(neu: Überschrift, Bericht der "Financial Times", Reaktion des Aktienkurses und des Unternehmens, Schlusskurse)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei Wirecard hat ein neuer Bericht der "Financial Times" (FT) am Mittwochnachmittag die Freude über den angekündigten Einstieg des japanischen Mischkonzerns Softbank merklich getrübt. Die Aktien des Zahlungsabwicklers, der am Donnerstag detaillierte Jahreszahlen vorlegen wird, dämmten ihr Kursplus von zeitweise über 15 Prozent auf zum Schluss noch achteinhalb Prozent ein.

Dem Bericht zufolge waren angeblich in den vergangenen Jahren die Hälfte der Unternehmenserlöse und fast die gesamten Gewinne auf lediglich drei Partner zurückgegangen, wie das Blatt unter Berufung auf ihm vorliegende Dokumente berichtete. Wirecard teilte dazu mit, "der FT-Artikel enthält wie alle anderen auch viele falsche und irreführende Aussagen".

In der Vergangenheit hatte die Zeitung Wirecard mit mehreren Berichten über angebliche bilanzielle Unregelmäßigkeiten das Leben schwer gemacht. Das Unternehmen selbst sieht dank der Ergebnisse der Untersuchung der von ihm beauftragten Kanzlei Rajah & Tann LL.P. Singapore diese Vorwürfe aber als vollständig entkräftet an, die den Aktienkurs im Februar bis auf 86 Euro hatten einbrechen lassen.

Der Einstieg von Softbank wurde indes am Markt positiv aufgenommen. Mit Softbank hat der Konzern nun einen renommierten Technologie-Investor als Ankeraktionär gewonnen. Sie wollen zudem künftig auch zusammenarbeiten. Die Japaner werden in einem ersten Schritt 900 Millionen Euro in eine Wandelschuldverschreibung des Konzerns investieren. Softbank-Partner wie Alibaba und Uber bedeuteten bei ohnehin schon starken Wachstumsaussichten von Wirecard weiteres Potenzial, sagte ein Börsianer.

Am Montag hatten die Wirecard-Anteile nach anfänglich kräftigen Kursverlusten doch noch deutlich höher geschlossen. Das Ende des Leerverkaufsverbots, das die Finanzaufsicht Bafin ausgesprochen hatte, war am Markt zunächst skeptisch gesehen worden, denn Spekulanten können nun wieder auf fallende Kurse wetten.

Einige hätten Angst gehabt, dass nach dem Auslaufen des Verbots die Aktie wieder fallen könnte, aber nun bilde die Aktie technisch betrachtet einen Boden aus, kommentierte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Die Nachricht über den Einstieg von Softbank dürfte eine mögliche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung auch aus fundamentaler Sicht untermauern, erwartet er.

Auch Analyst Knut Woller von der Baader Bank wertet den Softbank-Einstieg bei Wirecard und die vereinbarte strategische Partnerschaft klar positiv. Japan und Südkorea seien im Grunde noch weiße Flecken auf der Landkarte von Wirecard gewesen. In diesen beiden Ländern könne der Dax-Konzern nun mit seinen Produkten vorankommen. Seine starke Umsatzdynamik dürfte Wirecard beibehalten, wenn nicht sogar beschleunigen./ajx/ck/jha/gl/he