein Stück weit beruhigen.

So war der Verschuldungsgrad - also das Verhältnis von Nettoschulden zum operativen Gewinn (Ebitda) bis Ende Juni auf das 4,4-fache vom 5,3-fachen Ende 2018 gefallen. Damit ist der Wert zwar immer noch recht hoch, Konzernchef Burkhard Lohr sieht K+S aber auf einem guten Weg, bis Ende 2020 den geplanten Wert von etwa 2,8 zu erreichen. Das wäre dann nur noch halb so viel wie im ersten Halbjahr 2017.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war derweil in den drei Monaten bis Ende Juni um 24 Prozent auf 130 Millionen Euro gestiegen. Das sei weniger als erwartet, sagte Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan. Doch habe das vor allem an höheren Kosten im Geschäft mit Auftausalzen mit der öffentlichen Hand gelegen. Dieses Geschäft ist aber zu dieser Jahreszeit ohnehin schwach.

Derweil hob auch Udeshi den Free Cashflow positiv hervor, sowie den zumindest in der Mitte der Spanne etwas optimistischeren Gewinnausblick des Konzerns. Lohr rechnet 2019 nun mit einem operativen Ergebnis von 730 bis 830 Millionen Euro, nachdem er bisher 700 bis 850 Millionen angepeilt hatte. Nach den ersten sechs Monaten sind davon bereits 400 Millionen Euro eingefahren.

Udeshi verwies auch auf gesunkene Produktionsrisiken im hessisch-thüringischen Kalirevier an der Werra. So hatte das Unternehmen einen zusätzlichen Zwischenspeicher für Salzabwässer in 700 Metern Tiefe in einem ehemaligen Abbaubereich errichtet. Sollte die Werra nicht ausreichend Wasser für die Einleitung von Produktionsabwässern führen, können diese vorübergehend gespeichert und später in den Fluss eingeleitet werden.

Witterungsbedingte Stillstände hält Konzernchef Lohr nun auch bei längerer Trockenheit für unwahrscheinlich, nachdem 2018 die Produktion an der Werra an vielen Tagen ruhen musste, weil nicht ausreichend Abwässer entsorgt werden konnten. Allein das hatte das Ebitda 2018 mit rund 110 Millionen Euro belastet.

Mit einem Kursziel von 14,50 Euro und einer "Underweight"-Empfehlung bleibt der JPMorgan-Analyst Udeshi indes vorsichtig. Damit zählt er zu den verhalteneren der elf im dpa-AFX-Analyser seit März erfassten Experten. Deren durchschnittliches Kursziel liegt bei knapp 19,60 Euro. Das entspricht in etwa dem Ziel von 19 Euro, das Baader-Analyst Mayer ausrechnet. Mayer rät zum Kauf der Aktien und sieht nach den Kursverlusten von allein rund elf Prozent im Jahresverlauf ein Kurspotenzial von mehr als einem Drittel. Zum Vergleich: der MDax legte im gleichen Zeitraum um mehr als 14 Prozent zu.

Langfristig sieht es noch trüber aus für die Anteilseigner von K+S: Im Sog eines Rohstoffbooms mit hohen Düngerpreisen waren die Aktien kurz vor der Weltfinanzkrise vor mehr als einem Jahrzehnt bis auf fast 100 Euro gestiegen. Der anschließende jahrelange Abwärtstrend wurde bisher nur 2015 im Zuge eines Übernahmeversuchs durch den kanadischen Konkurrenten Potash unterbrochen, der mittlerweile mit Agrium fusioniert ist und unter Nutrien <CA67077M1086> firmiert.

Potash hatte damals 41 Euro je Aktie in Aussicht gestellt, woraufhin die Papiere der Hessen bis auf etwas mehr als 40 Euro gestiegen waren. Das Management - der aktuelle Konzernchef Lohr war damals bereits Vorstandsmitglied - hatte aber den im Raum gestandenen Preis für zu niedrig gehalten. Seither ging es für den Aktienkurs um fast zwei Drittel abwärts./mis/bek/he