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FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Die Aussicht auf eine kurz bevorstehende Einigung im Glyphosat-Streit in den USA haben den Bayer-Aktien am Dienstag ein kräftiges Kursplus beschert. Die Papiere des Pharma- und Agrochemiekonzerns schnellten um die Mittagszeit um 6,41 Prozent auf 73,05 Euro nach oben und waren damit zweitstärkster Wert im Dax . Seit ihrem Mehrjahrestief im Zuge des Corona-Crashs Mitte März bei 44,86 Euro haben die Titel der Leverkusener damit eine eindrucksvolle Erholung von rund 63 Prozent hingelegt.

Wie das "Handelsblatt" am Dienstag unter Berufung auf Kreise der Verhandlungspartner und des Unternehmens berichtete, steht Bayer unmittelbar vor einem milliardenschweren Vergleich mit den Gyphosat-Klägern in den Vereinigten Staaten. Es liege eine unterschriftsreife Einigung vor, über die der Aufsichtsrat aber noch beraten und abstimmen müsse, schreibt das Blatt.

Die Höhe des Vergleichs soll bei 8 bis 10 Milliarden US-Dollar liegen. Zwei Milliarden Dollar davon gelten als "Rücklage", mit der Bayer die Ansprüche künftiger Kläger begleichen kann. Die Einigung solle noch in dieser Woche verkündet werden. Bayer wollte auf Anfrage keinen Kommentar zu dem Bericht abgeben. Die vom "Handelsblatt" genannte Vergleichssumme wäre am unteren Ende sogar niedriger als Analysten zuletzt geschätzt hatten.

Sollten sämtliche Glyphosat-Verfahren gegen die Zahlung von maximal 10 Milliarden Dollar eingestellt werden, wäre dies ein bedeutender Kurstreiber für die Aktie, erklärte Baader-Bank-Analyst Markus Mayer. Im gegenwärtigen Kursniveau sei ein Glyphosat-Abschlag von mindestens 25 Milliarden Dollar eingepreist. Der Experte bestätigte seine Kaufempfehlung für die Bayer-Aktien.

Mit dem in Aussicht gestellten Vergleich kämen die seit Spätsommer 2019 laufenden Gespräche über eine außergerichtliche Einigung im Fall Glyphosat zu einem Ende. Sie hatten sich zuletzt wegen der Corona-Pandemie hingezogen. Hinzu kam, dass nicht alle großen Klägerkanzleien in den USA der Einigung zustimmten. Das ist nun offenbar der Fall, denn es handelt sich den "Handelsblatt"-Kreisen zufolge um eine landesweite Einigung.

Erst tags zuvor konnte Bayer im US-Rechtsstreit um mögliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup einen wichtigen Etappensieg erringen. Ein Bundesrichter in Sacramento entschied, dass Bayer im US-Bundesstaat Kalifornien doch nicht auf mögliche Krebsrisiken des Mittels hinweisen muss.

Bayer hatte sich die Glyphosat-Probleme mit der über 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Monsanto ins Haus geholt. Nach drei verlorenen Prozessen und hohen Schadenersatzurteilen wegen angeblicher Krebsrisiken von Unkrautvernichtern sind Zehntausende US-Klagen anhängig./edh/ck/jha/

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