FRANKFURT (dpa-AFX) - Die überraschend guten Geschäfte der Deutschen Bank zum Jahresbeginn haben Anleger am Mittwoch in Entzücken versetzt. Der Kurs der Aktie, der sich seit dem Corona-Crash-Tief bereits weit mehr als verdoppelt hatte, legte am Vormittag um weitere fast neun Prozent zu. Damit lagen die Papiere auf Platz eins im Leitindex Dax , nur knapp vor denen von Delivery Hero. Mit 11,05 Euro blieb die Deutsche-Bank-Aktie knapp unter dem jüngsten Hoch von Anfang März bei 11,25 Euro.

Die Deutsche Bank absolvierte von Januar bis März nach eigener Aussage das beste Quartal seit sieben Jahren. Das Kapitalmarktgeschäft brummt, und im Investmentbanking sprudeln die Gewinne. Unter dem Strich können sich die Anteilseigner über einen Gewinn von 908 Millionen Euro freuen. Die Frankfurter steigerten die Einnahmen, senkten gleichzeitig die Kosten und reduzierten die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf nur noch etwa ein Siebtel. Analyst Jernej Omahen von Goldman Sachs sprach von "praktisch keinen Kreditverlusten".

Analyst Daniele Brupbacher von der UBS lobte in einer ersten Reaktion vor allem die Ausgeglichenheit der Gewinne über die einzelnen Sparten hinweg: Alle vier Sparten hätten mit dem Vorsteuergewinn die durchschnittlichen Markterwartungen prozentual zweistellig übertroffen. "Das gefällt uns, denn es zeigt, dass die Ergebnisse der Deutschen Bank weniger vom Investmentbanking abhängig sind".

Gut dürfte am Markt auch ankommen, dass die Deutsche Bank aus der Pleite des US-Hedgefonds Archegos nach Aussage von Finanzchef James von Moltke ohne Verluste herausgekommen ist. Den schweizerischen Banken Credit Suisse und UBS hatte der umgekippte Fonds hohe Verluste eingebrockt, bei der Credit Suisse waren es rund 5 Milliarden Schweizer Franken. "Nun, da die unfallanfällige Credit Suisse die Rolle der Skandalbank übernommen hat, hat Deutschlands größtes Geldhaus gar die Chance, als Einäugiger unter den Blinden Europas wieder zum Branchenprimus zu avancieren", schrieb Analyst Konstantin Oldenburger, Marktanalyst von CMC Markets.

Auch die charttechnisch interessierten Anleger könnten am Mittwoch optimistischer werden. Denn der Kurs der Deutschen Bank setzte sich merklich von der 50-Tage-Linie nach oben ab. Diese gilt als mittelfristiger Trendindikator, und der Kurs war in der vergangenen Woche noch darunter gerutscht. Noch mehr aufhellen dürfte sich die Lage mit einem Anstieg über das Hoch von 11,25 Euro aus dem März. Kurse darüber entsprächen dem höchsten Niveau seit fast drei Jahren./bek/stw/stk