(neu gefasst mit Rekordhoch und ergänzt um Berenberg und JPMorgan)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Spekulationen über ein Investoreninteresse an Vantage Towers haben die Aktie des Mobilfunkmasten-Betreibers am Freitag auf Rekordhöhe katapultiert. Passend dazu hatte zuvor noch Analyst Usman Ghazi von der Privatbank Berenberg geschrieben, dass die Bewertungsbegrenzung der Aktie nur durch das Thema Übernahme beziehungsweise Mehrheitsbeteiligung durchbrochen werden könne.

Im schwachen Gesamtmarkt sprang das Papiwe von Vantage Towers zur Mittagszeit um 9,8 Prozent auf 33,05 Euro hoch und war damit zudem Spitzenwert im MDax . Zeitweise zog der Kurs sogar bis auf 33,59 Euro an.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Morgen unter Berufung auf informierte Quellen berichtete, haben sich der Vermögensverwalter Brookfield und der Infrastrukturfonds Global Infrastructure Partners (GIP) an den Mutterkonzern Vodafone gewandt. Unaufgefordert seien Angebote über eine Mehrheitsbeteiligung an Vantage unterbreitet worden, doch die Briten bevorzugten eine große Fusion innerhalb der Branche, hieß es in dem Bericht. Spekulationen über eine Zusammenlegung der Funkturm-Sparten der Deutschen Telekom und Orange mit Vantage Towers kursieren bereits einiger Zeit.

Laut Analyst Ghazi hatten sich in den vergangenen Quartalen Bedenken über die Unabhängigkeit von Vantage Towers zerstreut, die noch beim Börsengang vor einem Jahr im Vordergrund gestanden und zu einem relativen Bewertungsabschlag geführt hätten. Wesentlich dazu beigetragen habe der Abschluss des Vertrags mit der United-Internet-Tochter 1&1 im Dezember - und dass die britische Vodafone ihre Bereitschaft erklärt hatte, sich von ihrer Funkmasten-Tochter zu trennen.

Zudem hält der Berenberg-Experte Vantage im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten für besser aufgestellt. Das Unternehmen sei weniger exponiert, was Kartellrechtliches oder die Konsolidierung unter Mobilfunknetzbetreibern betreffe.

Im Thema Fusionen und Übernahmen sieht Ghazi für Vantage Towers "eine Art Joker", wie er schrieb. Das Unternehmen sei dafür gut vorbereitet mit einem Verschuldungsspielraum von einer Milliarde Euro, einer Vorabgenehmigung zur Begebung von Wandelanleihen im Wert von vier Milliarden Euro und mehr als 160 000 Funktürmen in Betrieb, von denen sich 29 000 im Heimatmarkt Deutschland befänden.

JPMorgan-Analyst Akhil Dattani hält mit Blick auf ein mögliches Übernahmeinteresse von Infrastrukturfonds an Vantage eine derartige Lösung zwar nicht für ausgeschlossen, er verweist aber auf die von Vodafone wohl präferierte Alternative einer Fusion mit einem "gleichgesinnten" Industriepartner. Hier kommen ihm zufolge dann aber nur zwei Parteien infrage: die zur Deutschen Telekom gehörende GD Towers sowie die Orange-Tochter Totem, wobei ein Deal mit GD Towers aufgrund der dadurch entstehenden Marktstellung unwahrscheinlich sei. "Daher halten wir ein mögliches Geschäft mit Totem für weitaus wahrscheinlicher", schrieb Dattani./ck/tav/stk