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FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Schwache Geschäftszahlen haben die Aktien von Uniper nach der jüngsten Stabilisierung am Mittwoch wieder unter Druck gesetzt. Der angeschlagene Energiekonzern sieht nach einem Milliardenverlust im ersten Halbjahr wegen ausbleibender russischer Gaslieferungen kurzfristig keine Besserung. Für 2022 rechnet er daher mit einem negativen Ergebnis, gab wegen des volatilen Marktumfelds aber keine konkrete Prognose ab. Im kommenden Jahr soll es Finanzchefin Tiina Tuomela zufolge zwar wieder bergauf gehen. Die Gewinnschwelle sei aber erst 2024 in Sicht.

Obwohl am Markt bereits mit hohen Halbjahresverlusten gerechnet worden war, sackten die Uniper-Titel bereits in den Anfangsminuten um zehn Prozent auf 6,975 Euro ab. Am Gesamtmarkt gingen die Anleger am Mittwoch nach gutem Lauf ebenfalls wieder in die Defensive, wie Kursverluste auch bei den Indizes der Dax -Familie zeigten. Die Uniper-Aktien behaupteten sich immerhin deutlich oberhalb des rund drei Wochen alten Rekordtiefs von 5,64 Euro. Um die Mittagszeit konnten sie bei 7,24 Euro ihr Minus auf rund sechseinhalb Prozent eindämmen, blieben aber Schlusslicht im MDax .

Ein Händler sprach von einem erwartungsgemäß desaströsen Halbjahresbericht. Der Energiekonzern habe extrem schlechte Zahlen vorgelegt, konstatierte auch Analyst John Musk von der kanadischen Bank RBC. Negativ wertete sein Kollege Vincent Ayral von der US-Bank JPMorgan zudem geringere Erzeugungskapazitäten auf dem britischen Absatzmarkt. Doch immerhin vom Gasgeschäft gebe es bessere Nachrichten als zum Jahresbeginn, wenn man die Belastungen im Zusammenhang mit Russland herausrechne.

Einig waren sich beide Experten, dass der Fokus der Anleger stärker auf langfristige strategische Punkte rund um die Gasversorgung sowie Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung als auf die aktuellen Zahlen gerichtet sein dürfte. Laut Uniper belaufen sich die Verluste wegen ausbleibender Gaslieferungen auf täglich im Schnitt 60 Millionen Euro und insgesamt auf bisher 3,8 Milliarden Euro. Bei einer Fortschreibung dieser Entwicklung bis Ende September würde dieser Verlust auf 6,5 Milliarden Euro wachsen, so das Unternehmen.

Angesichts der möglichen Ergebnisschwankungen sei es zudem keine Überraschung, dass Uniper keine konkreten Finanzziele für die drei kommenden Jahre genannt, sondern nur für 2024 die Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht gestellt habe, schrieb RBC-Analyst Musk weiter. Die Aktie bleibe daher ein Investment nur für sehr mutige Anleger.

Die längerfristige Kursentwicklung untermauert Musks Einschätzung. Angesichts des Rekordhochs bei 42,45 Euro kurz vor dem Jahreswechsel sieht die diesjährige Bilanz der Aktie bislang besonders düster aus: Mit einem Wertverlust von über 80 Prozent ist Uniper mit Abstand größter Verlierer im Index der mittelgroßen deutschen Börsenunternehmen, der im selben Zeitraum um knapp 21 Prozent nachgegeben hat. Die Anteilseigner der ersten Stunde haben ebenfalls keinen Grund zur Freude. Denn zum Börsengang der damaligen Eon -Kraftwerkstochter im September 2016 hatte der erste Kurs von Uniper bei rund zehn Euro gelegen./gl/tih/jha/

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